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#Journalismus

Journalismus, Redaktionen, Publizistik und der Wandel klassischer Medienarbeit.

Prozessvideos: "Time is a predator"

Prozessvideos: "Time is a predator"

Was ist das Nervigste an den Jobs von Starfleet-Captains und von Journalisten? Das Warten. "Someone once told me that time was a predator that stalked us all our lives" hat Captain Picard dazu mal gesagt. Nun ja. Eigentlich zu etwas ganz anderem, aber ich finde das richtige Zitat gerade nicht. Und passt ja auch irgendwie.
Heute wurde das Urteil zu Jan O. gesprochen - und von gefühlt allen Sendern waren Filmteams da. Natürlich nicht im Gericht, sondern davor. Denn es ist ja nur gestattet, bis zu dem Punkt zu filmen und zu fotografieren, bis der Richter sich setzt. Das war selbst bei Barbara Salesch so, die zu beginn ihrer TV-Richter-Karriere noch echte Fälle behandelt hat (wir erinnern uns an den Maschendrahtzaun?). Und zwar nicht im Gericht, sondern in einem TV-Studio, das einem Sitzungssaal nachempfunden war. Ein kleiner Kniff um das Filmverbot zu umgehen.
Bei solchen Terminen heißt es dann also: Zwei Minuten im Sitzungssaal filmen und eineinhalb Stunden davor warten um sich noch ein Statement von Verteidigern und Vertreter der Nebenklage zu holen. Und wenn man dann nicht so wie die Kollegen von RTL und NDR mit Tonangeln und sehr viel Personal auftaucht, ist es fast unmöglich einen gut verständlichen O-Ton mit in die Redaktion zu bringen. Da wünscht man sich doch wirklich jemanden zusätzlich, der den Interviewpartnern das Mikro vor den Mund hält. Auch wenn es in diesem unglaublich-grellen Sat-1-Pink ist.

Die Tageblatt-Jubelkugel

Die Tageblatt-Jubelkugel

Wenn die Chefin gute Laune hat, dann gibt es manchmal auch ganz spezielle Arbeitsaufträge. Heute: Ein Video über die Jubelkugel - direkt aus der Redaktion.

Sie ist lichtempfindlich und plärrt ständig iin Herbert-Zimmermann-Manier "Tor, Tor, Tor!". Die Jubelkugel macht Stimmung wenn's hell wird. Ein nicht ganz ernst gemeinter Beitrag zu Fan-Artikeln bei der Fußball-WM der Frauen.

Tageblatt-Videos jetzt... anders

Tageblatt-Videos jetzt... anders

Der Videopunk™ hat am Wochenende Göttingen beehrt und einiges über seine Philosophie von Webvideos und vom Netz zum Besten gegeben. Das hier wird keine Zusammenfassung.* Das hier wird um mein neues Stück gehen, das ich heute in der Universitätsmedizin gedreht habe. Und an den Änderungen ist Markus schuld - also schön bei ihm beschweren; meine Kommentarspalte bleibt sauber.
Die Teddybärenklinik
Vielleicht fällt's ja jemanden auf: Der Beitrag handelt von Kindern, die ihre Angst vorm Arzt verlieren sollen/können/wollen. Oder einfach nur ein Kuschelohr annähen lassen. Im Video selbst tauchen aber keine auf. Der Grund ist ärgerlich (für mich) und banal: Ich habe es nit geschafft, mehr als sieben Kinder (Gruppe!) in eine Einstellung reinzubekommen. Und weniger Kinder bedeuten: Man braucht eine Einverständniserklärung von Mama und Papa, um gefilmt werden zu dürfen. Und die habe ich nicht gefunden. Deshalb habe ich dem Video diesen Dreh gegeben und mich mit Julius unterhalten.
Was ist an den Videos neu?
Wir haben jetzt keinen Vor- und auch keinen Abspann mehr. Über den Abspann kann man diskutieren, auch über die Position, bei dem der Autor des Films genannt wird - hinten, oder doch besser vorne? Aber: Unsere Lösung ist um einiges angenehmer als das, was wir vorher laufen hatten.
Zusätzlich: Unsere Bauchbinde ist jetzt animiert. Nix besonderes, ich habe einfach auf verschiedene einfarbige Masken diese kreisförmige Blende gelegt. Aber ich find's trotzdem ganz schick - vor allem wenn ich bedenke, dass ich zum Bauen absolut keine Zeit hatte, das Übliche halt.
Neu ist auch, dass wir das Drübermoderieren im Studio vermeiden wollen. Will sagen: Ich will das nit mehr! Ich höre jetzt schon die Aufrufe, dass das ja überhaupt und definitiv nit bei jedem Termin möglich ist und dass man ja manchmal wirklich was Erklärendes bringen müsste, was Einordnendes, was Strukturierendes. Ja, würde ich inzwischen drauf Antworten. Dann strukturiert und erklärt aber auf dem Termin - und zwar vor der Kamera! So wie Kollegin Steinert als Mojane bei der RZ, zum Beispiel. Ich verlinke sie, trotz dessen sie mir nit auf Twitter antwortet. Tz.
Wir nutzen nun auch die Creative-Commons-Lizenzen für Musik und Bilder. Hier im Blog habe ich das ja schon oft gemacht (und öfter, wenn ich denn mal regelmäßig zum Bloggen käme) - aber fürs Tageblatt noch nie. Das heißt jetzt natürlich im Umkehrschluss, dass manche Videos auch unter der BY-SA 3.0 stehen und von anderen Nutzern verwendet werden dürfen. Ein fantastischer Schritt!
Youtube wird nun auch mehr von uns bedient: 1. Schritt: Auf der Tageblatt-Fanpage laufen nit mehr unsere Portalvideos ein, sondern die aus Youtube. Denn Brightcove hat immer noch keine ordentliche play-in-Facebook-Funktion. Außerdem werden wir die Videos mit Youtube-Elementen versehen. Was wir genau machen, das wissen wir noch nit. Wir verlinken zumindest das Logo um den Kanal abonnieren zu können. Und weisen am Ende des Videos auf andere Produktionen hin.

