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#science fiction
Hier findet ihr alles, was ich zu diesem Thema verschlagwortet habe.
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watch https://youtube.com/watch?v=3_9vCamtuPY&is=WJuugO-3oVvI_c2RClassic Trek mit ein paar moralischen Rissen
Mit „300th Night“ biegt Starfleet Academy auf die Zielgerade seiner ersten Staffel ein. Es ist eine dieser klassischen vorletzten Folgen, in denen sich plötzlich viele Fäden zusammenziehen und man merkt, wie vieles aus den vorherigen Episoden auf einmal zusammenpasst.
Interessant ist dabei vor allem, wie sehr die Episode auf vertraute Star-Trek-Motive setzt. Caleb stiehlt ein Shuttle, ein Captain missachtet indirekt Befehle, eine kleine Crew fliegt hinterher und am Ende hängt alles an einem einzigen Schiff. Das sind Tropen, die so alt sind wie das Franchise selbst. Und doch wirkt es hier nicht wie bloße Nostalgie: Kirsten Beyers Drehbuch versucht gar nicht erst, diese Muster zu verstecken, die Figuren wissen selbst ziemlich genau, was hier gerade passiert. Dadurch erspart sich die Episode viele der üblichen Diskussionen über Befehle, Disziplinarmaßnahmen und mögliche Kriegsgerichte, die ohnehin nie wirklich Konsequenzen haben.
Caleb zwischen zwei Familien
Im Zentrum steht dabei weiterhin Caleb Mir. Sein gesamter Charakter wird seit Beginn der Staffel von der Suche nach seiner Mutter bestimmt, mal mehr, mal weniger im Fokus der Drehbücher. Er ordnet anscheinend immer noch alles diesem Ziel unter. Beziehungen, Freundschaften, sogar seine eigene Zukunft in der Sternenflotte.
Das ist auch der Grund, warum seine Reaktion beim klingonischen Ritual von Jay-Den für mich zunächst etwas irritierend wirkte. Eigentlich ist Caleb im Laufe der Staffel gewachsen. Die Dynamik mit Jay-Den fühlt sich längst wie eine Art Brüderverhältnis an. Umso seltsamer wirkt es, dass er ausgerechnet in diesem Moment wieder in dieses alte Muster zurückfällt und sich entzieht.
Man spürt ziemlich deutlich, dass diese Szene dramaturgisch vorbereitet, was später mit seiner Mutter passiert. Genau dadurch wirkt sie etwas konstruiert. Caleb ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon weiter. Trotzdem zwingt ihn das Trauma seiner Kindheit und Kirsten Beyer zurück in diese alte Rolle.
Gerade darin liegt aber auch die Stärke der Episode. Caleb ist sich seiner eigenen Haltung nicht einmal vollständig sicher. Er weiß, dass er inzwischen eine neue Familie gefunden hat. Gleichzeitig zwingt er sich selbst dazu, seine Mutter über alles andere zu stellen. Als wäre er ihr das schuldig.
Eine Begegnung mit Emotion
Das Wiedersehen zwischen Caleb und seiner Mutter funktioniert genau deshalb so gut, weil die Serie hier Raum für Emotion lässt.
Nach sechzehn Jahren stehen sich zwei Menschen gegenüber, die beide nicht mehr dieselben sind. Man merkt Caleb an, wie sehr er diesen Moment idealisiert hat. Und man merkt Anisha sofort an, dass sie längst gelernt hat, in einer Welt zu überleben, in der Vertrauen ein Luxus ist.
Die Szene lebt weniger von großen Dialogen als von kleinen Momenten. Von der Mischung aus Erleichterung, Skepsis und der vorsichtigen Erkenntnis, dass da immer noch eine Verbindung existiert. Diese emotionale Ebene gehört zu den Momenten, in denen Starfleet Academy zeigt, dass die Serie ihre Figuren wirklich versteht.
Ein Universum voller Tropen
Parallel dazu arbeitet die Folge bewusst mit klassischen Star-Trek-Versatzstücken.
