
Dies ist Transkript meiner Rede zum Rechenschaftsbericht für die Jahreshauptversammlung des Vereins Schwachstrom
Liebe Vorstandskollegen, verehrte Mitglieder,
ich freue mich, dass sich der Verein wieder ein Jahr weit unter der Wahrnehmungsschwelle dahingeschleppt hat und ich nun in dieser Funktion ein Resümee ziehen darf. Ich freue mich von Herzen. Wir haben im letzten Jahr wohlgemerkt ein paar spaßige Aktionen auf die Beine gestellt, ansonsten hat er aber geschlafen, unser lieber SeV.
Ich persönlich kann mit so etwas nicht gut Leben. Ich engagiere mich gerne und bringe noch viel lieber - ob gefragt oder ungefragt - meine eigene Meinung mit ein. Bei Schwachstrom und meinem Schwachstrom-Engagement erwische ich mich immer öfter bei der Frage: Warum? Wir haben - und das ist das Kernproblem seit Bestehen des Vereins - keine Kontinuität, keine Philosophie und schon längst keine Inspiration mehr. Kontinuität, Philosophie, Inspiration. Dieses überbordende Vereinskonstrukt ist für uns viel zu groß geworden. Das, was wir machen, dafür brauchen wir schon lange kein e.V. mehr im Titel.
Ich komme aber erst einmal zu den Teilaspekten der Kritik:. Mit ‘keine Kontinuität’ fasse ich zusammen, dass wir schnell Entscheidungen treffen ohne ein Konzept zu haben.
Es wäre doch fantastisch für die Mitglieder, für den Vorstand, wenn jetzt schon klar wäre, schon bevor wir den Punkt ‘Sonstiges’ anreißen, dass es auf jeden Fall eine Sommerparty gibt.
Dass wir auf jeden Fall eine Weihnachtsparty organisieren.
Dass der Verein auf jeden Fall wieder auf den nächsten Chaos-Communication-Congress fährt und dabei vielleicht sogar die Mitglieder unterstützt.
Und dass wir eine Party organisieren, die den jetzigen wirtschaftlichen Gepflogenheiten entspricht.
Es wäre schön, wenn der Stammtisch mit irgendetwas Punkten würde, um Anreize zu schaffen, sich regelmäßig den Abend frei zu halten. Und nicht einfach nur existiert der Existenz wegen. Und gerade diese Treffen sind wichtig für unseren Zusammenhalt und sollten deshalb auch so behandelt werden.
Wir, und das betrifft den Vorstand insbesondere, haben das im letzten Jahr nicht geschafft. Wir haben sogar davon geschwärmt, wie fantastisch das doch ist, die JHV mit einer LAN-Party zu koppeln. Aber die zu organisieren, auch dafür haben wir zu lange geschlafen. Kontinuität ist das nicht.
Daran müssen wir arbeiten.
Was meine ich mit Philosophie? Klar, wir sind ein Spaßverein. Dafür haben wir aber im letzten Vereinsjahr viel zu wenig Spaß gehabt.
Die technische und somit auch die soziale Entwicklung hat sich in der Zeit seit Vereinsgründung grundlegend gewandelt. Wir wollten damals Plattformen bieten, um sich auszutauschen zu können, über Kommunikationstechnik und so. Und jetzt wäre das so einfach und so spannend wie nie. Aber wir sind auch da eingeschlafen, haben keine technische Weiterentwicklung mitgemacht, betreiben vielmehr eine Seite, für die man sich schämen muss.
Um funktionierende LAN-Partys zu organisieren, gehört inzwischen viel mehr dazu als einen Newsartikel für die Seite zu schalten, die LAN-Module scharf zu stellen und einen Newsletter rauszuhauen. Die Besucherzahlen der letzten Partys von uns geben mir da eindeutig recht.
Auch daran müssen wir arbeiten.
