#rezension

Classic Trek mit ein paar moralischen Rissen

Mit „300th Night“ biegt Starfleet Academy auf die Zielgerade seiner ersten Staffel ein. Es ist eine dieser klassischen vorletzten Folgen, in denen sich plötzlich viele Fäden zusammenziehen und man merkt, wie vieles aus den vorherigen Episoden auf einmal zusammenpasst.

Interessant ist dabei vor allem, wie sehr die Episode auf vertraute Star-Trek-Motive setzt. Caleb stiehlt ein Shuttle, ein Captain missachtet indirekt Befehle, eine kleine Crew fliegt hinterher und am Ende hängt alles an einem einzigen Schiff. Das sind Tropen, die so alt sind wie das Franchise selbst. Und doch wirkt es hier nicht wie bloße Nostalgie: Kirsten Beyers Drehbuch versucht gar nicht erst, diese Muster zu verstecken, die Figuren wissen selbst ziemlich genau, was hier gerade passiert. Dadurch erspart sich die Episode viele der üblichen Diskussionen über Befehle, Disziplinarmaßnahmen und mögliche Kriegsgerichte, die ohnehin nie wirklich Konsequenzen haben.

Caleb zwischen zwei Familien

Im Zentrum steht dabei weiterhin Caleb Mir. Sein gesamter Charakter wird seit Beginn der Staffel von der Suche nach seiner Mutter bestimmt, mal mehr, mal weniger im Fokus der Drehbücher. Er ordnet anscheinend immer noch alles diesem Ziel unter. Beziehungen, Freundschaften, sogar seine eigene Zukunft in der Sternenflotte.

Das ist auch der Grund, warum seine Reaktion beim klingonischen Ritual von Jay-Den für mich zunächst etwas irritierend wirkte. Eigentlich ist Caleb im Laufe der Staffel gewachsen. Die Dynamik mit Jay-Den fühlt sich längst wie eine Art Brüderverhältnis an. Umso seltsamer wirkt es, dass er ausgerechnet in diesem Moment wieder in dieses alte Muster zurückfällt und sich entzieht.

Man spürt ziemlich deutlich, dass diese Szene dramaturgisch vorbereitet, was später mit seiner Mutter passiert. Genau dadurch wirkt sie etwas konstruiert. Caleb ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon weiter. Trotzdem zwingt ihn das Trauma seiner Kindheit und Kirsten Beyer zurück in diese alte Rolle.

Gerade darin liegt aber auch die Stärke der Episode. Caleb ist sich seiner eigenen Haltung nicht einmal vollständig sicher. Er weiß, dass er inzwischen eine neue Familie gefunden hat. Gleichzeitig zwingt er sich selbst dazu, seine Mutter über alles andere zu stellen. Als wäre er ihr das schuldig.

Eine Begegnung mit Emotion

Das Wiedersehen zwischen Caleb und seiner Mutter funktioniert genau deshalb so gut, weil die Serie hier Raum für Emotion lässt.

Nach sechzehn Jahren stehen sich zwei Menschen gegenüber, die beide nicht mehr dieselben sind. Man merkt Caleb an, wie sehr er diesen Moment idealisiert hat. Und man merkt Anisha sofort an, dass sie längst gelernt hat, in einer Welt zu überleben, in der Vertrauen ein Luxus ist.

Die Szene lebt weniger von großen Dialogen als von kleinen Momenten. Von der Mischung aus Erleichterung, Skepsis und der vorsichtigen Erkenntnis, dass da immer noch eine Verbindung existiert. Diese emotionale Ebene gehört zu den Momenten, in denen Starfleet Academy zeigt, dass die Serie ihre Figuren wirklich versteht.

Ein Universum voller Tropen

Parallel dazu arbeitet die Folge bewusst mit klassischen Star-Trek-Versatzstücken.

Der Shuttle-Diebstahl gehört quasi zum Pflichtprogramm des Franchise. Dass Sam, Genesis und der unglückliche Darem noch mit hineinstolpern, ist offensichtlich konstruiert. Gleichzeitig ist die Szene so charmant inszeniert, dass man ihr das gerne verzeiht. Die Dynamik zwischen den Figuren funktioniert einfach.

