Auf hnz.io werden gerade keine zuletzt gesehenen Serien mehr importiert. Und es liegt diesmal nicht an mir! Wirklich!Diesmal jedenfalls nicht. Trakt hat meiner kleinen Anbindung schlicht den Stecker gezogen.

Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ein Dienst versucht, Geld zu verdienen. Im Gegenteil: Bei vielen Projekten drücke ich sogar die Daumen, dass sie ein tragfähiges Geschäftsmodell finden. Server, Entwicklung und Support bezahlen sich nicht von freundlichen Gedanken. Ich weiß allerdings auch, wie oft genau an diesem Punkt die Enshittification beginnt: Ein Dienst wird erst nützlich, dann unverzichtbar und schließlich Stück für Stück schlechter oder geschlossener.

Monetarisierung allein ist noch keine Enshittification. Heimliche Verschlechterung kommt ihr aber schon ziemlich nahe.

Vorübergehend, aber ohne Vorwarnung

Noch im Februar erklärte Trakt im eigenen Forum, die öffentliche API sei kostenlos und auch ihre kommerzielle Nutzung nicht grundsätzlich eingeschränkt. Anfang August sah die Welt plötzlich anders aus. Kostenlose Konten konnten keine neuen API-Anwendungen mehr anlegen. Bei einigen verschwanden sogar bestehende Anwendungen, die zuvor funktioniert hatten. Wer eine neue App anlegen wollte, bekam stattdessen den Hinweis auf Trakt VIP.

Ganz abgeschaltet hat Trakt seine API also nicht. Der Zugang für kostenlose Entwicklerkonten wurde eingeschränkt und mein Serienimport ist dabei auf der Strecke geblieben. Trakt selbst bezeichnet das als vorübergehende Maßnahme, um Missbrauch zu verhindern. Das kann ein nachvollziehbarer Grund sein. Nur gab es offenbar weder eine vorherige Ankündigung noch einen Zeitplan und nicht einmal eine brauchbare Erklärung für die Menschen, deren Anwendungen plötzlich verschwunden waren.

Das ist der Teil, der mich ärgert. <dass Trakt Geld verdienen möchte: schön und gut. Dass ein Dienst seine Regeln ändert: Schon häufiger erlebt, komme ich mit klar. Aber dass ich die Änderung erst bemerke, weil auf meiner Website nichts mehr ankommt, das ist etwas Blöde.

Und dann war auch der RSS-Feed weg

Als Ausweichroute hätte mir sogar der Verlauf als RSS-Feed gereicht, hatte ich so designt. Wenn die API down ist, war das mein Fallback. Aber wenn ich die Seite jetzt ansurfe, begrüßt mich ein nicht ganz so freundlicher 404-Fehler. Seite nicht gefunden. Und das offenbar nicht nur bei kostenlosen Konten. Selbst Menschen mit laufendem VIP-Abo berichten von plötzlich nicht mehr funktionierenden RSS-Feeds. Eine offizielle Ankündigung dazu habe ich nicht gefunden.

Die API ohne Vorwarnung einschränken und gleichzeitig den RSS-Ausgang zumauern: Das macht man doch nicht. Trakt.

Zum Glück gibt es Ryot nicht bei Cloudron

Zum Glück bietet Cloudron Ryot nicht als fertige App an. Das meine ich nur halb ironisch. Sonst hätte ich vermutlich längst einen Abend, eine Nacht und den darauffolgenden Vormittag damit verbracht, meinen eigenen Medien-Tracker aufzusetzen.

Ryot steht für „Roll Your Own Tracker“ und ist genau die Sorte Projekt, bei der ich gefährlich schnell schwach werde. Die freie, selbst hostbare Anwendung verwaltet nicht nur Filme und Serien, sondern auch Bücher, Spiele, Musik, Podcasts und sogar Trainingseinheiten. Sie kann Daten unter anderem aus Trakt übernehmen, lässt sich mit Jellyfin, Plex, Kodi oder Emby verbinden und bringt Statistiken sowie eine eigene API mit. Die Daten liegen dabei auf dem eigenen Server.

Allerdings ist Ryot kein kleiner Schalter, den ich in Cloudron umlege. Die Installation läuft regulär über Docker, braucht PostgreSQL und je nach Medienart weitere Zugangsschlüssel, etwa für TMDB. Das wäre machbar. Und genau deshalb gefährlich. Ich möchte gerade eigentlich nur wieder drei Serien auf meiner Website anzeigen und nicht aus Versehen eine neue Infrastruktur betreiben.

Erst einmal Simkl

Wahrscheinlich lande ich deshalb vorerst bei Simkl. Der Dienst kann den Trakt-Export als ZIP-Datei übernehmen, einschließlich Verlauf, Merkliste und Bewertungen. Außerdem gibt es eine öffentliche API, über die ich den Serienimport für hnz.io neu bauen kann. Das klingt nach dem deutlich kürzeren Weg.

Natürlich ziehe ich damit erst einmal nur von einem fremden Dienst zum nächsten. Das ist keine große digitale Unabhängigkeitserklärung. Es ist eine pragmatische Lösung, während ich mir in Ruhe anschaue, was dauerhaft funktioniert und wie gut ich meine Daten dort wieder herausbekomme.

Bis dahin gibt es auf hnz.io keinen Serienimport. Ich arbeite dran, da soll sich ZUkunfts-Flo drum kümmern. Und Gegenwarts-Flo ärgert sich leise weiter, dass Trakt nicht nur die Tür abgeschlossen, sondern auch noch den RSS-Fallback zugeschraubt hat.

Was ich stattdessen vorziehe

Viel wichtiger als der Serienimport, ist die neue Blockroll, die ich hier als nächstes ausrollen will. Frank hat drüben bei rivva geschrieben, warum das wichtig ist.. Und Felix hat das Plugin von Christian Pfefferle gleich schon mal für Kirby quasi in Nullzeit angepasst und auf Github veröffentlicht. Danke dir! Und wenn dass dann bei mir ausgerollt ist und funktioniert, dann kümmere ich mich um mein neues, altes Medientracking.

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