Der Shuttle-Diebstahl gehört quasi zum Pflichtprogramm des Franchise. Dass Sam, Genesis und der unglückliche Darem noch mit hineinstolpern, ist offensichtlich konstruiert. Gleichzeitig ist die Szene so charmant inszeniert, dass man ihr das gerne verzeiht. Die Dynamik zwischen den Figuren funktioniert einfach.
Auch der Planet Ukeck hat für mich genau das richtige Gefühl erzeugt. Eine schmutzige, halb gesetzlose Welt am Rand des Föderationsraums, voller bekannter und unbekannter Spezies. Obwohl vieles vor der AR-Wall entstanden ist, wirkt der Ort erstaunlich glaubwürdig. Genau so sehen diese grauen Zonen des Star-Trek-Universums in meiner Vorstellung aus.
Und dann ist da natürlich die Athena.
Dass Ake den Kadetten hinterherfliegt, gehört zu den Momenten, in denen die Serie auf Tradition setzt. Es ist diese Art von Entscheidung, die man früher bei anderen Starfleet-Captains im Kino der im Fernsehen gesehen hat. Der Unterschied liegt diesmal darin, dass kein „Badmiral“ auftaucht, um künstlich Konflikt zu erzeugen. Admiral Vance weiß genau, was Ake tun wird. Und er lässt es geschehen.
Die moralische Schieflage der Föderation
Das eigentliche Problem der Folge ist jedoch eine ganz andere Enthüllung.
Die Föderation hat am Omega-Molekül geforscht.
Wer sich an Star Trek: Voyager erinnert, weiß, was das bedeutet. Omega ist kein gewöhnliches Partikel. Seine Zerstörung kann den Subraum dauerhaft beschädigen und Warp-Reisen unmöglich machen. In der Logik des Star-Trek-Universums gehört es zu den gefährlichsten Phänomenen überhaupt.
Dass die Föderation nicht nur daran forscht, sondern offenbar sogar eine verbesserte Variante namens Omega-47 (ha! 47!) entwickelt hat, wirft unangenehme Fragen auf. Natürlich kann man argumentieren, dass wissenschaftliche Forschung auch bei gefährlichen Themen notwendig ist. Trotzdem wirkt es moralisch zweifelhaft, wenn ausgerechnet die Organisation, die sich selbst als moralisches Zentrum der Galaxis versteht, mit einer potenziellen Massenvernichtungswaffe experimentiert.
Und wenn ich versuche, es positiv zu beschreiben: Die Föderation ist nicht mehr die makellose Utopie früherer Jahrzehnte. Sie ist eine politische Struktur mit eigenen Widersprüchen und moralischen Grauzonen.
„300th Night“ streift dieses Thema nur am Rande. Aber allein die Tatsache, dass Omega-47 existiert, verschiebt das moralische Fundament der Welt ein Stück weit. Die Föderation wirkt dadurch weniger wie ein idealistisches Projekt und mehr wie eine Zivilisation, die in einem gefährlichen Universum versucht mitzuhalten.
Das kann spannend sein. Aber es fühlt sich so an, als ob es an einem der Grundpfeiler von Star Trek kratzt.
Problematisch wird es erst im letzten Teil der Episode.
Der Plan der Venari Ral ist als Idee zunächst interessant: Die Föderation wird isoliert, abgeschnitten vom Rest der Galaxis. Ein Konflikt, der die Serie in eine völlig neue Situation bringen könnte.
Leider wird diese Idee so extrem umgesetzt, dass sie schwer ernst zu nehmen ist. Omega-Minen, die ganze Sternensysteme beeinflussen und den Föderationsraum praktisch einkesseln, bewegen sich bereits sehr nah an der Grenze zwischen Science-Fiction und Fantasy.