Auch der Planet Ukeck hat für mich genau das richtige Gefühl erzeugt. Eine schmutzige, halb gesetzlose Welt am Rand des Föderationsraums, voller bekannter und unbekannter Spezies. Obwohl vieles vor der AR-Wall entstanden ist, wirkt der Ort erstaunlich glaubwürdig. Genau so sehen diese grauen Zonen des Star-Trek-Universums in meiner Vorstellung aus.

Und dann ist da natürlich die Athena.

Dass Ake den Kadetten hinterherfliegt, gehört zu den Momenten, in denen die Serie auf Tradition setzt. Es ist diese Art von Entscheidung, die man früher bei anderen Starfleet-Captains im Kino der im Fernsehen gesehen hat. Der Unterschied liegt diesmal darin, dass kein „Badmiral“ auftaucht, um künstlich Konflikt zu erzeugen. Admiral Vance weiß genau, was Ake tun wird. Und er lässt es geschehen.

Die moralische Schieflage der Föderation

Das eigentliche Problem der Folge ist jedoch eine ganz andere Enthüllung.

Die Föderation hat am Omega-Molekül geforscht.

Wer sich an Star Trek: Voyager erinnert, weiß, was das bedeutet. Omega ist kein gewöhnliches Partikel. Seine Zerstörung kann den Subraum dauerhaft beschädigen und Warp-Reisen unmöglich machen. In der Logik des Star-Trek-Universums gehört es zu den gefährlichsten Phänomenen überhaupt.

Dass die Föderation nicht nur daran forscht, sondern offenbar sogar eine verbesserte Variante namens Omega-47 (ha! 47!) entwickelt hat, wirft unangenehme Fragen auf. Natürlich kann man argumentieren, dass wissenschaftliche Forschung auch bei gefährlichen Themen notwendig ist. Trotzdem wirkt es moralisch zweifelhaft, wenn ausgerechnet die Organisation, die sich selbst als moralisches Zentrum der Galaxis versteht, mit einer potenziellen Massenvernichtungswaffe experimentiert.

Und wenn ich versuche, es positiv zu beschreiben: Die Föderation ist nicht mehr die makellose Utopie früherer Jahrzehnte. Sie ist eine politische Struktur mit eigenen Widersprüchen und moralischen Grauzonen.

„300th Night“ streift dieses Thema nur am Rande. Aber allein die Tatsache, dass Omega-47 existiert, verschiebt das moralische Fundament der Welt ein Stück weit. Die Föderation wirkt dadurch weniger wie ein idealistisches Projekt und mehr wie eine Zivilisation, die in einem gefährlichen Universum versucht mitzuhalten.

Das kann spannend sein. Aber es fühlt sich so an, als ob es an einem der Grundpfeiler von Star Trek kratzt.

Problematisch wird es erst im letzten Teil der Episode.

Der Plan der Venari Ral ist als Idee zunächst interessant: Die Föderation wird isoliert, abgeschnitten vom Rest der Galaxis. Ein Konflikt, der die Serie in eine völlig neue Situation bringen könnte.

Leider wird diese Idee so extrem umgesetzt, dass sie schwer ernst zu nehmen ist. Omega-Minen, die ganze Sternensysteme beeinflussen und den Föderationsraum praktisch einkesseln, bewegen sich bereits sehr nah an der Grenze zwischen Science-Fiction und Fantasy.

Hier erinnert die Episode ein wenig an frühere Momente aus Discovery, in denen große Metaphern irgendwann zu technobabbeligen Spektakeln wurden. Wenn ein Konzept so gewaltig wird, dass es kaum noch plausibel erscheint, verliert es bei mi9r gleichzeitig auch erzählerisch an Spannung. Sag ich mal so.

Gerade deshalb wirkt der Cliffhanger am Ende zwar spektakulär, aber auch etwas überdreht.

Ein Gefühl von echtem Star Trek

Trotz dieser Schwächen hat „300th Night“ bei mir erstaunlich gut funktioniert.

Vielleicht gerade deshalb, weil die Episode so viele klassische Elemente des Franchise aufgreift. Die Figuren handeln wie Star-Trek-Figuren. Sie treffen Entscheidungen aus Loyalität, aus Freundschaft und aus einem gewissen Idealismus heraus.

Und zwischendurch gibt es immer wieder diese kleinen Momente, in denen die Serie einfach Spaß macht. Humor, Emotion, ein bisschen Pathos. All das gehört zu diesem Universum dazu.

