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#Star Trek

Star Trek als Franchise, Welt und wiederkehrender Referenzraum in Serien, Filmen und Fandom.

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Reno is the unsung hero of Star Trek: Starfleet Academy season 1's ending, and arguably, of the entire season.

Nicht wirklich, ich glaube der Charakter wird vom Großteil der Leute, die die Serie mögen, genauso wahrgenommen.

Schuld, Scham und Politik

Ich mag diese High-Stakes-Finale eigentlich nicht besonders. Also Folgen, in denen plötzlich eine Bedrohung auftaucht, die so groß ist, dass mein Primatenhirn sie gar nicht mehr wirklich fassen kann. Und gleichzeitig weiß man natürlich auch, dass die Konsequenzen am Ende nicht eintreten. Die Galaxis wird nicht zerstört, die Föderation wird nicht ausgelöscht, das Universum bleibt bestehen. Meistens wird sie gerettet, bei einem Countdown, der schon nahe der null ist.

Interessanterweise ging es für mich in dieser Folge auch gar nicht wirklich um diese Bedrohung. Nicht um die „Mauer des Todes“, wie Jett Reno das so schön nennt. Emotional drehte sich für mich fast alles um Nala Ake. Um Schuld, um Scham und um die Frage, was ein Mensch mit Entscheidungen macht, die er nicht mehr rückgängig machen kann.

Und Holly Hunter spielt das schlicht großartig.

Schuld, Scham und eine Entscheidung, die nicht mehr rückgängig zu machen ist

Der eigentliche Kern der Geschichte liegt für mich in der Vergangenheit von Nala Ake. Sie hat Caleb damals auf Befehl von seiner Mutter getrennt. Diese Entscheidung hat ein Leben zerstört. Sie hat Caleb seiner Familie genommen, seine Mutter aus der Bahn geworfen und letztlich auch dazu geführt, dass sie selbst Starfleet verlassen hat.

Das Interessante ist dabei die Dynamik von Schuld und Scham. Schuld richtet sich auf eine Handlung. Man hat etwas getan, das falsch war. Scham dagegen richtet sich auf das eigene Selbst. Man fühlt sich selbst falsch.

Ake wirkt in dieser Folge wie jemand, der beides trägt. Sie weiß genau, dass die Entscheidung falsch war. Sie weiß auch, dass sie sie damals schon für nicht richtig gehalten hat. Sie hat auf Befehl gehandelt. Und sie weiß, dass diese Rechtfertigung nichts mehr daran ändert, was daraus entstanden ist.

Deshalb verteidigt sie sich in der Verhandlung auch kaum. Nicht, weil sie keine Argumente hätte. Sondern weil sie weiß, dass sie moralisch bereits verloren hat.

Das ist ein sehr Star-Trek-Moment. Nicht die Frage, wer recht hat, sondern die Frage, wie Charaktere mit ihren Fehlern leben.

Und dann kommt Tatiana Maslany als Calebs Mutter dazu. Ihr Zusammenspiel mit Holly Hunter ist fantastisch. Diese Mischung aus Wut, Schmerz, Einsicht und dem vorsichtigen Versuch, wieder einen Schritt aufeinander zuzugehen, gehört für mich zum besten Schauspiel, das diese Staffel hatte.

Als sie am Ende doch noch zurückgewunken hat, hat mich das ehrlich berührt.

Die Athena-Brücke und ein bisschen Humor im Weltuntergang

Auch auf der Brücke gibt es ein paar schöne Momente.

Tig Notaro ist als Reno einfach großartig. Genau diese Mischung aus trockener Professionalität und komplettem Desinteresse an militärischer Förmlichkeit hatte ich mir schon bei Discovery öfter gewünscht.

Der Pinkel-Moment hat mich tatsächlich zum Lachen gebracht. Ja, das ist dieser Marvel-artige Humor, der Erwartungen bricht und Situationen kurz entkrampft. Star Trek sammelt damit erst Erfahrung, aber ich finde, hier funktioniert es. Die Szene, in der Genesis zum ersten Mal im Captain’s Chair sitzt, hat das für mich nicht kaputt gemacht.

Man merkt allerdings auch, dass eine Staffel mit nur zehn Folgen ihre Grenzen hat. Einige Figuren bekommen kaum Raum. Der Doktor holt seinen mobilen Emitter raus und nachdem er im Schiffssystem war, hat er eine Lösung, die er nicht aussprechen kann, weil er an Aphasie leidet. Elegant ist das nicht, aber bei dieser Episodenanzahl und dem Spannungsbogen dieser Folge wohl kaum anders zu lösen.

