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#Journalismus & Medienkritik

Journalismus, Redaktionen und die kritische Betrachtung journalistischer und medialer Arbeit.

Journalistische Apposition

Journalistische Apposition

Wenn ich im weltweiten Netzwerk "Internet" lese, würde ich manchmal gerne auf mein Eingabegerät "Tastatur" einschlagen. Aber dafür war dann mein Macintosh-Notebook "MacBook Pro" doch zu teuer. Denn leider kann man ja nicht mehr darauf hoffen, im Internetauktionshaus "Ebay" ein günstiges Schnäppchen zu klicken – und auch im Kurznachrichtendienst "Twitter" kann man nicht unbedingt auf Hilfe hoffen.
Worauf ich hinaus will, merkt ihr selbst, oder?
Es ist eine Krux in Deutschland als Journalist übers Netz zu schreiben. Zwar ist jeder zehnte Deutsche inzwischen auf oder in Facebook, Twitter wird immer häufiger als Quelle in Print und TV benutzt, auf Youtube schaut jeder täglich inzwischen 50 Minuten lang Videos; aber trotzdem bleibt der Kanal oft nur die Videoplattform "Youtube". Facebook ist das "Netzwerk", das "Internetportal" die "Webseite". Als ob der Lesergroschen erst fallen würde, wenn es zum Netzservice eine passende Apposition gibt.
Ich fühle mich beim Lesen gelinde gesagt verarscht.
Journalismus muss erklären, klar. Die spannende Frage lautet aber immer, ab welchem Punkt man ansetzt. Was ist Allgemeinwissen? Was kann man bei den Lesern voraussetzen? Meine Mutti hat mir erklärt, dass es einmal Zeiten gegeben hat, in denen Facebook, Twitter und Youtube, Apple, Google und Microsoft einfach noch nicht existiert haben. Deshalb war früher vielleicht eine Apposition sinnvoll, weil sie einordnete und übersetzte. Aber heutzutage ist sie nur noch eines: überflüssig und den Textfluss störend.
"Aber wir können doch nicht davon ausgehen, dass jeder Facebook kennt", höre ich die Kritiker rufen. Und, ja. Da muss ich zustimmen. Aber die Apposition kommt nur so im Netzjournalismus vor. Das ist zumindest meine sehr subjektive Einschätzung.
Ein paar Beispiele:
Die "Frühkritik" auf faz.net ist ein sehr klickstarkes, weil einordnendes Format. So sagt es zumindest Frank Schirrmacher in einem Interview bei den Kollegen von Alternativlos. Beispiel: "Lafontaine und Sinn schreiten Seit’ an Seit’" – eine Analyse zum Jauch-Talk. Im Text wird weder erwähnt, wann die Jauch-Folge gelaufen ist, dass es sich überhaupt um eine Talk-Show handelt und auch der Sender wird mit keinem Wort erwähnt. Unjournalistisch würde das niemand nennen. Autor Frank Lübberding geht ganz einfach davon, dass bekannt ist, dass Jauch eine Talkshow hat. Knapp vier Millionen Menschen haben da eingeschaltet. In Bestzeiten waren esbei Jauch im Ersten 5,1 Millionen. Nur zum Vergleich:Im Juni hatte Facebook über 20 Millionen aktive Nutzer in Deutschland.
In der Spiegel-Kolumne zu "Bauer sucht Frau" wird auch nicht einordnend erklärt, dass es sich um eine Doku-Soap von RTL handelt.
Im Nachdreh "Cameron – ungeliebt, aber unverzichtbar" von Reiner Luyken auf zeit.de  ist die ganze Zeit die Rede von einem "EU-Veto". Was das genau ist, wird nicht erklärt.
Das ist nicht unjournalistisch, das ist angenommenes Allgemeinwissen. Denn: Man redet momentan über nix anderes als die Cameron-Entscheidung.
Warum verfällt aber der Netzjournalismus immer in diese appositionelle Erklärbärhaltung, in den unterfordernden Bemutterungsmodus? Warum wird im letzten Absatz immer noch einmal geschrieben, dass Facebook mit über 800 Millionen Mitgliedern als das größte soziale Netzwerk der Welt gilt und oft wegen Datenschutzfragen in die Kritik geraten ist?
Man glaubt anscheinend immer noch, das die Thematik zu abstrakt für die Leser ist. Aber wir haben nicht mehr 1997. Es ist am Netzjournalismus ganz einfach vorbeigegangen, dass Dienste inzwischen auf Usability, Einfachheit und Nutzerbindung ausgelegt sind.
Und da würde es doch ganz gut passen, endlich auch die Sprache, die Vergleiche und das angenommene Hintergrundwissen in die Jetztzeit zu bringen. Schließlich gibt es die Datenautobahn auch nicht mehr im Journalismus. Shit.

