Geismar am 2. März 2026
Ich mag die AR-Wall einfach nicht. Auch wenn man da Pavillons reinstellt, Sand reinkippt und sich wirklich Mühe beim Set-Design gibt, ich bin da irgendwie raus. Und wenn dann auch noch wie in dieser Folge „Ko'Zeine“ von Starfleet Academy gähnend langweilige und uninspirierte Dialoge in so einem Set geführt werden, dann bin ich komplett raus.
Wir erinnern uns: Darem hat irgendwie strenge Eltern, kotzt Glitzer, gehört einer neuen Fischspezies an, und alles, was diesmal zum Worldbuilding eingefallen ist, ist ein saulangweiliges Hochzeits-Setting, in dem ich sämtliche genuine Ideen vermisst habe. Warum haben die Eltern keine Sprechrolle? Wir wissen doch, dass sie mal ein Konzert verlassen haben, als Darem sich verspielt hat. Hier dürfen sie nur nicken. Warum wirkt Jay-Den zuerst wie ein Schluffi, der mühsam von der Handlung mitgezogen wird, um dann doch eine perfekte Rede zu halten? Warum wirken die Rituale alle so irdisch? Und warum sieht das Ganze aus wie Vulkan mit Stranddeko? Und überhaupt: Warum laufen da alle rum wie Menschen? Das sollen doch Fische sein. Die Dialoge zwischen Darem und seiner Frau waren mir egal. Jay-Den irgendwie auch. Das hat für mich überhaupt nicht funktioniert.
Genauso wenig wie die zweite Handlung. Oder die erste? Man weiß es nicht. Die spielt auf der Athena. Die Kadettinnen und Kadetten bekommen frei, ein Monat ist seit der letzten Folge vergangen. Caleb hat immer noch keinen Kontakt zu Tarima. Also führt die Folge natürlich dahin, dass er wächst, sich weiterentwickelt und ihr am Ende einen perfekten Brief schreibt und sich meldet. Wobei ich seine erste Version herrlich schräg, unbeholfen und ein bisschen witzig fand. Immerhin. Und wir erfahren, dass Genesis auch einen Background hat.
Caleb und Genesis vertreiben sich irgendwie die Zeit, alles fühlt sich sehr teeny an. Wir sehen die Sammlung des Doktors mit Warp-Schnecken und lernen nebenbei, dass Phaser jetzt Betäuben, Töten und Einfrieren können.
Und während sich die Zeit beim Zuschauen schon ziemlich gedehnt hat und ich mir gedanklich bereits diesen Text hier zurechtgelegt habe, fragte ich mich: Warum? Klar, die letzten Folgen haben mir richtig gut gefallen. Irgendwann ist so ein Run vorbei. Aber warum entscheidet man sich ausgerechnet an diesem Punkt der Staffel für so eine uninspirierte Filler-Episode? Es gäbe ja Möglichkeiten, bewusst Tempo rauszunehmen und mit der Lupe auf die Figuren zu schauen: Wie geht es ihnen nach Nustopher und B'Avi? Was hat das mit ihnen gemacht? Wie gehen sie damit um? Vielleicht hat man das ja hier sogar versucht. Aber funktioniert hat's für mich leider gar nicht.
Für mich gab es hier kaum echte Charakterentwicklung. Genesis hat auch Macken, Caleb kann jetzt Briefe schreiben, Jay-Den kann vor Leuten reden, und Darem ist weiterhin einfach Darem in der Academy. Und dabei wussten wir bis zu dieser Folge nicht einmal, dass er sie vielleicht verlassen muss. Das wirkt alles seltsam nachgeschoben.
Umso ärgerlicher, weil die ersten Folgen so schön gezeigt haben, dass die Autorinnen und Autoren eigentlich wissen, wie man mit diesen Figuren umgeht. Das Konzept, ein Jahr Academy erleben, Beziehungen wachsen sehen, Dynamiken beobachten und das folgenübergreifend erzählt, hat ja bisher super getragen. Der Progress hat gestimmt, die Character-Arcs auch. Und dann so was.
Mir fehlt gerade die Fantasie und ehrlich gesagt auch die Energie mir zu überlegen, ob diese Folge in den verbleibenden Episoden noch irgendeinen Impact haben wird.
Ein Lichtblick war Reno, die sich den Zeh gebrochen hat und herrlich monologisiert. Dafür gibt’s dann doch noch einen Stern.
Foto: Brooke Palmer/Paramount+
Ich bewerte "Starfleet Academy, S01E07: Ko'Zeine" mit:
Ich wüsste nicht, wann Star Trek zuletzt so selbstkritisch mit seinem eigenen Konzept umgegangen ist. Und das ausgerechnet in einer Actionfolge, die bei mir so gut funktioniert hat, dass ich sie einfach als Zuschauer erlebt habe und nicht als jemand, der danach noch schnell einen Blog-Beitrag darüber schreiben will. Ich spreche von Folge 6 „Come, Let's Away“ von Starfleet Academy.