Am Ende bleibt deshalb vor allem ein Gefühl zurück: Dieses warme, vertraute Gefühl, das man bekommt, wenn eine Star-Trek-Episode ihre Figuren versucht ernst zu nehmen und ihnen Raum gibt, miteinander zu wachsen. Genau das macht „300th Night“ über weite Strecken richtig.

Die Folge bringt viele Handlungsstränge zusammen, steigert die Spannung für das Finale und erinnert gleichzeitig daran, warum dieses Universum seit Jahrzehnten funktioniert.

Oder anders gesagt: eine klassische vorletzte Folge, die Lust auf das Staffelfinale macht.

Wenn Trauma auf der Bühne landet

Diese Episode ist schwierig. Ich kann alle verstehen, die mit Erzählweise und Pacing nicht klarkommen und sie deshalb eher frustrierend als gelungen finden. Ich war selbst lange nicht sicher, wo die Folge eigentlich hinwill.

Das liegt vor allem daran, dass sie gleich drei große Themen gleichzeitig aufmacht. Das ist mindestens eines zu viel. Da ist zunächst Lieutenant Tilly, die aufgrund ihrer offenen und freundlichen Art, diesmal nicht als Wissenschaftlerin, sondern als Traumtherapeutin von der Leitung gerufen wird, um eine Theater-AG zu gründen. Dann ist da Tarima, die mit den Ereignissen auf der Miyazaki überhaupt nicht klarkommt und deren posttraumatische Belastungsstörung immer deutlicher hervortritt. Und schließlich Sam, deren Programmierung offenbar einen fundamentalen Designfehler enthält – etwas, das sich nicht einfach reparieren lässt und das sie emotional schwer belastet.

Wir haben also Tarima, die mit der Situation auf der Miyazaki ringt und den Verlust von B'Avi irgendwie verarbeiten muss. Wir haben Sam, die ebenfalls noch an den Folgen leidet. Wir haben die übrigen Kadetten, die nicht wissen, wohin mit ihrer Überforderung. Und wir haben eine Akademieleitung, die selbst nicht so richtig weiß, was man damit eigentlich anfangen soll und deshalb externe Hilfe organisiert. Das ist schon extrem viel Stoff für eine einzige Episode. Und dann kommt noch das Theaterstück Our Town dazu, ein kultureller Referenzpunkt, der für amerikanische Zuschauerinnen und Zuschauer vermutlich sofort verständlich ist. Für mich hingegen überhaupt nicht. Ich kannte das Stück nicht, hatte nie davon gehört und habe beim ersten Schauen viele Anspielungen schlicht nicht verstanden. Und hier wird dann auch klar, warum Star Trek so oft Shakespeare oder andere Klassiker zitiert: Diese Texte funktionieren auch außerhalb der USA. Das alles sorgt bei mir dafür, dass sich die erste Hälfte der Episode ziemlich orientierungslos anfühlt.

Und trotzdem gibt es in dieser Folge Momente, die mich komplett umgehauen haben.

Allen voran Tarima. Die Darstellung ihrer posttraumatischen Belastungsstörung ist großartig und gleichzeitig herzzerreißend. Dass sie nach den Ereignissen vom War College zur Academy versetzt wurde, lässt sich erzählerisch nur halb erklären, aber ich verstehe auch, warum die Autorinnen nicht noch zusätzliche War-College-Figuren in diese ohnehin schon überfüllte Episode beleuchten wollten. Tarima steht nun vor einer Reihe ungelöster Konflikte. Sie muss sich darüber klar werden, was Caleb für sie bedeutet. Sie muss verarbeiten, was auf der Miyazaki passiert ist und vor allem mit den Konsequenzen, die daraus für sie entstanden sind. Und sie muss damit klarkommen, dass das, was ihr bisher Halt gegeben hat, plötzlich verschwunden ist: Struktur, Regeln, Sicherheit.