Am Ende gelingt es der Crew natürlich in letzter Sekunde, die Minen zu entschärfen und der Föderation nebenbei noch eine potenziell unendliche Energiequelle zu sichern.

Verhandlungen als klassisches Star-Trek-Erzählmittel

Der andere große Teil der Episode ist die Verhandlung mit Nustopher Braka.

Ich mochte ihn auch hier wieder sehr, vor allem in dem Moment, in dem seine Lügen langsam auseinanderfallen. Gleichzeitig macht die Serie hier etwas, das einerseits sehr typisch für Star Trek ist und sich andererseits seltsam aus der Zeit gefallen anfühlt.

Star Trek liebt Gerichtsverhandlungen.

  • Die allererste Folge von The Next Generation, Mission Farpoint, beginnt mit einem Prozess gegen die Menschheit.
  • In The Drumhead sehen wir, wie eine Untersuchung langsam in eine Hexenjagd kippt.
  • The Measure of a Man stellt die Frage, ob Data eine Person ist oder Eigentum.
  • Und in Star Trek VI verteidigt ein Anwalt Kirk und McCoy vor einem klingonischen Gericht.

Verhandlungen gehören zum moralischen Werkzeugkasten von Star Trek. Sie erlauben es der Serie, ihre ethischen Konflikte offen auszudiskutieren.

Und genau das passiert hier auch.

Gleichzeitig wirkt so eine dialoglastige Gerichtshandlung heute fast ein bisschen anachronistisch. Serien erzählen Konflikte heute schon etwas moderner. Eine lange Szene, in der Figuren einfach reden und Argumente austauschen, ist fast schon altmodisch.

Ich finde es ehrlich gesagt mutig, dass die Serie das trotzdem macht.

Das Setting hingegen finde ich nicht sonderlich gelungen. Sie haben das Atrium der Athena angezündet, man spürt die brennenden Mülltonnen regelrecht. Das hat mich leider eher an Borderlands erinnert als an ein cooles Set der Handlung.

Nustopher Braka

Nustopher Braka funktioniert für mich in dieser Folge etwas anders als zuvor. In Ake’s Büro war er eine komplexe Figur. Hier wirkt er teilweise fast eindimensional.

Aber eigentlich ergibt das Sinn. Das ist eine öffentliche Verhandlung. Und eine öffentliche Verhandlung ist immer auch Politik. Braka spricht nicht nur zu den Beteiligten im Raum, sondern zu einem Publikum. Zu seinen eigenen Leuten. Zu denen, die sich von der Föderation bevormundet fühlen. Zu denen, die glauben, dass dort oben jemand sitzt, der ihnen ständig erklärt, wie sie zu leben haben.

Die Folge arbeitet dabei sehr stark mit dem Zeigefinger. Sie zeigt auf Braka, auf seine Rhetorik, auf seine Anhänger und macht relativ deutlich, wie durchschaubar diese Mechanismen sind. Die Fox-News-artigen Einblendungen des Drohnen-Footage sind dann für die, die die Parallelen immer noch nicht verstanden haben.

Gleichzeitig passiert dabei etwas Interessantes. Die Serie wirft der Föderation vor, mit dem moralischen Finger auf andere zu zeigen, sie zu belehren und vorzuführen. Und im selben Moment macht die Serie genau das mit ihm und seinem Lager. Sie sagt im Grunde: Schaut euch das an. Wer kann so etwas ernsthaft unterstützen?

Ich verstehe diesen Impuls. Und ehrlich gesagt teile ich ihn oft auch.

Aber genau hier hätte ich mir von Star Trek noch einen Schritt mehr gewünscht. Nicht im Sinne von Verständnis für seine Position. Sondern im Sinne eines Versuchs, die Menschen zu erreichen, die hinter solchen Figuren stehen. Nicht nur zu zeigen, wie falsch sie liegen, sondern einen Weg aufzuzeigen, wie man aus dieser Konfrontation wieder herauskommt.

Gerade Star Trek war früher oft stark darin, solche Brücken zu bauen.

Calebs Moment

Der Moment, in dem Caleb schließlich selbst das Wort ergreift, ist toll. Man merkt, dass Ake genau damit gerechnet hat.

