"Gute Vorsätze zum Jahresanfang haben einen Unterton von Resignation. Da ist dann Skepsis geboten und nicht Ehrgeiz." Das hat Publizist Johannes Gross einmal zu den Neujahresvorsätzen gesagt. Und als Kollege Kerzel dann Anfang 2012 damit prahlte, seine "Mission Olympia" zu starten, da dachte ich mir als Menschenfreund und guter Kollege: Das unterstütz'ma mal!
Dabei herausgekommen ist nicht nur das obige Video und dieser Artikel hier, dabei herausgekommen ist nicht weniger als eine Bewegung.
Das Tageblatt präsentiert euch – und zwar proudly – das neue Blog von Michael Kerzel: "Mission Olympia – der Speck muss weg!"
Worum geht's?
Michael versucht bis zum Beginn der Olympischen Spiele unter 90 Kilo Lebendgewicht zu kommen. Denn dann – und nur dann! – erlaubt ihm sein Drache seine Freundin (Grüße!) die Spiele im Fernsehen anzuschauen. Eine ehrgeizige Wette, ein lohnendes Ziel!
Und ihr könnt ihm dabei helfen: Michael postet nun regelmäßig über den alltäglichen Abnehmwahn, die Schwierigkeiten, die sich aus seiner Diät ergeben, die Erfolge, die er hoffentlich bald feiern kann. Und so etwas funktioniert ja bekanntlich in der Gemeinschaft am Besten. Und ganz nebenbei könnt ihr euch noch Tipps abholen, wie ihr zu eurem Optimalgewicht finden könnt.
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Neben den Posts planen wir auch, ihn regelmäßig mit der Kamera zu begleiten.
Und nun zu euch: Wenn ihr Vorschläge für Michael habt, oder generell für das Projekt, scheut euch nicht, sondern schreibt sie hier bei mir ins Internet rein :)
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#Journalismus
Journalismus, Redaktionen, Publizistik und der Wandel klassischer Medienarbeit.
Mission Olympia: Der Speck muss weg!
freitag.de: Gespräche: Stimmt das denn? — Toller Text über das Interview.
Die Sprache der Meldung
Die Sprache der Meldung
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie lange das Voloblog als Angebot noch bestehen bleibt. Deshalb fange ich einmal langsam an meinen Inhalt auf den Floyboy rüberzuschaufeln – und zwar leicht abgeändert.
Ich bin übrigens gerade dabei, mich mit den rechtlichen Hintergründen der Interviewautorisierung rumzuschlagen, um das diese Woche noch in einen Post zu gießen. Falls ihr spezielle Fragen habt, schickt sie mir doch bitte per Mail oder fragt in den Kommentaren.
Journalistisches Schreiben
Als erstes muss erst einmal geklärt werden, welche Textformen es im Journalismus eigentlich gibt. Grob kann man sie in zwei Segmente einteilen: tatsachenbetonte und meinungsbetonte Berichte.
| tatsachenbetont | meinungsbetont |
| Meldung | Leitartikel |
| Bericht | Editorial |
| Interview | Kommentar |
| Porträt | Glosse |
| Reportage | Lokalspitze |
| Feature | Kritik |
| Rezension (Buchkritik) | |
| Foto | |
| Grafik | Karikatur |
Natürlich kann man die tatsachenbetonten Textformen auch noch weiter unterteilen, nach informierend zum Beispiel (Meldung, Bericht) und erzählend(Reportage, Feature). Aber das würde dann ja schon fast wieder kompliziert. Deshalb geht es jetzt erst einmal ganz grob um zwei Sachen: Die Meldung und den Bericht. Und um die Fehler, die da schon gerne gemacht werden.
Eine Meldung ist in der Zeitungssprache ein Artikel, in dem meist vier Fragen beantwortet werden: Wer, was, wann und wo (oft auch warum).
Ganz grob und schon fast fahrlässig allgemein fasse ich mal zusammen:
Aus welchem Grund auch immer habt ihr vor, eine Meldung zu schreiben. Sei es als Praktikant bei der Zeitung oder als Pressemensch bei einem Verein oder einer Organisation. Bevor ihr den Stift in die Hand nehmt oder auf die Tastatur einhaut: Gedanken machen. Mach euch vorher Notizen, erstellt eine Prioritätenliste und überlegt: Wenn ich meiner Frau in der Küche zurufen würde, um was es in dem Artikel geht, was wäre das dann?
Wenn ihr dann eine grobe Struktur habt, einfach noch mit der Top-8-Liste für grandiose Meldungen verquirlen.