Besonders deutlich wird das in der Szene im Quartier zwischen ihr und Caleb. Zoë Steiner spielt Tarima hier absolut fantastisch. Der betrunkenen Version ihrer Figur gelingt etwas sehr Schwieriges: Sie bleibt vollkommen ernst. Tarima wirkt in diesem Moment wie jemand, der sich völlig fremdbestimmt fühlt. Wahrscheinlich war es nie ihre eigene Entscheidung, sich nach dem Vorfall mit ihrem Vater diesen Inhibitor-Knopf einsetzen zu lassen. Und das ihr eine neue Version nach der Miyazaki, eingesetzt wurde, wahrscheinlich noch weniger. Und der Wunsch für ihre Versetzung zur Academy stammt definitiv nicht von ihr. Sie fühlt sich allein, missverstanden und kontrolliert. Sie spürt, dass andere an ihrer Autonomie kratzen. Sie will Caleb küssen und selbst das wird ihr verwehrt. Und deshalb stößt sie ihn dann weg. Das Wegstoßen bezieht sich nicht auf Caleb, sondern auf sie selbst: Ich werde dich auf kurz oder lang verletzen. Deshalb werde dich schützen. Ich bin nicht gut für dich. Der Subtext dieser Szene schreit förmlich: Lasst mich doch bitte versuchen, selbst damit klarzukommen. Nehmt mich so, wie ich bin, ich schaffe das schon. Ich brauche dafür kein dummes Theaterstück. Und vor allem brauche ich keine Leute um mich herum, die sich Sorgen machen, weil ich einfach weiß, dass alle Leute, die mir was bedeuten, früher oder später sowieso verschwinden oder Schaden nehmen. Genau das macht diese Szene so traurig und gleichzeitig so ehrlich. Traumata funktionieren selten rational. Natürlich ist aus der Distanz klar, dass alle versuchen, ihr zu helfen. Aber Tarima kann das in diesem Moment nicht sehen.

Parallel dazu erzählt die Folge Sams Geschichte. Sam ist ein photonisches Lebewesen, das mit Glitches kämpft, die niemand erklären kann, und das trotzdem versucht, für seine Freundinnen immer ein Lächeln auf den Lippen zu behalten. Und auch hier gibt es eine Szene, die mich komplett erwischt hat: den Moment, in dem Sam den Doktor bittet, ihre Hand zu halten. Eigentlich ist das ein kleiner Moment, aber er steckt voller Bedeutung. Sam sucht Sicherheit, vielleicht Geborgenheit, vielleicht einfach das Gefühl, dass der Doktor nicht nur Arzt, sondern auch ihr Mentor ist. Und der Doktor verweigert es. Ich saß davor und dachte nur: Du bist ein fast tausend Jahre altes Hologramm, jetzt gib ihr doch einfach deine verdammte Hand! Natürlich stellt sich heraus, dass der Doktor selbst traumatisiert ist, und zwar durch eine alte Voyager-Episode, die ich ehrlich gesagt längst vergessen hatte. Dass ausgerechnet dieses Erlebnis seine Blockade erklärt, wirkt erzählerisch ein wenig konstruiert, passt aber immerhin zum übergeordneten Thema der Staffel: Verlust von Kindern und die Traumata, die daraus entstehen. Gefilmt wurde die Szene auch wieder im Atrium der Academy. Alles andere wäre vermutlich zu teuer gewesen. Regisseurin Andi Armaganian war das sehr bewusst, und sie hat sich deshalb entschieden, die Szenen dort alle in schwarz-weiß ausstrahlen zu lassen.

Die anschließende Montage in Farbe wirkt wie eine moderne Version von „The Inner Light“, unterlegt mit dem Voiceover aus Our Town. Für mich funktionierte das beim ersten Schauen nur teilweise. Die Bilder waren stark, die Atmosphäre ebenfalls, aber ich habe schlicht nicht verstanden, welchen Subtext das alles hat. Was ich verstanden habe: Der Doktor kann Sam heilen, in dem er ihr Vater ist und sie eine Kindheit und Jugend erleben kann, um für das Jetzt die notwendige Resilienz aufbauen zu können. Und dem Doktor hilft es, weil er dadurch auch sein Trauma bezwingen kann.

Interessanterweise verändert das auch den Blick auf die vorherige Episode. Die wirkt jetzt noch unnötiger, durch diese Folge. Nichts hätte sich geändert, wenn dass die Anschlussfolge zu Miyazaki gewesen wäre. Schade.

Am Ende bleibt für mich deshalb eine Folge, die in der ersten Hälfte ziemlich verloren wirkt und in der zweiten Hälfte plötzlich zeigt, was sie eigentlich sein wollte. Eine Episode über Trauma, über Nähe und darüber, wie schwer es sein kann, Hilfe anzunehmen, selbst wenn sie direkt vor einem steht.

