"The Event" ohne Mondnazis?

Brauchen wir eine neue Mystery-Serie? "Lost" weht immer noch etwas nach (es soll Menschen geben, die die letzte Staffel immer noch nicht gesehen haben) und "Fringe" wird um eine weitere Staffel verlängert.
Brauchen wir also "The Event" (2010, Wikipedia)?  Während der ersten drei Folgen, habe ich mich immer wieder beim wissenden Nicken erwischt: Aha, schön. Keine lineare Erzählstruktur. Nett. Die Erzählsprünge sind geradezu innovativ - ein fröhliches Hopping durch die Zeit und von den Charakteren. Fordernd, aber nicht überfordernd.
Die Schauspieler sind auch nicht schlecht. Hübsche Frauen und endlich mal einen Informatiker als Held. Man muss es Jason Ritter (IMDb) lassen: Anstrengend wird seine Darstellung des typisch überfordenden Charakters selten. Dabei kennt man ja diese Art des Storysettings zu gut - Normalo kommt in unnormale Situation und muss irgendwie damit klar kommen. Ein Klassiker. Laura Innes (IMDb) ist auch mal ohne Krückstock unterwegs und erinnert irgendwie sehr an Mary McDonnells Präsidentin Laura Roslin bei Battlestar Galactica (IMDb). Wir haben einen schwarzen Präsidenten, mit entzückender, menschelnder Familie, dazu ordentlich Psychodruck mit einer riesigen Regierungsverschwörung und natürlich einer Handlung, die man erst am Ende der Serie vollständig verstehen kann.
Wo bleiben die Mondnazis?
Aber ich hasse es, vorm TV zu sitzen und zu nicken. Auch wenn die Kameraführung im Vergleich zu anderen Mainstream-Produktionen immer noch innovativ ist, Look&Feel der ersten Episoden wunderbar kongruieren, will ich - genretypisch einfach nur - überrascht werden.
Ich frage mich, ob es reicht, Regierungsverschwörungen, Außerirdische, Entführungen, und nicht-menschliches Technikwissen zu verquirrlen, um daraus noch eine erfolgreiche Serie zu machen. Verschwörungen, die kennt man aus "24", bei den Außerirdischen denke ich an "Akte X" und "4400 - Die Rückkehr" und der ganze Aufbau erinnert durch die Flashbacks oder Flashforwards, je nach Ausgangslage, an... nun ja... "Flashforward" und "Lost".
Nur da war das für TV-Serien noch neu. "The Event" dagegen ist ein Aufguss, eine weichgespülte Version der vermeintlichen Erfolgsgaranten vergangener Zeiten. Es fehlen nur noch ein paar Elemente vom "Da Vinci Code" mit amoklaufenden Katholiken - und natürlich den Mondnazis, die im Hintergrund die Strippen ziehen. Dann hätte man wirklich alles in einer Serie zusammengepanscht - und das muss doch einfach funktionieren, oder?
Jeder Anfang ist schwer
Plotideen sind seltener als man glaubt. Es soll beispielsweise nur knapp 50 verschiedene Plots für das Krimi-Genre geben. Es spricht also erst einmal nichts dagegen, funktionierende Elemente zu adaptieren. Individualisiert werden die Storys durch die Charaktere und das soziale Umfeld der Handlung. Aber Zeit für ordentliche Charakterarbeit blieb in den ersten Folgen keine. Vielleicht ändert sich das im Laufe der Serie. Ich werde ihr noch ein, zwei Folgen geben. Und wenn mich jemand nach einer neuen Serie fragen würde, der mystery-affin ist, dann würde ich sie auch weiterempfehlen. Allein, der Serienfunke ist bei mir noch nicht übergesprungen.
Fazit: Solide, mit Hang zur Hast: 6 von 10 Punkten.

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