Prozessvideos: "Time is a predator"

Prozessvideos: "Time is a predator"

Was ist das Nervigste an den Jobs von Starfleet-Captains und von Journalisten? Das Warten. "Someone once told me that time was a predator that stalked us all our lives" hat Captain Picard dazu mal gesagt. Nun ja. Eigentlich zu etwas ganz anderem, aber ich finde das richtige Zitat gerade nicht. Und passt ja auch irgendwie.
Heute wurde das Urteil zu Jan O. gesprochen - und von gefühlt allen Sendern waren Filmteams da. Natürlich nicht im Gericht, sondern davor. Denn es ist ja nur gestattet, bis zu dem Punkt zu filmen und zu fotografieren, bis der Richter sich setzt. Das war selbst bei Barbara Salesch so, die zu beginn ihrer TV-Richter-Karriere noch echte Fälle behandelt hat (wir erinnern uns an den Maschendrahtzaun?). Und zwar nicht im Gericht, sondern in einem TV-Studio, das einem Sitzungssaal nachempfunden war. Ein kleiner Kniff um das Filmverbot zu umgehen.
Bei solchen Terminen heißt es dann also: Zwei Minuten im Sitzungssaal filmen und eineinhalb Stunden davor warten um sich noch ein Statement von Verteidigern und Vertreter der Nebenklage zu holen. Und wenn man dann nicht so wie die Kollegen von RTL und NDR mit Tonangeln und sehr viel Personal auftaucht, ist es fast unmöglich einen gut verständlichen O-Ton mit in die Redaktion zu bringen. Da wünscht man sich doch wirklich jemanden zusätzlich, der den Interviewpartnern das Mikro vor den Mund hält. Auch wenn es in diesem unglaublich-grellen Sat-1-Pink ist.

Die Tageblatt-Jubelkugel

Die Tageblatt-Jubelkugel

Wenn die Chefin gute Laune hat, dann gibt es manchmal auch ganz spezielle Arbeitsaufträge. Heute: Ein Video über die Jubelkugel - direkt aus der Redaktion.

Sie ist lichtempfindlich und plärrt ständig iin Herbert-Zimmermann-Manier "Tor, Tor, Tor!". Die Jubelkugel macht Stimmung wenn's hell wird. Ein nicht ganz ernst gemeinter Beitrag zu Fan-Artikeln bei der Fußball-WM der Frauen.

Tageblatt-Videos jetzt... anders

Tageblatt-Videos jetzt... anders

Der Videopunk™ hat am Wochenende Göttingen beehrt und einiges über seine Philosophie von Webvideos und vom Netz zum Besten gegeben. Das hier wird keine Zusammenfassung.* Das hier wird um mein neues Stück gehen, das ich heute in der Universitätsmedizin gedreht habe. Und an den Änderungen ist Markus schuld - also schön bei ihm beschweren; meine Kommentarspalte bleibt sauber.
Die Teddybärenklinik
Vielleicht fällt's ja jemanden auf: Der Beitrag handelt von Kindern, die ihre Angst vorm Arzt verlieren sollen/können/wollen. Oder einfach nur ein Kuschelohr annähen lassen. Im Video selbst tauchen aber keine auf. Der Grund ist ärgerlich (für mich) und banal: Ich habe es nit geschafft, mehr als sieben Kinder (Gruppe!) in eine Einstellung reinzubekommen. Und weniger Kinder bedeuten: Man braucht eine Einverständniserklärung von Mama und Papa, um gefilmt werden zu dürfen. Und die habe ich nicht gefunden. Deshalb habe ich dem Video diesen Dreh gegeben und mich mit Julius unterhalten.
Was ist an den Videos neu?
Wir haben jetzt keinen Vor- und auch keinen Abspann mehr. Über den Abspann kann man diskutieren, auch über die Position, bei dem der Autor des Films genannt wird - hinten, oder doch besser vorne? Aber: Unsere Lösung ist um einiges angenehmer als das, was wir vorher laufen hatten.
Zusätzlich: Unsere Bauchbinde ist jetzt animiert. Nix besonderes, ich habe einfach auf verschiedene einfarbige Masken diese kreisförmige Blende gelegt. Aber ich find's trotzdem ganz schick - vor allem wenn ich bedenke, dass ich zum Bauen absolut keine Zeit hatte, das Übliche halt.
Neu ist auch, dass wir das Drübermoderieren im Studio vermeiden wollen. Will sagen: Ich will das nit mehr! Ich höre jetzt schon die Aufrufe, dass das ja überhaupt und definitiv nit bei jedem Termin möglich ist und dass man ja manchmal wirklich was Erklärendes bringen müsste, was Einordnendes, was Strukturierendes. Ja, würde ich inzwischen drauf Antworten. Dann strukturiert und erklärt aber auf dem Termin - und zwar vor der Kamera! So wie Kollegin Steinert als Mojane bei der RZ, zum Beispiel. Ich verlinke sie, trotz dessen sie mir nit auf Twitter antwortet. Tz.
Wir nutzen nun auch die Creative-Commons-Lizenzen für Musik und Bilder. Hier im Blog habe ich das ja schon oft gemacht (und öfter, wenn ich denn mal regelmäßig zum Bloggen käme) - aber fürs Tageblatt noch nie. Das heißt jetzt natürlich im Umkehrschluss, dass manche Videos auch unter der BY-SA 3.0 stehen und von anderen Nutzern verwendet werden dürfen. Ein fantastischer Schritt!
Youtube wird nun auch mehr von uns bedient: 1. Schritt: Auf der Tageblatt-Fanpage laufen nit mehr unsere Portalvideos ein, sondern die aus Youtube. Denn Brightcove hat immer noch keine ordentliche play-in-Facebook-Funktion. Außerdem werden wir die Videos mit Youtube-Elementen versehen. Was wir genau machen, das wissen wir noch nit. Wir verlinken zumindest das Logo um den Kanal abonnieren zu können. Und weisen am Ende des Videos auf andere Produktionen hin.

* Die wäre auch relativ schnell abgehandelt: Ohne Rants und Transparenz funktioniert nix so wirklich im Netz.