Love Letter mit Stolpern: „Series Acclimation Mil“ im Review
Ich tue mich noch ein bisschen schwer damit, die fünfte Folge von Starfleet Academy "Series Acclimation Mil" sauber einzuordnen. Nicht, weil sie nichts zu sagen hätte, sondern weil sie sehr viel gleichzeitig will. Und ich einfach nur Spaß hatte, obwohl sich die Folge objektiv betrachtet manchmal doch sehr im Ton verirrt.
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Dass Avery Brooks während der Produktion kontaktiert wurde, ist für mich mehr als nur Trivia. Denn der Sisko-Darsteller hat seit Jahren der Schauspielerei entsagt und meinte in irgendeinem Interview einmal, dass er die Rolle für den Paycheck angenommen hat. Vollkommen fine by me. Denn DS9 war für mich die Serie, die aus Figuren echte Individuen gemacht hat. Die Freundschaft von O’Brien und Bashir, die Entwicklumg von Odo, das Verhältnis von Sisko und Jake. Da durfte sich etwas entwickeln. Beziehungen, Zweifel, Ideale. Es ging nicht nur um Weltraumprobleme, sondern um innere Konflikte. Und die Mischung hat damals für mich perfekt funktioniert.
Ich hatte mir von meinem Zivigeld die überteuerten DVD Boxen gekauft. Ich habe mich durch das englische Original gekämpft und dabei ganz nebenbei mein Schulenglisch aufpoliert. DS9 war für mich eine prägende Erfahrung. Deshalb war ich natürlich komplett gehypt, als es hieß, Folge 5 von Starfleet Academy sei ein Love Letter an genau diese Serie.
Geschrieben wurde sie unter anderem von Tawny Newsome, die wir aus Star Trek: Lower Decks als Mariner kennen und hier als Illa auftaucht. Eine eingefleischte Trekie und DS9-Fanin. Und von Kirsten Beyer, die früher die Voyager Romane geschrieben hat und seit Jahren eng mit dem Franchise verbunden ist. Also wirklich. Da kann dich kaum was sxhief gehen.
Die Haupthandlung rund um Sam ist dabei nicht nur ernst und philosophisch, sondern vor allem witzig und schnell. Sam ist tollpatschig, naiv, ehrlich und loyal. Sie trägt als Abgesandte den Druck einer ganzen Welt auf ihren Schultern, bleibt aber ihren Freunden gegenüber immer gut gelaunt. Gerade diese Mischung macht sie so sympathisch. Kerrice Brooks liefert hier als photonische Kasqianerin richtig ab. Übrigens auch so wie Mary Wiseman als Ensign Tilly bei Discovery. Beides Charaktere, die so angelegt sind, dass sie Comic-Relief-haft einfach nerven könnten, es aber dann durch die gute Charakterarbeit nicht tun. Chapeau!
Und dann bricht Sam gleich am Anfang die vierte Wand. Sie spricht direkt mit uns als Publikum. Das ist ein riskanter Kniff, aber hier fühlt es sich nicht wie ein billiger Trick an, sondern wie ein bewusstes Spiel mit Erzählformen. In der letzten Szene kann man es sogar so lesen, dass sie die ganze Zeit mit Benjamin Sisko spricht in einer Art innerem Dialog, oder sogar Gebet. Ein leises Augenzwinkern in Richtung DS9, denn nur Benjamin Sisko hat meines Wissens in Star Trek jemals die vierte Wand durchbrochen.
Dazu kommen visuelle Effekte, die fast wie Comic Panels wirken. Gedanken werden grafisch eingeblendet, Emotionen bekommen ein Bild. Das passt überraschend gut zur etwas überdrehten Energie der Episode und gibt ihr einen eigenen Stil, ohne sich komplett vom klassischen Star Trek Look zu verabschieden. Ich weiß, dass sich das widerspricht, aber es hat bei mir richtig gut funktioniert.
Inhaltlich stellt die Folge eine uralte Star Trek Frage. Denn Sisko und Sam verbindet eine Sache: Sie sind beide Abgesandte. Wie lebenswert ist ein Leben, wenn alles deterministisch vorherbestimmt scheint. Ist Sicherheit das höchste Gut oder braucht es Freiheit, selbst wenn sie weh tut. Das sind genau die moralischen Fragen, die mich immer kriegen. Und hier werden sie über Sams persönlichen Konflikt erzählt. Zwischen Pflicht und Gefühl. Zwischen Erwartung und eigener Entscheidung. Dabei fühlt sich ihre Lösung am Ende verdient und gut vom Drehbuch vorbereitet an.
Leider gibt es auch die B-Handlung rund um das diplomatische Treffen mit dem War College. Die ist deutlich alberner. Ich verstehe, dass sie als Kontrast gedacht ist, aber für mich hat der Humor dort nicht gezündet und auch generell hat das Gefühl gefehlt, wohin die Autorinnen überhaupt wollten. Da haben die Dialoge in vergangenen Folgen besser funktioniert und on point die Charakter-Arcs vorangebracht. Das erinnert tatsächlich an manche Folgen aus den Neunzigern, in denen Star Trek auch mal mit Humor gerungen hat. Hat eher selten funktioniert.
Auch die Barszene war nicht ganz meins. Kerrice Brooks darf zeigen, dass sie betrunken spielen kann. Kann sie. Keine Frage. Aber nach der letzten Episode mit einer betrunkenen Ake wirkte das für mich etwas wiederholt. Und die Prügelei war dann eher so mäh.
Trotzdem überwiegt bei mir das Positive. Cirroc Lofton wieder auf einem Star-Trek-Set zu sehen, war ein echter Fanmoment. Und dass ein Klingone im Rock ganz selbstverständlich mit einem War College Typen anbandelt, wird nicht kommentiert, sondern einfach gezeigt. Genau so muss Star Trek Diversität erzählen. Als etwas Normales. Und ja, ich gebe zu, es freut mich diebisch, dass das bestimmte Männer zuverlässig triggert.
Unterm Strich ist diese Episode nicht makellos. Aber sie hat Herz. Sie spielt mit Erzählformen. Sie stellt große Fragen und bleibt dabei nah an ihren Figuren. Und sie trifft bei mir einen sehr persönlichen Nerv. Objektiv nicht perfekt. Aber mit Herz.
Foto: Paramount+
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