Tags

#Netzpolitik & digitale Öffentlichkeit

Netzpolitik, Digitalpolitik, Regulierung und Mechanismen öffentlicher Debatten im Netz.

Internet-Kolumne (4): Von Nerds und Normalos

Internet-Kolumne (4): Von Nerds und Normalos

Das Internet. Jeder hinterlässt Spuren im Netz. Sich dagegen wehren? Widerstand ist zwecklos. Kolumnist Florian Heinz muss wieder mit einem Normalo diskutieren.
Mein alter Freund Konstantin sitzt mir in der Kneipe gegenüber. Und ohne Vorwarnung blafft er mich an: „Jetzt lass doch mal dein blödes Handy in Ruhe!“ Ich muss erklären: „Das ist kein Handy, das ist ein Smartphone!“ Mit Internet. Eigentlich habe ich gar nicht so oft drauf geschaut: Hat jemand auf Twitter was Nettes geschrieben? Wie kommen meine Bilder an, die ich gerade in genialer Perspektive vom Weizenbierglas geknippst habe? Trotz Kneipe, trotz Konstantin war ich eben auch: online. „Es stört mich sowieso,“ motzt mein (ich setze ihn jetzt mal in Anführungszeichen) „Kumpel“ dann weiter, „dass du gleich jeden Scheiß ins Netz stellst. Und du fragst noch nicht einmal, ob ich vielleicht was dagegen habe!“ Und Zack: Die Diskussion zwischen Nerd und Normalo möge beginnen!
Sätze wie „Ich möchte, dass von mir nichts im Internet steht“, kann ich nicht mehr erst nehmen. Und sie funktionieren auch nicht: Da läuft man aus Versehen durch einen Touristenschnappschuss, der dann auf Facebook landet. Man legt sogar Firmen das eigene Konsumverhalten transparent offen, nur um ein paar Punkte zu sammeln. Kontrolle über unsere Daten können wir aus dem Grund nicht mehr haben, weil es viel zu aufwändig ist, sich über jedes Detail Gedanken zu machen. Kontrollverlust nennt man dieses Phänomen. Und der Kontrollverlust ist erst einmal neutral. Nicht gut. Nicht böse.
„Schön und gut“, sagt Konstantin. „Ich will das aber trotzdem nicht“. Er erzählt stolz, dass er seine Häuserfassade bei Google verpixeln ließ. Da fange ich bereits an zu lächeln. Und setze zum finalen Schlag an: „Und“, frag ich ihn, „hast duch auch schon einen Antrag bei Microsoft gestellt?“ Er so: „Warum?“ Die starten einen Straßenbilderdienst. Wie Google. „Huch, davon weiß ich ja gar nichts...“ Deshalb nenne ich diese ganze Diskussion auch: verlogen.
Originalveröffentlichung im Göttinger Tageblatt

Internet-Kolumne (3): Pawlow lässt grüßen

Internet-Kolumne (3): Pawlow lässt grüßen

Politisch ist das Netz nicht, ein Politikum schon. Denn wenn es neue Bedrohungen gibt, dann holen Politiker gerne einmal alte Rezepte aus ihren Schubladen. So wie der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion Hans-Peter Uhl.
Die grausamen Anschläge in Norwegen kommentierte Hans-Peter Uhl mit folgenden Worten im Deutschlandfunk: „In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren.“ Wumms!
Die Konsequenzen, ganz klar: Vorratsdatenspeicherung. „Hier finden große Straftaten permanent statt, übrigens auch in Deutschland“. Das ist schamlos. Und im norwegischen Fall schlicht falsch. Aber: Man ist es ja schon gewohnt. Es sind diese pawlowschen Politikerreflexe, die ganz automatisch zuschnappen.
Wir erinnnern uns: Die Vorratsdatenspeicherung war das Projekt der Großen Koalition, das vor einem Jahr vom Bundesverfassungsgericht als „verfassungswidrig und nichtig“ gekippt worden ist. Auch neue Namen für das alte Projekt wie „Mindestspeicherdauer“ ändern daran nichts: Ohne Verdacht dürfen Telekommunikationsunternehmen keine personenbezogenen Daten speichern. Das sollte eigentlich auch Uhl bekannt sein. Was er allerdings nicht ahnte, war die Reaktion des Netzes.
Im Kurznachrichtendienst Twitter ging der Hashtag #iminternetgeboren rauf und runter. Hashtags, sind Wörter nach einer Raute, die die Nachrichten in Kategorien einordnen. So schrieb @metronaut: „Weltsicht leicht gemacht: Alles Böse wird #iminternetgeboren“. Andere Nutzer schlossen sich an. Sie machten sich lustig, reagierten sarkastisch. Die Medien bekamen Wind von der Sache und berichteten nun ausführlich über Uhl und seine Forderung.
Inzwischen ist Uhl isoliert. Und, hat das Netz sein Ziel erreicht? Nein. Denn politisch ist es nicht. Es ist ein Instrument der politischen Diskussion. Ein fantastisches, wohlgemerkt, und für alle offen. Demokratisch eben!
Zur Originalveröffentlichung