* Die wäre auch relativ schnell abgehandelt: Ohne Rants und Transparenz funktioniert nix so wirklich im Netz.

Spricht ein Kulturjournalist über Online

Spricht ein Kulturjournalist über Online

Dass ein Vortrag über Journalismus im Allgemeinen crossmediale Inhalte ausspart, ist selten. Ein Vortrag über Online-Journalismus muss dieses Thema sogar zwingend behandeln: Denn nur im Netz kann Video und Text ohne größeren Aufwand veröffentlicht werden. Ein Online-Journalismus-Vortrag im Literarischen Zentrum in Göttingen hingegen ist: anders.
Spricht ein Kulturjournalist im Literarischen Zentrum über seine Arbeit... Das ist kein Beginn eines Schenkelklopfers, vielmehr eine eher unorthodoxe Herangehensweise an diesen neueren Berufszweig der Journalisten. Fridtjof Küchemann ist Kulturjournalist mit blauer Brille.
Und um es vorwegzunehmen: Küchemann sprach nicht über die Möglichkeiten von Online-Journalismus. Datenjournalismus, crossmediales Arbeiten, das Verwischen der Grenzen zwischen den einst streng getrennten Hörfunk,- Fernseh,- und Printjournalisten. Das alles war nicht Thema des Abends. Küchemann sprach über FAZ.net und sich.
Er sagt, dass er eigentlich gar nicht damit gerechnet habe, bei FAZ.net arbeiten zu dürfen. Jeden Tag eine Bewerbung wegschicken, und als Belohnung: Top-Arbeitgeber anschreiben, von denen er sich niemals erhofft hätte, eingestellt zu werden. Einer davon, wie im Märchen, sollte sein späterer werden: FAZ.net.
Korrekturen ohne Hitlervergleiche
Ein paar Interessierte haben sich im Literarischen Zentrum in Göttingen eingefunden, um sich über den Beruf des Online-Journalisten zu informieren. Kai Sina stellte die Fragen. Wie beispielsweise: "Wie sieht das bei Ihnen mit Korrekturen aus? Was im Netz ist bleibt doch immer im Netz, oder?" Natürlich, klärt Küchemann auf, natürlich würden Fehler korrigiert und das auf transparente Art, mit Hinweisen, dass man etwas am Text verändert hat. Man hätte ja gelernt, von einem skandalisierten Interview, bei dem die Redaktion einen unbedeuteten Nebensatz gestrichen hatte. Dass es sich dabei um einen hanebüchenen Hitler-Vergleich handelte, erwähnte Küchemann allerdings nicht.
Die besseren Print-Kollegen
Dafür erklärte er, wie in einer Online-Redaktion Texte entstehen - und zwar organisch: Unter Zeitdruck würde der Text über den Tag verteilt immer mehr wachsen und besser werden - bis er dann abends durch den noch besseren Text der Print-Kollegen ausgetauscht wird. Denn die hätten in so einem großen Haus, einen riesigen Expertisenapparat zur Hand. Willkommen in der Welt des Online-Journalismus. Wie man denn in ein so großes Haus direkt nach dem Studium kommen könne, will eine Studentin wissen. Durch Bewerbungen? Vitamin B? Zufall? Man könnte Küchemanns Antwort folgendermaßen zusammenfassen: Ja. Alle Vorgehensweisen seien irgendwie richtig, sagt er, irgendwie. Und wünscht ihr Glück.
Altsprachler in die Politik
Um dem "berufsinformierenden Ziel" gerecht zu werden, das Sina zu Beginn des Gesprächs ausgerufen hat, erklärte der Onliner noch, dass er wenige Publizisten bei der FAZ kenne. Im Feuilleton arbeiteten viele Historiker, Altsprachler hingegen im Politikressort. Die würden sie nämlich nicht ins Feuilleton lassen. Natürlich nur ein Scherz. Was man studiere, das sei fast schon egal.
Mehr Berufsinformationen gab es dann fast nicht mehr. Abitur, abgeschlossenes Studium, Volontariat, zählt er noch als wichtige Voraussetzungen auf. Freiberuflichkeit? Kein Wort. Journalistenschulen? Auch die erwähnte er nicht. Größtenteils sprach er über sich. Dass er jetzt das neue Redaktionssystem bei der FAZ planen dürfe, als freigestellter Redakteur, oder dass er natürlich immer noch gerne Papierzeitungen lesen würde. Interessant, vielleicht. Als Infos für angehende Berufseinsteiger allerdings weniger sinnvoll.
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