Sie weiß, dass ihre eigene Stimme in dieser Situation nichts mehr retten kann. Aber Caleb kann sprechen. Und er kann eine Brücke schlagen.

Das ist eine sehr elegante Lösung der Geschichte.

Viele Figuren, viele Ideen und eine kurze Staffel

Trotzdem bleibt das Gefühl, dass diese Staffel vielleicht einfach zu viel wollte.

Das War College spielte diesmal fast keine Rolle mehr. Der Liaison-Offizier taucht nicht mehr auf. Die Brückencrew haben wir gefühlt zuletzt im Piloten gesehen. Auch die Entwicklung einiger Figuren wirkt etwas gehetzt.

Der Doktor war plötzlich sehr zynisch, was man zwar nachvollziehen konnte, aber nie wirklich erzählt bekam. Seine Entwicklung zum liebevollen Vater ging danach wiederum sehr schnell.

Bei den Kadetten sieht es ähnlich aus.

Man merkt, wie viele Ideen diese Staffel unterbringen wollte.

Für zehn Folgen ist das eigentlich zu viel.

Fazit

Trotz dieser Schwächen funktioniert das Finale für mich erstaunlich gut, weil diese Folge im Kern eine Geschichte über Schuld, Verantwortung und Versöhnung erzählt.

Und weil Holly Hunter das mit einer Intensität spielt, die man im Fernsehen nicht jeden Tag sieht.

Für mich sind das am Ende klare fünf von fünf Sternen.

Ach, und die Reaktionen im Netz sind wieder herrlich, auch was die letzte Folge betrifft. Heute nur ein Beispiel: Wie schafft man es das ganze Föderationsgebiet zu verminen? Das ist doch unmöglich und reine Fantasy und die Autoren haben keine Ahnung! Die Ressourcen! Die Zeit! Un-real-istisch! Sowas von. Certifiably Ingame hat die Rechnung gemacht, und sagt: Naja, geht doch. Irgendwie.

Family Guy to Star Trek and Beyond with Seth MacFarlane

watch https://youtube.com/watch?v=otuRSWiAeSQ&is=Bq91C6abwR_ueUYV

Ich finde das Konzept immer noch für mich recht schwierig, weil ich da zwar fasziniert zugucken kann, wenn sich die Leute über Hollywood-Interna austauschen und ich keinen einzigen Namen kenne. Was ich hier aber echt erfrischend fand, waren die meiner Meinung nach authentischen Fanboy-Momente von Seth MacFarlane.

Wie für mich gemacht und deshalb schwierig

Mit der vierten Starfleet-Academy-Folge „Vox in Excelsis“, lief nun die erste Episode, die nach Classic-Trek-Mechaniken funktioniert. Angefangen beim lateinischen Titel mit einem "Vox" im Tteil (das mögen die Autor*innen!), über den Debattierwettbewerb, in dem der Doktor Satie aus „The Drumhead“ falsch zitiert, bis hin zum philosophischen Pendel, das klar zwischen Utilitarismus und Deontologie hin und her schwingt. Und natürlich das Klingonen-Theme von Jerry Goldsmith aus „The Motion Picture“.

Es war fast so, als wäre diese Folge für mich geschrieben worden. Und genau das ist mein Problem damit. Denn dadurch wirkt es, als würden Tonalität und ästhetische Entwicklung der vorherigen Episoden schlicht übersprungen. Als hätte man sich entschieden, von jetzt auf gleich voll auf Classic-Trek zu gehen, ohne den erzählerischen Übergang mitzunehmen. Das finde ich ehrlich gesagt ziemlich schade für die, die vielleicht neu eingestiegen sind.

Kurz zur Handlung: Die Athena ist im All unterwegs und ein Debattierwettbewerb steht an. Jay-Den erfährt, dass seine Eltern bei einem Unfall möglicherweise ums Leben gekommen sind. Gleichzeitig erfahren wir, dass die klingonische Heimatwelt infolge des Burns zerstört wurde, über den ich hier wie auch schon in den vorherigen Folgenbesprechungen nicht weiter schreiben werde.

In der Diaspora haben sich die Klingonen noch stärker auf ihre Tradition als ehrenhafte Kriegergesellschaft zurückgezogen. Ein neues Zuhause können sie sich nur sichern, indem sie einen kurzen und verlustfreien Schaukampf gegen Starfleet bestehen, denn ein Planet, der ihnen geschenkt würde, käme einer Ehrverletzung gleich. Am Ende wird Jay-Den als Krieger geehrt und darf endlich seinen pikanten Krieger-Eintopf essen.