Ko'Zeine: Der erste echte Aussetzer

Ko'Zeine: Der erste echte Aussetzer

Ich mag die AR-Wall einfach nicht. Auch wenn man da Pavillons reinstellt, Sand reinkippt und sich wirklich Mühe beim Set-Design gibt, ich bin da irgendwie raus. Und wenn dann auch noch wie in dieser Folge „Ko'Zeine“ von Starfleet Academy gähnend langweilige und uninspirierte Dialoge in so einem Set geführt werden, dann bin ich komplett raus.

Wir erinnern uns: Darem hat irgendwie strenge Eltern, kotzt Glitzer, gehört einer neuen Fischspezies an, und alles, was diesmal zum Worldbuilding eingefallen ist, ist ein saulangweiliges Hochzeits-Setting, in dem ich sämtliche genuine Ideen vermisst habe. Warum haben die Eltern keine Sprechrolle? Wir wissen doch, dass sie mal ein Konzert verlassen haben, als Darem sich verspielt hat. Hier dürfen sie nur nicken. Warum wirkt Jay-Den zuerst wie ein Schluffi, der mühsam von der Handlung mitgezogen wird, um dann doch eine perfekte Rede zu halten? Warum wirken die Rituale alle so irdisch? Und warum sieht das Ganze aus wie Vulkan mit Stranddeko? Und überhaupt: Warum laufen da alle rum wie Menschen? Das sollen doch Fische sein. Die Dialoge zwischen Darem und seiner Frau waren mir egal. Jay-Den irgendwie auch. Das hat für mich überhaupt nicht funktioniert.

Genauso wenig wie die zweite Handlung. Oder die erste? Man weiß es nicht. Die spielt auf der Athena. Die Kadettinnen und Kadetten bekommen frei, ein Monat ist seit der letzten Folge vergangen. Caleb hat immer noch keinen Kontakt zu Tarima. Also führt die Folge natürlich dahin, dass er wächst, sich weiterentwickelt und ihr am Ende einen perfekten Brief schreibt und sich meldet. Wobei ich seine erste Version herrlich schräg, unbeholfen und ein bisschen witzig fand. Immerhin. Und wir erfahren, dass Genesis auch einen Background hat.

Caleb und Genesis vertreiben sich irgendwie die Zeit, alles fühlt sich sehr teeny an. Wir sehen die Sammlung des Doktors mit Warp-Schnecken und lernen nebenbei, dass Phaser jetzt Betäuben, Töten und Einfrieren können.

Und während sich die Zeit beim Zuschauen schon ziemlich gedehnt hat und ich mir gedanklich bereits diesen Text hier zurechtgelegt habe, fragte ich mich: Warum? Klar, die letzten Folgen haben mir richtig gut gefallen. Irgendwann ist so ein Run vorbei. Aber warum entscheidet man sich ausgerechnet an diesem Punkt der Staffel für so eine uninspirierte Filler-Episode? Es gäbe ja Möglichkeiten, bewusst Tempo rauszunehmen und mit der Lupe auf die Figuren zu schauen: Wie geht es ihnen nach Nustopher und B'Avi? Was hat das mit ihnen gemacht? Wie gehen sie damit um? Vielleicht hat man das ja hier sogar versucht. Aber funktioniert hat's für mich leider gar nicht.

Für mich gab es hier kaum echte Charakterentwicklung. Genesis hat auch Macken, Caleb kann jetzt Briefe schreiben, Jay-Den kann vor Leuten reden, und Darem ist weiterhin einfach Darem in der Academy. Und dabei wussten wir bis zu dieser Folge nicht einmal, dass er sie vielleicht verlassen muss. Das wirkt alles seltsam nachgeschoben.

Umso ärgerlicher, weil die ersten Folgen so schön gezeigt haben, dass die Autorinnen und Autoren eigentlich wissen, wie man mit diesen Figuren umgeht. Das Konzept, ein Jahr Academy erleben, Beziehungen wachsen sehen, Dynamiken beobachten und das folgenübergreifend erzählt, hat ja bisher super getragen. Der Progress hat gestimmt, die Character-Arcs auch. Und dann so was.