- Das Wichtigste nach vorn
- Kein überflüssiges Wort
- Kurze Sätze, Schachtelsätze verboten
Manchmal – und das muss man ehemaligen Geisteswissenschaftlicher – zumindest zum Teil – nachsehen, sind geschachtelte Sätze – nicht nur in Meldungen oder Berichten – doch ziemlich unüberischtlich. - Keine Hauptwörterei
Die Vermeidung von substantivierten Verben besitzt eine hohe Priorität seitens der Meldungsformulierung. Oder anders: Nominalstil versteht kein Mensch! - Passiv vermeiden
Wenn in einem Text zu oft das Passiv verwendet wurde, wird die Lebendigkeit zerstört. - Immer schön konkret bleiben
Forscher arbeiten jetzt an einem neuen Projekt. Was für Forscher? Astrophysiker oder gar Biologen? Und was ist das für ein Projekt? - präzise Wortwahl
- Keine Fremdwörter
Journalistische Apposition
Journalistische Apposition
Wenn ich im weltweiten Netzwerk "Internet" lese, würde ich manchmal gerne auf mein Eingabegerät "Tastatur" einschlagen. Aber dafür war dann mein Macintosh-Notebook "MacBook Pro" doch zu teuer. Denn leider kann man ja nicht mehr darauf hoffen, im Internetauktionshaus "Ebay" ein günstiges Schnäppchen zu klicken – und auch im Kurznachrichtendienst "Twitter" kann man nicht unbedingt auf Hilfe hoffen.
Worauf ich hinaus will, merkt ihr selbst, oder?
Es ist eine Krux in Deutschland als Journalist übers Netz zu schreiben. Zwar ist jeder zehnte Deutsche inzwischen auf oder in Facebook, Twitter wird immer häufiger als Quelle in Print und TV benutzt, auf Youtube schaut jeder täglich inzwischen 50 Minuten lang Videos; aber trotzdem bleibt der Kanal oft nur die Videoplattform "Youtube". Facebook ist das "Netzwerk", das "Internetportal" die "Webseite". Als ob der Lesergroschen erst fallen würde, wenn es zum Netzservice eine passende Apposition gibt.
Ich fühle mich beim Lesen gelinde gesagt verarscht.
Journalismus muss erklären, klar. Die spannende Frage lautet aber immer, ab welchem Punkt man ansetzt. Was ist Allgemeinwissen? Was kann man bei den Lesern voraussetzen? Meine Mutti hat mir erklärt, dass es einmal Zeiten gegeben hat, in denen Facebook, Twitter und Youtube, Apple, Google und Microsoft einfach noch nicht existiert haben. Deshalb war früher vielleicht eine Apposition sinnvoll, weil sie einordnete und übersetzte. Aber heutzutage ist sie nur noch eines: überflüssig und den Textfluss störend.
"Aber wir können doch nicht davon ausgehen, dass jeder Facebook kennt", höre ich die Kritiker rufen. Und, ja. Da muss ich zustimmen. Aber die Apposition kommt nur so im Netzjournalismus vor. Das ist zumindest meine sehr subjektive Einschätzung.
Ein paar Beispiele:
Die "Frühkritik" auf faz.net ist ein sehr klickstarkes, weil einordnendes Format. So sagt es zumindest Frank Schirrmacher in einem Interview bei den Kollegen von Alternativlos. Beispiel: "Lafontaine und Sinn schreiten Seit’ an Seit’" – eine Analyse zum Jauch-Talk. Im Text wird weder erwähnt, wann die Jauch-Folge gelaufen ist, dass es sich überhaupt um eine Talk-Show handelt und auch der Sender wird mit keinem Wort erwähnt. Unjournalistisch würde das niemand nennen. Autor Frank Lübberding geht ganz einfach davon, dass bekannt ist, dass Jauch eine Talkshow hat. Knapp vier Millionen Menschen haben da eingeschaltet. In Bestzeiten waren esbei Jauch im Ersten 5,1 Millionen. Nur zum Vergleich:Im Juni hatte Facebook über 20 Millionen aktive Nutzer in Deutschland.
In der Spiegel-Kolumne zu "Bauer sucht Frau" wird auch nicht einordnend erklärt, dass es sich um eine Doku-Soap von RTL handelt.
Im Nachdreh "Cameron – ungeliebt, aber unverzichtbar" von Reiner Luyken auf zeit.de ist die ganze Zeit die Rede von einem "EU-Veto". Was das genau ist, wird nicht erklärt.
Das ist nicht unjournalistisch, das ist angenommenes Allgemeinwissen. Denn: Man redet momentan über nix anderes als die Cameron-Entscheidung.
Warum verfällt aber der Netzjournalismus immer in diese appositionelle Erklärbärhaltung, in den unterfordernden Bemutterungsmodus? Warum wird im letzten Absatz immer noch einmal geschrieben, dass Facebook mit über 800 Millionen Mitgliedern als das größte soziale Netzwerk der Welt gilt und oft wegen Datenschutzfragen in die Kritik geraten ist?
Man glaubt anscheinend immer noch, das die Thematik zu abstrakt für die Leser ist. Aber wir haben nicht mehr 1997. Es ist am Netzjournalismus ganz einfach vorbeigegangen, dass Dienste inzwischen auf Usability, Einfachheit und Nutzerbindung ausgelegt sind.
Und da würde es doch ganz gut passen, endlich auch die Sprache, die Vergleiche und das angenommene Hintergrundwissen in die Jetztzeit zu bringen. Schließlich gibt es die Datenautobahn auch nicht mehr im Journalismus. Shit.
Sehr schönes How-To wie man Dank Google-Tools #Datenjournalismus betreiben könnte: http://bit.ly/nSmCE7 (via @soulmib)