Was mich freut, weil ich weiß, dass es andere ärgert

  • Der vermutlich neue Kanzler der Klingonen ist weiß. Und Klingonen müssen doch schwarz sein!!!eins11!
  • Captain Ake fletzt wieder auf Stühlen.
  • Die Heimatwelt der Klingonen wurde zerstört.
  • Der Doktor flucht.
  • Das Vogelbeobachten aus Episode 1 von Jay-Den ergibt plötzlich Sinn.
  • Die USS Riker ist ein sehr kleines, vermutlich aber extrem tapferes Schiff.
  • Männer dürfen sich mental durch Körperkontakt unterstützen.
  • Jay-Den hat zwei Väter.
  • Lura Thok hat einen Jem’Hadar-Vater und eine klingonische Mutter. Ich glaube, das triggert zuverlässig jedes Mal irgendwen, sobald es erwähnt wird.

Was mich ärgert, weil es zu viel Lore ist

Diese Folge verlangt sehr viel Vorwissen, wenn die Serie tatsächlich für eine neue Zuschauerschaft geschrieben sein soll. Allein Begriffe wie Qo’noS, Kahless oder klingonische Häuser sind bereits eine ordentliche Einstiegshürde. Natürlich ist klar, dass Jay-Den anders ist als andere Klingonen. Das haben die Autorinnen und Autoren in den vorherigen Episoden gut über die Reaktionen der anderen Kadettinnen und Kadetten etabliert. Aber hier wird plötzlich die komplette Moore-Lore ausgepackt. Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht schnell überfordernd und damit im schlimmsten Fall auch langweilig wirkt.

Was mich freut, weil Star Trek das selten so gemacht hat

Der dramaturgische Aufbau der Episode ist handwerklich einfach sehr gut. Die Rückblenden erfüllen hier tatsächlich eine narrative Funktion, statt nur illustrativ Figurentiefe nachzureichen.

Wir sehen zunächst den tragischen Tod von Jay-Dens Bruder, der bis in die Gegenwart hinein seine Beziehungen zu anderen Figuren prägt. Danach die Krieger- und Jagdtraditionen. Und schließlich den Vater-Twist: Bei der Jagd verfehlt der Vater bewusst den Vogel mit dem Bogen. Nicht aus Enttäuschung oder Wut darüber, dass Jay-Den sich der Jagd verweigert, wie Jay-Den und auch ich zunächst annehmen. Sondern als stilles Eingeständnis, dass Jay-Den seinen Kampf gewonnen hat und dass sein Vater den Weg seines Sohnes als Heiler und nicht als Krieger akzeptiert. Großartig.

Normalerweise funktionieren Rückblicke in Star Trek eher funktional. Es wird schnell etwas Backstory eingebaut, damit zukünftige Entscheidungen emotional besser untermauert sind. Das ist mir oft zu wenig. Starfleet Academy schafft hier mehr. Rückblenden, die Bedeutung erzeugen, statt sie nur zu behaupten.

Auch Jay-Dens Einordnung als besserwisserischer und für mich durchaus unsympathischer Know-it-all im Debattierwettbewerb fand ich erzählerisch stark. Ich finde es weiterhin etwas ungelenk, ihn plötzlich als Starfleet-Rechtsexperten zu inszenieren, der sich das angeblich alles im Gefängnis angeeignet hat. Aber die emotionale Motivation dahinter funktioniert. Diese Leere, das Fehlen von Tradition, und das Gespräch, in dem Jay-Den ihm genau das vorwirft, entwickeln die Figur weiter.

Alles in allem gebe ich der Folge deshalb die volle Punktzahl. Die Lösung lag zwar auf der Hand, war aber genau das, weshalb ich Star Trek früher so gern geschaut habe. Empathisch, lösungsorientiert, mit einer kleinen Prise Originalität. Die Folge fühlt sich an, als wäre sie für mich gemacht. Und genau deshalb bin ich gleichzeitig begeistert und ein wenig traurig.