Tom von TrekCulture ist daran auch ein bisschen schuld, weil ich vorher sein Video über die visuelle Entwicklung von Star Trek gesehen habe. Dadurch haben die kammerspielartigen Szenen mit Nalah Ake und Nustopher Braka in Akes Büro bei mir richtig gezündet. Ein Kammerspiel, das auch als solches inszeniert wurde. Vertrauen in Dialoge statt hektischer Schnitte, wilder Perspektivwechsel oder Zoom-Overkill. Die Macherinnen und Macher haben darauf vertraut, dass die Gespräche tragen. Und das tun sie defintiv.
Wir bekommen zunächst den psychologischen Schlagabtausch zwischen Braka und Ake, inklusive der Angriffe auf Ake, die offenbar ihr eigenes Kind opfern musste. Dann dreht sich das Ganze. Ake kontert, entlarvt Nustopher und zerlegt seine Narrative. Und trotzdem bleibt dieses Gefühl, dass da noch etwas kommt.
Und dann die Holonachricht am Ende. Der Bösewicht, der gewonnen hat. Und plötzlich stellt er die zentrale Frage. Wie hoch sind die Ideale der Föderation wirklich, wenn Lebensentwürfe wie seiner als „Low Lifes“ abgestempelt werden? Wie tolerant ist man wirklich?
Er sagt, dass er sie hasst und gleichzeitig dankbar ist für ihren Einfluss auf sein Leben. Und in diesem Moment schwingt auf einmal alles mit, was die Staffel bisher aufgebaut hat. Die zögernden Betazoiden als wiederaufgenommene Mitglieder. Der klingonische Kadett, der den anderen Nachhilfe in interkultureller Kompetenz geben musste. Die Föderation, die sich selbst als moralischen Maßstab begreift, aber nicht immer merkt, wenn sie anderen ihre Werte überstülpt. Selbst die scheinbar simplen Hilfsaktionen wie Dilithiumlieferungen bekommen plötzlich einen Beigeschmack. Hilfe, die bestehende Machtstrukturen destabilisiert, ohne sie wirklich zu verstehen.
Parallel dazu gibt es noch das Miyazaki-Comic, dessen großer Fan ausgerechnet der Vulkanier B’avi ist. Caleb bezeichnet die Reihe als Feelgood-Propaganda, die Kolonialismus, Föderation und Starfleet in ein gutes Licht rückt. Eine Star-Trek-Serie innerhalb von Star Trek. Und die Uniformen im Comic! Ich liebe sowas. Meta geht bei mir immer.
Und genau das ist ja auch ein Vorwurf, den man Star Trek immer mal wieder gemacht hat. Dieses leicht missionarische „Wagon Train to the Stars“-Gefühl, das schon der große Gene Roddenberry selbst beschrieben hat. Die Idee, dass die Ideale der empathischen, toleranten Föderation universell richtig sind, egal für welche Spezies oder Kultur. Die Klingonen haben diese Angst in der Staffel gespiegelt. Die Angst vor kultureller Assimilation.
Man kann das als zeitlosen Konflikt lesen. Moralischer Universalismus gegen kulturelle Selbstbestimmung. Zwischen „Wir meinen es gut“ und „Ihr hört uns nicht zu“.
Ich weiß nicht, ob B’avi, der Spock zitiert, genau darauf abzielt. Das Wohl vieler wiegt schwerer als das Wohl weniger. Klar, das ist ein vulkanisches Prinzip. Aber es ist eben auch der utilitaristische Kern, der Star Trek immer wieder heimsucht. Und ganz ehrlich: Viele Fans sprechen das einfach nach, unreflektiert. Aber das wollen wir nicht. Wir wollen kein reines Nutzenkalkül, wir wollen Kant. Würde, die nicht verrechnet wird.
Und genau das macht die Folge so stark. Sie bringt Utilitarismus gegen Deontologie nicht als Seminar, sondern als Drama. Nicht als Theorie, sondern als Charakterkonflikt. Und plötzlich fühlt sich Starfleet Academy stellenweise mehr nach Deep Space Nine an als nach Planet-of-the-Week.
Ich finde es großartig, dass diese Folge gleichzeitig ein moralischer Kommentar und ein Meta-Moralkommentar ist. Und dass dieses Kammerspiel von so starken Schauspielerinnen und Schauspielern getragen wird. Da sitzt alles. Und Paul Giamatti als Bösewicht … Wow! Einfach nur großartig, passt für mich perfekt.