Hier erinnert die Episode ein wenig an frühere Momente aus Discovery, in denen große Metaphern irgendwann zu technobabbeligen Spektakeln wurden. Wenn ein Konzept so gewaltig wird, dass es kaum noch plausibel erscheint, verliert es bei mi9r gleichzeitig auch erzählerisch an Spannung. Sag ich mal so.
Gerade deshalb wirkt der Cliffhanger am Ende zwar spektakulär, aber auch etwas überdreht.
Ein Gefühl von echtem Star Trek
Trotz dieser Schwächen hat „300th Night“ bei mir erstaunlich gut funktioniert.
Vielleicht gerade deshalb, weil die Episode so viele klassische Elemente des Franchise aufgreift. Die Figuren handeln wie Star-Trek-Figuren. Sie treffen Entscheidungen aus Loyalität, aus Freundschaft und aus einem gewissen Idealismus heraus.
Und zwischendurch gibt es immer wieder diese kleinen Momente, in denen die Serie einfach Spaß macht. Humor, Emotion, ein bisschen Pathos. All das gehört zu diesem Universum dazu.
Am Ende bleibt deshalb vor allem ein Gefühl zurück: Dieses warme, vertraute Gefühl, das man bekommt, wenn eine Star-Trek-Episode ihre Figuren versucht ernst zu nehmen und ihnen Raum gibt, miteinander zu wachsen. Genau das macht „300th Night“ über weite Strecken richtig.
Die Folge bringt viele Handlungsstränge zusammen, steigert die Spannung für das Finale und erinnert gleichzeitig daran, warum dieses Universum seit Jahrzehnten funktioniert.
Oder anders gesagt: eine klassische vorletzte Folge, die Lust auf das Staffelfinale macht.
Love Letter mit Stolpern: „Series Acclimation Mil“ im Review
Ich tue mich noch ein bisschen schwer damit, die fünfte Folge von Starfleet Academy "Series Acclimation Mil" sauber einzuordnen. Nicht, weil sie nichts zu sagen hätte, sondern weil sie sehr viel gleichzeitig will. Und ich einfach nur Spaß hatte, obwohl sich die Folge objektiv betrachtet manchmal doch sehr im Ton verirrt.
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Dass Avery Brooks während der Produktion kontaktiert wurde, ist für mich mehr als nur Trivia. Denn der Sisko-Darsteller hat seit Jahren der Schauspielerei entsagt und meinte in irgendeinem Interview einmal, dass er die Rolle für den Paycheck angenommen hat. Vollkommen fine by me. Denn DS9 war für mich die Serie, die aus Figuren echte Individuen gemacht hat. Die Freundschaft von O’Brien und Bashir, die Entwicklumg von Odo, das Verhältnis von Sisko und Jake. Da durfte sich etwas entwickeln. Beziehungen, Zweifel, Ideale. Es ging nicht nur um Weltraumprobleme, sondern um innere Konflikte. Und die Mischung hat damals für mich perfekt funktioniert.
Ich hatte mir von meinem Zivigeld die überteuerten DVD Boxen gekauft. Ich habe mich durch das englische Original gekämpft und dabei ganz nebenbei mein Schulenglisch aufpoliert. DS9 war für mich eine prägende Erfahrung. Deshalb war ich natürlich komplett gehypt, als es hieß, Folge 5 von Starfleet Academy sei ein Love Letter an genau diese Serie.
Geschrieben wurde sie unter anderem von Tawny Newsome, die wir aus Star Trek: Lower Decks als Mariner kennen und hier als Illa auftaucht. Eine eingefleischte Trekie und DS9-Fanin. Und von Kirsten Beyer, die früher die Voyager Romane geschrieben hat und seit Jahren eng mit dem Franchise verbunden ist. Also wirklich. Da kann dich kaum was sxhief gehen.