Starfleet Academy und der Abschied vom Treksatlantic Accent

Früher musste ich mich erst einmal einwählen, um ins Internet zu kommen. Dabei war für mich der klassische Modemsound fast schon ein akustisches Versprechen, dass gleich irgendwo eine Nachricht auf mich wartete. Das waren oft keine verpassten ICQ-Nachrichten oder Mails im klassischen Sinne, sondern Spielzüge, die wir per Mail verschickten. Ich habe mich in meiner Schulzeit erstaunlich häufig eingewählt, weil ich wissen wollte, wie es in unseren Play by Mail Rollenspielen weiterging.

Bevor MMORPGs allgegenwärtig wurden und ganze Welten dauerhaft online existierten, erzählten wir unsere Geschichten per Mail. Ein paar Leute, jeweils mit einem Charakter, ein Spielleiter mit grober Richtungsvorgabe, und ganz viel Improvisation. Regeln gab es fast keine. Das gemeinsame Erzählen war wichtiger. Ich schrieb eine Szene, schickte sie weiter und wartete auf Reaktionen. So entstand Zug um Zug ein Abenteuer. Manchmal über Monate hinweg, manchmal nur bis unsere Geduld nachließ und wir etwas Neues anfingen.

Diese Abenteuer spielten natürlich im Star Trek Universum. Mal an der Academy, mal auf klassischen Sternenflottenschiffen, mal auf Raumstationen oder Gefangenentransportern. Es gab ernste Geschichten und parodistische. Alles existierte nur im Text, aber in unseren Köpfen war es lebendig. Rückblickend war das wahrscheinlich meine erste echte Erfahrung mit kollaborativem Schreiben.

Dabei kamen wir gar nicht darum herum, uns mit der Sprache von Star Trek zu beschäftigen. Diese merkwürdig formelle, leicht entrückte Ausdrucksweise, die viele mit der Berman-Ära verbinden. Manche nennen sie Shakespearean. Ich habe das nie ganz so gesehen. Für mich klang das eher wie eine Variante des Transatlantic Accents, nur noch stärker von Zeit und Ort gelöst. Eine Sprache, die nirgendwo wirklich verankert ist. Dem Treksatlantic Accent.

Das hat etwas Zeitloses. Dialoge altern weniger schnell, weil sie nicht an Trends hängen. Gleichzeitig entsteht aber eine Distanz. Für Außenstehende wirkt das schnell steif oder künstlich. Und ich glaube, diese Sprachform hat die typische Kammerspiel Atmosphäre vieler Trek-Serien noch verstärkt. Menschen in Räumen, die sehr kontrolliert, sehr vernünftig, sehr korrekt miteinander sprechen.

Diese Formelhaftigkeit fand sich auch im Worldbuilding wieder. Menschen standen für aufgeklärte Vernunft, Klingonen für Kriegerkultur, Romulaner für Intrigen. Spezies waren oft Charakterabkürzungen. Das passte ins Fernsehen der Achtziger und Neunziger, ließ aber wenig Raum für Widersprüche. Individualismus war möglich, aber nicht der Standard.

Uns hat das schon damals gereizt, diese Muster aufzubrechen. Also spielten wir mit Klingonen, die depressive Phasen hatten, mit Menschen mit Traumata, mit Ferengi ohne Profitinteresse und Bajoranern ohne Glauben. Gleichzeitig liebten wir natürlich die großen Picard-Reden und versuchten, so viel Shakespeare wie möglich einzubauen. Diese Mischung aus Respekt und spielerischem Bruch gehörte dazu.

Aber das alleine reichte nicht aus. Wahrscheinlich lag das an der Franchise Müdigkeit Mitte der 2000er. Unsere eigenen Geschichten waren moderner, direkter, manchmal roher. Und immer wieder tauchte die Frage auf, warum es eigentlich keine Star Trek Serie gab, die sich wirklich zeitgemäß anfühlte, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen.

Heute versucht Starfleet Academy genau diesen Spagat. Und wie so oft, wenn sich ein Franchise neu ausrichtet, ist das Fandom gespalten. Die Informationslage ist dabei fast schon ein eigenes Phänomen. Je nachdem, wonach man sucht, findet man Berichte über katastrophale oder herausragende Streamingzahlen, über angeblich gefeuerten oder weiterhin beschäftigten Kreativchefs. In Zeiten algorithmischer Wirklichkeiten kann man sich seine Wahrheit beinahe selbst kuratieren.