Mir fehlt gerade die Fantasie und ehrlich gesagt auch die Energie mir zu überlegen, ob diese Folge in den verbleibenden Episoden noch irgendeinen Impact haben wird.

Ein Lichtblick war Reno, die sich den Zeh gebrochen hat und herrlich monologisiert. Dafür gibt’s dann doch noch einen Stern.

Foto: Brooke Palmer/Paramount+

Meta, Moral und Miyazaki

Meta, Moral und Miyazaki

Ich wüsste nicht, wann Star Trek zuletzt so selbstkritisch mit seinem eigenen Konzept umgegangen ist. Und das ausgerechnet in einer Actionfolge, die bei mir so gut funktioniert hat, dass ich sie einfach als Zuschauer erlebt habe und nicht als jemand, der danach noch schnell einen Blog-Beitrag darüber schreiben will. Ich spreche von Folge 6 „Come, Let's Away“ von Starfleet Academy.

Tom von TrekCulture ist daran auch ein bisschen schuld, weil ich vorher sein Video über die visuelle Entwicklung von Star Trek gesehen habe. Dadurch haben die kammerspielartigen Szenen mit Nalah Ake und Nustopher Braka in Akes Büro bei mir richtig gezündet. Ein Kammerspiel, das auch als solches inszeniert wurde. Vertrauen in Dialoge statt hektischer Schnitte, wilder Perspektivwechsel oder Zoom-Overkill. Die Macherinnen und Macher haben darauf vertraut, dass die Gespräche tragen. Und das tun sie defintiv.

Wir bekommen zunächst den psychologischen Schlagabtausch zwischen Braka und Ake, inklusive der Angriffe auf Ake, die offenbar ihr eigenes Kind opfern musste. Dann dreht sich das Ganze. Ake kontert, entlarvt Nustopher und zerlegt seine Narrative. Und trotzdem bleibt dieses Gefühl, dass da noch etwas kommt.

Und dann die Holonachricht am Ende. Der Bösewicht, der gewonnen hat. Und plötzlich stellt er die zentrale Frage. Wie hoch sind die Ideale der Föderation wirklich, wenn Lebensentwürfe wie seiner als „Low Lifes“ abgestempelt werden? Wie tolerant ist man wirklich?

Er sagt, dass er sie hasst und gleichzeitig dankbar ist für ihren Einfluss auf sein Leben. Und in diesem Moment schwingt auf einmal alles mit, was die Staffel bisher aufgebaut hat. Die zögernden Betazoiden als wiederaufgenommene Mitglieder. Der klingonische Kadett, der den anderen Nachhilfe in interkultureller Kompetenz geben musste. Die Föderation, die sich selbst als moralischen Maßstab begreift, aber nicht immer merkt, wenn sie anderen ihre Werte überstülpt. Selbst die scheinbar simplen Hilfsaktionen wie Dilithiumlieferungen bekommen plötzlich einen Beigeschmack. Hilfe, die bestehende Machtstrukturen destabilisiert, ohne sie wirklich zu verstehen.

Parallel dazu gibt es noch das Miyazaki-Comic, dessen großer Fan ausgerechnet der Vulkanier B’avi ist. Caleb bezeichnet die Reihe als Feelgood-Propaganda, die Kolonialismus, Föderation und Starfleet in ein gutes Licht rückt. Eine Star-Trek-Serie innerhalb von Star Trek. Und die Uniformen im Comic! Ich liebe sowas. Meta geht bei mir immer.

Und genau das ist ja auch ein Vorwurf, den man Star Trek immer mal wieder gemacht hat. Dieses leicht missionarische „Wagon Train to the Stars“-Gefühl, das schon der große Gene Roddenberry selbst beschrieben hat. Die Idee, dass die Ideale der empathischen, toleranten Föderation universell richtig sind, egal für welche Spezies oder Kultur. Die Klingonen haben diese Angst in der Staffel gespiegelt. Die Angst vor kultureller Assimilation.

Man kann das als zeitlosen Konflikt lesen. Moralischer Universalismus gegen kulturelle Selbstbestimmung. Zwischen „Wir meinen es gut“ und „Ihr hört uns nicht zu“.

