Jean-François Lyotard ist schuld. Zumindest gefühlt. Denn er war es, der Philosoph und Literaturtheoretiker, der endgültig auch noch posthum ein unsägliches Präfix postuliert, das noch heute überall in der Postistik sein Unwesen treibt. Denn mit mit seinem Bericht "Das postmoderne Wissen" brachte er post- in die Gesellschaft, in die Schulen und Universität.
Böse Zungen behaupten, wir lebten schon längst als postindustrielle Gesellschaft in der Postdemokratie. Die Postprivacy-Philosophie stellt sich gegen den Datenschutz, der Postjournalismus wird gerade noch definiert, Postfeministen sind dabei, gehörig zu entstauben und mit der Scheitermöglichkeit unseres Geldsystems wird der Postkapitalismus aus den Schubladen geholt.
Dabei ist post ein lateinisches Präfix, das nichts anderes bedeutet als "hinter" oder "nach". Es ist nicht wertend. Etwas was post ist, muss nicht besser sein und nicht schlechter. Es schwebt vielmehr diffus über dem Ursprung und gibt inzwischen eine Art Paradigmenwechsel an. Den zu erfassen, das war zumindest in der Vergangenheit schwierig: Einer griffige Definition für die Postmoderne ging eine fast hundertjährige Diskussion voraus. Aber wir haben ja jetzt das Internet. Und da geht alles schneller.
Und leichtfertiger, weswegen ja auch gerade die Postistik zur Postritis mutiert. Und die sorgt dafür, dass uns in Zukunft die Wörter ausgehen. Was kommt denn bitte schön nach der Nachdemokratie? Nach dem Nachjournalismus? Vielleicht der Retropostjournalismus? Oder der Semipostjournalismus? Wenn wir richtig viel Glück haben der Postpostjournalismus.
Aber das kann es doch nun wirklich nicht sein!
Klar, neue Denkstrukturen, neue Paradigmen brauchen auch eine sprachliche Abgrenzung. Man will ja schließlich teil einer Bewegung sein, frei nach Tocotronic. Oder sich davon abgrenzen.
Deswegen eine Bitte: Schaut das nächste mal bei einer Bewegungsneugründung bitte hier oder hier nach. Es gibt nämlich noch so schöne viele andere tolle Präfixe.
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