Kommen wir zum letzten Punkt meiner kleinen Kritik: Der Inspiration. Was wollen wir mit den LAN-Partys eigentlich bezwecken? Welchen Sinn hat das? Und wenn wir da schon kein tragfähiges Konzept vorweisen können, woher sollen das dann unsere Besucher wissen? Auch die Spieleszene hat sich in den letzten Jahren pluralistisch aufgesplittet. PC und Konsole, beispielsweise, sind die beiden großen Bewegungen. Dann teilt sich das aber noch weiter auf, in kleinere Communities mit Fun-Anspruch. Warum findet da keine Kommunikation statt? Oder gar mit anderen Vereinen, die bestimmt genau die selben Probleme haben wie wir?
Auch hierran müssen wir arbeiten. Denn um nur unser Ding machen zu wollen, mit kalter Routine und ohne Inspiration, auch dafür brauchen wir keinen Verein - und keine Besucher.
Aber dafür, den Verein einfach aufzulösen, dafür ist er mir dann immer noch etwas zu wichtig.
Deshalb möchte ich nun eine Schwachstrom-Agenda für 2011 vorstellen und sie im Punkt ‘Sonstiges’ zur Diskussion und Abstimmung freigeben. Falls die Mitgliederversammlung dafür votiert sie im aktuellen Vereinsjahr umzusetzen, beantrage ich hiermit fristgerecht einen eigenen Tagesordnungspunkt für die Jahreshauptversammlung 2012, um dort die Ergebnisse der Agenda vorzustellen.
Die Agenda ist zeitaufwendig und bedarf Engagements. Aber diese beiden Punkte waren uns auch schon klar, als wir den Verein gegründet haben. Das ist halt der Haken am ‘Ehrenamt’. Ob sie funktioniert, so oder in einer angepassten Form, gibt mir dann gleichzeitig auch die eindeutige Gewissheit, ob der Verein noch eine Existenzgrundlage besitzt, oder wir ihn zur nächsten Versammlung doch besser auflösen sollten. Noch einmal kurz zur Organisation: Ich stelle mir das so vor, dass die einzelnen Verantwortlichen ihre Teilergebnisse zur Diskussion in unseren Stammtischtreffen vortragen.
- Wer sind unsere User?
- Wie erreichen wir unsere User?
Wer unsere User sind oder potentiell sein könnten, ist der Kernaspekt für eine funktionierende LAN-Party. Was wird momentan gespielt? Welche Spielebewegungen gibt es überhaupt? Was haben andere Orga-Teams für Erfahrungen? Welche davon können wir auch für den SeV übernehmen? Das Hauptaugenmerk der Analyse sollte darauf liegen, wie wir das Profil unserer Partys schärfen können um eine ausgewogene Schnittmenge zwischen Useranspruch und Orgaspaß gewährleisten zu können.
Der zweite Punkt betrifft die Kommunikation. Wenn ich gefragt werde, verblüfft gefragt werde, ob es uns wirklich noch gibt, machen wir eindeutig etwas falsch. Wir müssen uns klar werden, wie transparent wir sein wollen und welche Kommunikationsformen es gibt, um unsere potentielle User zu erreichen. Und das natürlich mit dem Arbeitsaufwand abgleichen. Was erwarten User überhaupt von einem modernen Orga-Team? Und wie stellen die sich die Kommunikation vor? Auf dieser Grundlage soll dann ein neues Seitenkonzept erarbeitet werden, natürlich wieder mit der ausgewogenen Schnittmenge zwischen Useranspruch und Orgaspaß.
Schon alleine diese beiden Punkte einzugrenzen ist zeit- und diskussionaufwendig. Und erst dann können wir beginnen, sie mit Ergebnissen zu füllen.
Aber für mich stellt sich die Situation momentan so dar, dass wir entweder grundlegend versuchen uns zu professionalisieren, oder den Verein einstellen und uns in ein paar Jahren an die schöne Zeit zurückerinnern.
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