Ich weiß nicht, ob B’avi, der Spock zitiert, genau darauf abzielt. Das Wohl vieler wiegt schwerer als das Wohl weniger. Klar, das ist ein vulkanisches Prinzip. Aber es ist eben auch der utilitaristische Kern, der Star Trek immer wieder heimsucht. Und ganz ehrlich: Viele Fans sprechen das einfach nach, unreflektiert. Aber das wollen wir nicht. Wir wollen kein reines Nutzenkalkül, wir wollen Kant. Würde, die nicht verrechnet wird.

Und genau das macht die Folge so stark. Sie bringt Utilitarismus gegen Deontologie nicht als Seminar, sondern als Drama. Nicht als Theorie, sondern als Charakterkonflikt. Und plötzlich fühlt sich Starfleet Academy stellenweise mehr nach Deep Space Nine an als nach Planet-of-the-Week.

Ich finde es großartig, dass diese Folge gleichzeitig ein moralischer Kommentar und ein Meta-Moralkommentar ist. Und dass dieses Kammerspiel von so starken Schauspielerinnen und Schauspielern getragen wird. Da sitzt alles. Und Paul Giamatti als Bösewicht … Wow! Einfach nur großartig, passt für mich perfekt.

Aber auch die Actionsequenzen auf der Miyazaki haben für mich funktioniert. Ich liebe es, wenn Autorinnen und Autoren bereit sind, Dinge zu riskieren, um zu zeigen, dass wirklich etwas auf dem Spiel steht. Und ich mag es gleichzeitig überhaupt nicht, weil es dann weh tut, wenn es eskaliert.

Ja, man konnte sehen, dass für die Miyazaki teilweise das Enterprise-Brückenset herhalten musste. Aber ganz ehrlich. Immer noch besser als sterile LED-Wand-Ästhetik. Das hier hatte Raum und Textur. Ich war drin und nicht wieder draußen, wie es bei den LED-Stages leider oft passiert.

Und dann noch ein Detail, das ich erst hinterher richtig gemerkt habe. Die Lösung entsteht im Team. Nicht durch einen Genius-Move einer Einzelperson, sondern durch gemeinsames Denken. Klassische Trek-DNA. Und ich habe erst in dem Moment gemerkt, wie sehr ich genau das vermisst habe.

5 von 5 Sternen. Schon wieder.

Foto: Paramount+

Love Letter mit Stolpern: „Series Acclimation Mil“ im Review

Love Letter mit Stolpern: „Series Acclimation Mil“ im Review

Ich tue mich noch ein bisschen schwer damit, die fünfte Folge von Starfleet Academy "Series Acclimation Mil" sauber einzuordnen. Nicht, weil sie nichts zu sagen hätte, sondern weil sie sehr viel gleichzeitig will. Und ich einfach nur Spaß hatte, obwohl sich die Folge objektiv betrachtet manchmal doch sehr im Ton verirrt.

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Dass Avery Brooks während der Produktion kontaktiert wurde, ist für mich mehr als nur Trivia. Denn der Sisko-Darsteller hat seit Jahren der Schauspielerei entsagt und meinte in irgendeinem Interview einmal, dass er die Rolle für den Paycheck angenommen hat. Vollkommen fine by me. Denn DS9 war für mich die Serie, die aus Figuren echte Individuen gemacht hat. Die Freundschaft von O’Brien und Bashir, die Entwicklumg von Odo, das Verhältnis von Sisko und Jake. Da durfte sich etwas entwickeln. Beziehungen, Zweifel, Ideale. Es ging nicht nur um Weltraumprobleme, sondern um innere Konflikte. Und die Mischung hat damals für mich perfekt funktioniert.

Ich hatte mir von meinem Zivigeld die überteuerten DVD Boxen gekauft. Ich habe mich durch das englische Original gekämpft und dabei ganz nebenbei mein Schulenglisch aufpoliert. DS9 war für mich eine prägende Erfahrung. Deshalb war ich natürlich komplett gehypt, als es hieß, Folge 5 von Starfleet Academy sei ein Love Letter an genau diese Serie.

Geschrieben wurde sie unter anderem von Tawny Newsome, die wir aus Star Trek: Lower Decks als Mariner kennen und hier als Illa auftaucht. Eine eingefleischte Trekie und DS9-Fanin. Und von Kirsten Beyer, die früher die Voyager Romane geschrieben hat und seit Jahren eng mit dem Franchise verbunden ist. Also wirklich. Da kann dich kaum was sxhief gehen.