Ein zentraler Streitpunkt ist wieder die Sprache. Starfleet Academy verabschiedet sich hörbar vom alten Treksatlantic Tonfall. Für manche ist das ein Befreiungsschlag, für andere ein Qualitätsverlust. Kritisiert wird oft, heutige Autorinnen und Autoren könnten keine anspruchsvollen Dialoge mehr schreiben. Interessanterweise entzündet sich diese Kritik nicht selten an einzelnen Schimpfwörtern, als hinge daran die Seele des Franchise.

Dabei geht es meist um mehr. Viele wünschen sich das Star Trek, mit dem sie aufgewachsen sind. Und alles, was davon abweicht, wird schnell als Unverständnis für das Universum gelesen.

Ich sehe das differenzierter. In der dritten Folge der ersten Staffel, Vitus Reflux, funktioniert sicher nicht alles. Das Tempo ist stellenweise unrund, der Prank-Krieg mit dem War College ist eher schwach motiviert, und die Gegenseite bleibt teilweise simpel gezeichnet.

Aber ausgerechnet die Dialoge und die Charakterentwicklung gehören für mich nicht zu den Problemen. Im Gegenteil. Die Folge interessiert sich stärker dafür, wie junge Menschen miteinander sprechen, sich abtasten, aneinander reiben. Konflikte werden nicht mehr ausschließlich in moralischen Monologen gelöst, sondern in Gesprächen, die persönlicher wirken.

Ich brauche heute nicht mehr zwingend die Szene, in der alle an einem Tisch sitzen, sachlich Optionen von einer Powerpoint vorlesen lassen, abwägen und am Ende eine große Rede alles klärt. Das habe ich früher geliebt, und aus Nostalgie funktioniert das noch immer. Aber es trägt mich nicht mehr automatisch durch eine Serie.

Vitus Reflux findet seinen Reiz in der Dynamik zwischen den Figuren. Die Folge ist verspielt, oft leichtfüßig, selten cheesy. Da kann ich das Teen-Drama fast schon verzeihen. Besonders Chancellor Nahla Ake funktioniert als Figur für mich sehr gut. Ihre Art zu führen basiert weniger auf Kontrolle und mehr auf Vertrauen. Gerade ihre Szene mit Caleb zeigt das. Sie greift nicht alles vorweg, sondern lässt Raum für Entwicklung.

Darem rückt in dieser Episode stärker ins Zentrum, was mir gut gefällt. Seine Erkenntnis, dass es im Leben um mehr geht als darum, der Beste zu sein, ist dabei kein neues Motiv. Genesis bekommt ebenfalls Raum, ohne zur bloßen Streberkarikatur zu werden.

Auch die Nebenfiguren tragen zur Welt bei. Nicht jede Zeichnung ist subtil, aber vieles ist weniger schablonenhaft, als es auf den ersten Blick scheint. Selbst Gegenspieler haben Momente, in denen sie mehr sind als bloße Bullys. Und ja, ich mochte den Heist Teil, wobei ich zugeben muss, dass ich für Heist Geschichten generell empfänglich bin.

Bemerkenswert ist am Ende des Prank-Kriegs vor allem die Art seiner Auflösung. Die Kadetten entscheidet sich nicht dafür, das War-College mit den gleichen Mitteln zu schlagen oder die Eskalation weiterzutreiben. Stattdessen verlagert sich der Fokus darauf, nicht wie man einen Konflikt führt, sondern wie man ihn beendet. Der Abschluss betont Zurückhaltung, Reflexion und die Frage, welches Verhalten dem Selbstverständnis der Sternenflotte entspricht. Das passt zu der Idee einer Organisation, die sich nicht über Überlegenheit definiert, sondern über den Anspruch, Konflikte verantwortungsvoll zu handhaben.

Die Kombination aus Jett Reno und Lura Thok als Lehrende bringt zusätzlich Humor und Wärme hinein. Solche Figuren geben einer Serie Textur. Sie sorgen dafür, dass sich das Universum bewohnt anfühlt. Und wenn das jetzt noch so mit den Nebenfiguren weitergeht, spüre ich fast schon Deep Space Nine Vibes.

Vielleicht liegt hier der Kern. Starfleet Academy versucht nicht, das alte Star Trek zu kopieren. Es tastet sich vor, probiert aus, stolpert auch. Aber es wirkt lebendig. Und für ein Franchise, das seit Jahrzehnten existiert, ist Lebendigkeit vielleicht wertvoller als Perfektion.