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#Journalismus & Medienkritik

Journalismus, Redaktionen und die kritische Betrachtung journalistischer und medialer Arbeit.

Mahnwache am Gänseliesel

Mahnwache am Gänseliesel

Neuer Rohmaterialrekord: Nur 9 Minuten habe ich von der Mahnwache am Gänseliesel in Göttingen mit nach Hause gebracht. Selbst für meine Verhältnisse ist das wenig.
Es gibt da so eine Faustregel, dass man vom fertigen Video nur etwa 10 Prozent des Materials benutzt oder überhaupt benutzen kann. Finde leider keinen Link, der diese These unterstützt, wahrscheinlich habe ich das in den zahlreichen Büchern zum Thema Videojournalismus gelesen (von denen mich jetzt noch keines so wirklich umgehauen hat, Tipps nehme ich sehr, sehr gerne im Kommentarbereich an). Oder die Regel ist von mir.

Ausgrabungen in Göttingen

Ausgrabungen in Göttingen

Klassischer Anfängerfehler, wenn man sich zu sicher wird: Ich habe zu wenig Material mit in die Redaktion gebracht und musste deshalb eins, zwei Szenen nehmen, die ich normalerweise nur ins Archiv geschubst hätte. Alles andere wäre unrund gewesen.
Ich weiß nicht, ob's nur mir so geht, aber ich habe Schwierigkeiten bei solchen Presseterminen als einzelner VJ ordentliches Material hinzubekommen. Darunter verstehe ich verschiedene Einstellungen (Wikipedia) und markante O-Töne. Während der PK's ist da einfach zu viel Gewusel, zu viele Informationen durch die beteiligten und danach alles noch einmal für die Kamera nachzustellen oft zu zeitaufwendig.
Zugegeben, das klingt jetzt alles boooooowoohweee'iger als es tatsächlich ist. Mir geht nach solchen Terminen halt immer durch den Kopf, was da möglich gewesen wäre.

Rüssel zum Nachtisch gereckt

Die Nixe Rhuma

Die Nixe Rhuma

Zufälle: Eigentlich war ich ja für den Welterzähltag unterwegs und habe mir dafür die Sage der Hexe Rhuma ausgesucht, mit Berggeistern, Riesengeschlechtern und natürlich absolutem regionalen Bezug. Die amtierende Nixe Rhuma, Katharina Böning, hat sich dann auch noch liebenswertweise bereit erklärt, die Sage vor der Kamera vorzustellen. Und auch das ist fantastisch.
Wir treffen uns also an der Rhumequelle und... just an dem Tag wurde die kleine Ruma geweiht. Das Tageblatt hat im Vorfeld darüber berichtet. Aber ich kam dabei in einen gewissen Zwiespalt: Nicht nur in England erfreuen sich Naturreligionen immer größerer Beliebtheit. Ich habe das Gefühl, dass Feng Shui (Wikipedia) in Deutschland langsam durch die Runenmagie abgesetzt wird. Man kann das mit einem Schulterzucken kommentieren - oder sich aus theologischer Sicht darüber aufregen.
Auf jeden Fall hätten die Parts, die ich als O-Ton auch mitgefilmt habe, einer einordnenden Kommentierung bedurft. Ich hatte beispielsweise auch einen Anruf der Asen, die Erklärung der Barr-Rune und anderes zeremonielles aus der nordischen Mythologie auf Tape. Ich habs nicht mit in den fertigen Film genommen. 1. weil ich nicht die Resourcen hatte und man als Tageszeitung-VJ nicht unendlich Zeit mit einem Webvideo verbringen darf und 2. weil es ganz sicherlich zu Kommentaren gegen die Familie gekommen wäre. Es gibt nämlich eine gewisse Tendenz, dass anonyme Kommentatoren auf Leute eindreschen, die sich in einer Zeitung zu Wort melden. Sei es als Zeuge in Japan oder auch bei der Love-Parade-Katastrophe in Düsseldorf Duisburg (danke Steffen; aber: ich weiß wirklich nicht wie ich's noch deutlicher machen soll, dass ICH hier blogge.). Das wollte ich der Familie ehrlich gesagt ersparen, wenn sie mir schon erlaubt, die Zeremonie zu filmen. Die Szene im Video lässt zudem ja auch anklingen, dass es sich nicht um ein christliches Ritual handelt.
Zum Ton: Ich konnte den leider bei der Sage nicht sonderlich verbessern. Aber man versteht's.
Update: Habe mal alle Hexen durch Nixen ersetzt. Denn nein, es ist nicht alles das Gleiche!

Haha! Wie geil!

Haha! Wie geil!