Die älteste aller Kommunikationsformen. (Liebeserklärung)

Die älteste aller Kommunikationsformen. (Liebeserklärung)

Weswegen ich mich schon vor Jahren bei StudiVZ abgemeldet habe? Zumindest nicht, weil es die Entwickler verpasst haben, dem Portal neue Funktionen hinzuzufügen. Es lag auch nicht daran, dass alle meine Freunde zu Facebook rübergewandert sind - im Gegenteil: Am Anfang war ich da drüben bei den Amis noch ziemlich alleine. Etwas anderes ging mir aber sowas von auf den Senkel: Bei StudiVZ wurden an mich versendete Nachrichten nicht in der Mail angezeigt.


Ich bekam zwar immer eine Mitteilung, dass mir jemand etwas geschrieben hat, aber nicht was - und fühlte mich immer wie Captain Picard, wenn er wieder einmal per Kommunikator zu hören bekam: "Captain, Captain, kommen Sie bitte sofort hier runter in den Maschinenraum. Wir haben eine sehr delikate Situation." Arrgh. Natürlich war das ein Autorenkniff und dem Spannungsbogen geschuldet, aber mein Leben ist eigentlich spannend genug.* Wenn mir einer etwas schreibt, möchte ich das sofort lesen. Ich möchte mir das nicht für diesen ganz speziellen Augenblick bei Kerzenschein und einem guten Glas Wein aufbewahren - nur damit die Portalbetreiber einen Login mehr verbuchen können. Ich will das sofort wissen. Auch wenn's sich nur - rein theoretisch - um Verbalrotz handelt.
Facebook macht das. Und layoutet die Mails inzwischen so, dass man Konversationen sehr schön folgen kann. Das gefällt meinem Soforttrieb. Das war damals der eigentliche Wechselgrund.
Mails zuverlässiger als Push-Notifications
Und auch als iPhone-Nutzer bin ich immer noch auf diese älteste aller Kommunikationsformen angewiesen. Ich weiß zwar nicht warum, aber die Push-Notifications bei Facebook oder bei Twitter funktionieren mal, mal nicht. Keine Ahnung, woran das liegt. Aber was immer zuverlässig klappt, sind die Mail-Benachrichtigungen, wenn mich beispielsweise jemand mal wieder als Freund hinzufügen möchte.
Renaissance der Mail
Mails haben dank Smartphone bei mir die SMS komplett abgelöst. Ein "Gesendet mit meinem iPhone" versteht jeder. Nein, wissen dann meine geschätzten Empfänger, dieser stakkato-Stil mit den diversen Rechtschreibfehler - das hat nichts mit Unfreundlichkeit zu tun. Der Heinz hat nur zu dicke Finger! Vielleicht sollte ich den Hinweis aber doch weglassen... Hermetisches Schreiben ist das Stichwort.
Auf jeden Fall hat die Mail die Spamseuche des letzten Jahrzehnts überlebt, meine Mailfilter sortieren für mich vor... ja, die Mailrenaissance ist angebrochen - zumindest für meine direkte Kommunikation als Plapper-Medium.
Facebook, Delicious, Twitter, mein Google Reader, die sammeln alle optionalen Infos für mich. Wenn ich da mal eine Woche nicht reinschaue, ist das kein Untergang. "Alles als gelesen markieren". Aber meine Inbox, die muss zumindest überflogen werden. Das Problem der Mail: Sie wird unterschätzt - in der zwischenmenschlichen Kommunikation.
Die E-Mail als Facebook-Killer

Diese These hat bisher noch niemand gewagt aufzustellen. Wird also mal Zeit. Bemerkenswert: Ich habe keine Statistiken darüber gefunden, ob Smartphone-Nutzer nun öfter mailen, ob die Nutzung exponentiell wächst oder ob ich einfach nur tierisch veraltet denke - oder besser doch an meinen Recherche-Fähigkeit zweifeln sollte.
Aber etwas aufgebohrt, so nach XFN-Prinzip (Wikipedia), wäre es doch einmal eine Überlegung wert. Ich rede nicht von so etwas wie Wave, das war viel zu mächtig. Vielmehr von einer im Protokoll implementierten Möglichkeit, persönliche Maillisten zu erstellen. Was Facebook eben "Gruppen" nennt und Diaspora "Aspekte". Und jetzt kommt mir nicht mit: "Das gibt's doch schon längst - nennt sich Verteiler". Das weiß ich auch. Nur weiß ich nicht, in welchem Verteiler meine Adressen stehen. Es findet absolut keine Vernetzung statt. Zumindest hat inzwischen jeder eine E-Mail-Adresse. Und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich das Mainstreamuser-Paradigma verändert und man sich nach etwas simpleren als der Facebook-Überfrachtheit sehnt.**
Fröhliches Kommentieren.
*Muhaha
** Aus Datenschutzgründen wird Facebook jedenfalls nie gekillt werden. Hand drauf.
Bildnachweis:
Bild (Header): Foto: Dunechaser, Lizenz: NamensnennungKeine kommerzielle NutzungWeitergabe unter gleichen Bedingungen. Bild (Loose Talk): Foto: x-ray delta one, Lizenz: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen. Bild (Killer): Foto:  bitzcelt, Lizenz: NamensnennungKeine kommerzielle NutzungKeine Bearbeitung.

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