Die Haupthandlung rund um Sam ist dabei nicht nur ernst und philosophisch, sondern vor allem witzig und schnell. Sam ist tollpatschig, naiv, ehrlich und loyal. Sie trägt als Abgesandte den Druck einer ganzen Welt auf ihren Schultern, bleibt aber ihren Freunden gegenüber immer gut gelaunt. Gerade diese Mischung macht sie so sympathisch. Kerrice Brooks liefert hier als photonische Kasqianerin richtig ab. Übrigens auch so wie Mary Wiseman als Ensign Tilly bei Discovery. Beides Charaktere, die so angelegt sind, dass sie Comic-Relief-haft einfach nerven könnten, es aber dann durch die gute Charakterarbeit nicht tun. Chapeau!
Und dann bricht Sam gleich am Anfang die vierte Wand. Sie spricht direkt mit uns als Publikum. Das ist ein riskanter Kniff, aber hier fühlt es sich nicht wie ein billiger Trick an, sondern wie ein bewusstes Spiel mit Erzählformen. In der letzten Szene kann man es sogar so lesen, dass sie die ganze Zeit mit Benjamin Sisko spricht in einer Art innerem Dialog, oder sogar Gebet. Ein leises Augenzwinkern in Richtung DS9, denn nur Benjamin Sisko hat meines Wissens in Star Trek jemals die vierte Wand durchbrochen.
Dazu kommen visuelle Effekte, die fast wie Comic Panels wirken. Gedanken werden grafisch eingeblendet, Emotionen bekommen ein Bild. Das passt überraschend gut zur etwas überdrehten Energie der Episode und gibt ihr einen eigenen Stil, ohne sich komplett vom klassischen Star Trek Look zu verabschieden. Ich weiß, dass sich das widerspricht, aber es hat bei mir richtig gut funktioniert.
Inhaltlich stellt die Folge eine uralte Star Trek Frage. Denn Sisko und Sam verbindet eine Sache: Sie sind beide Abgesandte. Wie lebenswert ist ein Leben, wenn alles deterministisch vorherbestimmt scheint. Ist Sicherheit das höchste Gut oder braucht es Freiheit, selbst wenn sie weh tut. Das sind genau die moralischen Fragen, die mich immer kriegen. Und hier werden sie über Sams persönlichen Konflikt erzählt. Zwischen Pflicht und Gefühl. Zwischen Erwartung und eigener Entscheidung. Dabei fühlt sich ihre Lösung am Ende verdient und gut vom Drehbuch vorbereitet an.
Leider gibt es auch die B-Handlung rund um das diplomatische Treffen mit dem War College. Die ist deutlich alberner. Ich verstehe, dass sie als Kontrast gedacht ist, aber für mich hat der Humor dort nicht gezündet und auch generell hat das Gefühl gefehlt, wohin die Autorinnen überhaupt wollten. Da haben die Dialoge in vergangenen Folgen besser funktioniert und on point die Charakter-Arcs vorangebracht. Das erinnert tatsächlich an manche Folgen aus den Neunzigern, in denen Star Trek auch mal mit Humor gerungen hat. Hat eher selten funktioniert.
Auch die Barszene war nicht ganz meins. Kerrice Brooks darf zeigen, dass sie betrunken spielen kann. Kann sie. Keine Frage. Aber nach der letzten Episode mit einer betrunkenen Ake wirkte das für mich etwas wiederholt. Und die Prügelei war dann eher so mäh.
Trotzdem überwiegt bei mir das Positive. Cirroc Lofton wieder auf einem Star-Trek-Set zu sehen, war ein echter Fanmoment. Und dass ein Klingone im Rock ganz selbstverständlich mit einem War College Typen anbandelt, wird nicht kommentiert, sondern einfach gezeigt. Genau so muss Star Trek Diversität erzählen. Als etwas Normales. Und ja, ich gebe zu, es freut mich diebisch, dass das bestimmte Männer zuverlässig triggert.
Unterm Strich ist diese Episode nicht makellos. Aber sie hat Herz. Sie spielt mit Erzählformen. Sie stellt große Fragen und bleibt dabei nah an ihren Figuren. Und sie trifft bei mir einen sehr persönlichen Nerv. Objektiv nicht perfekt. Aber mit Herz.
Foto: Paramount+