Die Linkliste zum Sonntag

Die Linkliste zum Sonntag

Mensch, dann macht es doch selbst!

19.02.2026

Mensch, dann macht es doch selbst!


Wie lange gibt es das Internet jetzt schon? Mhm? Man könnte sagen seit 1969 (WP). Ist schon etwas älter, wa. Und wie lange gibt es in Deutschland schon organisierte Interessensverbände? Solange, wie es auch Vereine gibt, und Gilden und das Zunftwesen (WP). Also schon lange, sehr, sehr lange.
Und erst jetzt gibt es einen Verband, eine Lobby, die sich für Internet-Rechte einsetzt. Eigentlich ein starkes Stück. Ich meine, in Deutschland ist man doch sowas von stolz auf die Blogdebatten, oder? Und freut sich jetzt, dass es bald wieder ein Instrument gibt, was sie ordentlich darstellt. Und man fühlt sich doch auch schon längst politisch! Jeder mit einem Blog hat doch eins, zwei Sätze darüber verloren, wie scheiße er das damals mit dem Zugangserschwerungsgesetz gefunden hat. Und hat vielleicht auf Netzpolitik velinkt. Oder Heise.
Und jetzt wollt ihr mir tatsächlich sagen, dass ihr keine popeligen sieben Gründungsmitglieder zusammenbekommt, um der Digitalen Gesellschaft Konkurrenz zu machen? Das ist doch nicht Euer ernst, liebe Netizen. Das kann nicht Euer ernst sein.
Ich versuche mir immer meine kritische Sicht auf die Welt zu bewahren. Und da ich gestern mein erstes graues Haar liebevoll ausgerupft habe, muss man mir wohl nun auch eine gewisse Altersweisheit zugestehen. Aber ein Projekt, bevor es überhaupt richtig gestartet ist, so in den Dreck zu ziehen? Geht doch auf die Barikaden, wenn Markus scheiße baut! Aber stattdessen bemängelt ihr die Transparenz. Den Namen. Und überhaupt die Tatsache, nicht gefragt worden zu sein.
Meine wirklich ernst gemeinte Frage an euch: Hallo?! Wolltet ihr jede Revision der Ursprungssatzung sehen? Glaubt ihr, dass es die Digitale Gesellschaft heute gäbe, wenn die Ziele nicht hinter geschlossenen Türen ausgearbeitet worden wären? Ihr würdet euch immer noch streiten! Mitglieder? MitgliederInnen? Mitgliederinnen? Mitglieder_Innen? Wenn's überhaupt soweit gekommen wäre.
Ich kann von meiner Seite nur sagen: Ich weiß nicht, was die Digitale Gesellschaft bringen wird. Ich weiß nicht, ob das so eine Art Greenpeace nur fürs Netz ist. Aber ich bin richtig gespannt darauf, es zu erfahren und werde die Debatten auch solange intensiv verfolgen.
Aber bis dahin halte ich die Klappe und beende meine Tirade ganz konstruktiv mit einer kleinen Buchempfehlung.
Bild: NamensnennungKeine kommerzielle NutzungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Dunechaser

Die Linkliste zum Sonntag

Die Linkliste zum Sonntag