Die Haupthandlung rund um Sam ist dabei nicht nur ernst und philosophisch, sondern vor allem witzig und schnell. Sam ist tollpatschig, naiv, ehrlich und loyal. Sie trägt als Abgesandte den Druck einer ganzen Welt auf ihren Schultern, bleibt aber ihren Freunden gegenüber immer gut gelaunt. Gerade diese Mischung macht sie so sympathisch. Kerrice Brooks liefert hier als photonische Kasqianerin richtig ab. Übrigens auch so wie Mary Wiseman als Ensign Tilly bei Discovery. Beides Charaktere, die so angelegt sind, dass sie Comic-Relief-haft einfach nerven könnten, es aber dann durch die gute Charakterarbeit nicht tun. Chapeau!

Und dann bricht Sam gleich am Anfang die vierte Wand. Sie spricht direkt mit uns als Publikum. Das ist ein riskanter Kniff, aber hier fühlt es sich nicht wie ein billiger Trick an, sondern wie ein bewusstes Spiel mit Erzählformen. In der letzten Szene kann man es sogar so lesen, dass sie die ganze Zeit mit Benjamin Sisko spricht in einer Art innerem Dialog, oder sogar Gebet. Ein leises Augenzwinkern in Richtung DS9, denn nur Benjamin Sisko hat meines Wissens in Star Trek jemals die vierte Wand durchbrochen.

Dazu kommen visuelle Effekte, die fast wie Comic Panels wirken. Gedanken werden grafisch eingeblendet, Emotionen bekommen ein Bild. Das passt überraschend gut zur etwas überdrehten Energie der Episode und gibt ihr einen eigenen Stil, ohne sich komplett vom klassischen Star Trek Look zu verabschieden. Ich weiß, dass sich das widerspricht, aber es hat bei mir richtig gut funktioniert.

Inhaltlich stellt die Folge eine uralte Star Trek Frage. Denn Sisko und Sam verbindet eine Sache: Sie sind beide Abgesandte. Wie lebenswert ist ein Leben, wenn alles deterministisch vorherbestimmt scheint. Ist Sicherheit das höchste Gut oder braucht es Freiheit, selbst wenn sie weh tut. Das sind genau die moralischen Fragen, die mich immer kriegen. Und hier werden sie über Sams persönlichen Konflikt erzählt. Zwischen Pflicht und Gefühl. Zwischen Erwartung und eigener Entscheidung. Dabei fühlt sich ihre Lösung am Ende verdient und gut vom Drehbuch vorbereitet an.

Leider gibt es auch die B-Handlung rund um das diplomatische Treffen mit dem War College. Die ist deutlich alberner. Ich verstehe, dass sie als Kontrast gedacht ist, aber für mich hat der Humor dort nicht gezündet und auch generell hat das Gefühl gefehlt, wohin die Autorinnen überhaupt wollten. Da haben die Dialoge in vergangenen Folgen besser funktioniert und on point die Charakter-Arcs vorangebracht. Das erinnert tatsächlich an manche Folgen aus den Neunzigern, in denen Star Trek auch mal mit Humor gerungen hat. Hat eher selten funktioniert.

Auch die Barszene war nicht ganz meins. Kerrice Brooks darf zeigen, dass sie betrunken spielen kann. Kann sie. Keine Frage. Aber nach der letzten Episode mit einer betrunkenen Ake wirkte das für mich etwas wiederholt. Und die Prügelei war dann eher so mäh.

Trotzdem überwiegt bei mir das Positive. Cirroc Lofton wieder auf einem Star-Trek-Set zu sehen, war ein echter Fanmoment. Und dass ein Klingone im Rock ganz selbstverständlich mit einem War College Typen anbandelt, wird nicht kommentiert, sondern einfach gezeigt. Genau so muss Star Trek Diversität erzählen. Als etwas Normales. Und ja, ich gebe zu, es freut mich diebisch, dass das bestimmte Männer zuverlässig triggert.

Unterm Strich ist diese Episode nicht makellos. Aber sie hat Herz. Sie spielt mit Erzählformen. Sie stellt große Fragen und bleibt dabei nah an ihren Figuren. Und sie trifft bei mir einen sehr persönlichen Nerv. Objektiv nicht perfekt. Aber mit Herz.

Foto: Paramount+