Aber auch die Actionsequenzen auf der Miyazaki haben für mich funktioniert. Ich liebe es, wenn Autorinnen und Autoren bereit sind, Dinge zu riskieren, um zu zeigen, dass wirklich etwas auf dem Spiel steht. Und ich mag es gleichzeitig überhaupt nicht, weil es dann weh tut, wenn es eskaliert.
Ja, man konnte sehen, dass für die Miyazaki teilweise das Enterprise-Brückenset herhalten musste. Aber ganz ehrlich. Immer noch besser als sterile LED-Wand-Ästhetik. Das hier hatte Raum und Textur. Ich war drin und nicht wieder draußen, wie es bei den LED-Stages leider oft passiert.
Und dann noch ein Detail, das ich erst hinterher richtig gemerkt habe. Die Lösung entsteht im Team. Nicht durch einen Genius-Move einer Einzelperson, sondern durch gemeinsames Denken. Klassische Trek-DNA. Und ich habe erst in dem Moment gemerkt, wie sehr ich genau das vermisst habe.
5 von 5 Sternen. Schon wieder.
Foto: Paramount+
Ich bewerte "Starfleet Academy, S01E06: Come, Let's Away" mit:
Ich habe jetzt die erste Version meiner Slash-Seiten online gebracht. Definitiv noch unvollständig und teilweise noch nicht aktualisiert. Aber der Anfang ist zumindest gemacht. Mehr zum Hintergrund gibt es auf slashpages.net:
Slash pages are common pages you can add to your website, usually with a standard, root-level slug like /now, /about, or /uses. They tend to describe the individual behind the site and are distinguishing characteristics of the IndieWeb.
The name was coined independently by both Caleb Hearth and Shellsharks. This page was made by Robb Knight.
Das darf man ja niemanden erzählen, aber ich habe hier im Blog vergessen, RSS einzubauen. Vergangenheits-Flo hat da zwar schon was in die Header geschrieben, aber die Funktionen haben komplett gefehlt. Danke sehr.
Jetzt gibt es einen Feed mit allen Inhalten (inklusive der Stories) und einen mit den Startseiten-Inhalten. Ich empfehle den letzteren. Vor allem, weil ich die Stories in der RSS-Ansicht noch aufhübschen muss. Hoffe aber, dass der Rest funktioniert.
Ich tue mich noch ein bisschen schwer damit, die fünfte Folge von Starfleet Academy "Series Acclimation Mil" sauber einzuordnen. Nicht, weil sie nichts zu sagen hätte, sondern weil sie sehr viel gleichzeitig will. Und ich einfach nur Spaß hatte, obwohl sich die Folge objektiv betrachtet manchmal doch sehr im Ton verirrt.
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Dass Avery Brooks während der Produktion kontaktiert wurde, ist für mich mehr als nur Trivia. Denn der Sisko-Darsteller hat seit Jahren der Schauspielerei entsagt und meinte in irgendeinem Interview einmal, dass er die Rolle für den Paycheck angenommen hat. Vollkommen fine by me. Denn DS9 war für mich die Serie, die aus Figuren echte Individuen gemacht hat. Die Freundschaft von O’Brien und Bashir, die Entwicklumg von Odo, das Verhältnis von Sisko und Jake. Da durfte sich etwas entwickeln. Beziehungen, Zweifel, Ideale. Es ging nicht nur um Weltraumprobleme, sondern um innere Konflikte. Und die Mischung hat damals für mich perfekt funktioniert.
Ich hatte mir von meinem Zivigeld die überteuerten DVD Boxen gekauft. Ich habe mich durch das englische Original gekämpft und dabei ganz nebenbei mein Schulenglisch aufpoliert. DS9 war für mich eine prägende Erfahrung. Deshalb war ich natürlich komplett gehypt, als es hieß, Folge 5 von Starfleet Academy sei ein Love Letter an genau diese Serie.
Geschrieben wurde sie unter anderem von Tawny Newsome, die wir aus Star Trek: Lower Decks als Mariner kennen und hier als Illa auftaucht. Eine eingefleischte Trekie und DS9-Fanin. Und von Kirsten Beyer, die früher die Voyager Romane geschrieben hat und seit Jahren eng mit dem Franchise verbunden ist. Also wirklich. Da kann dich kaum was sxhief gehen.
Die Haupthandlung rund um Sam ist dabei nicht nur ernst und philosophisch, sondern vor allem witzig und schnell. Sam ist tollpatschig, naiv, ehrlich und loyal. Sie trägt als Abgesandte den Druck einer ganzen Welt auf ihren Schultern, bleibt aber ihren Freunden gegenüber immer gut gelaunt. Gerade diese Mischung macht sie so sympathisch. Kerrice Brooks liefert hier als photonische Kasqianerin richtig ab. Übrigens auch so wie Mary Wiseman als Ensign Tilly bei Discovery. Beides Charaktere, die so angelegt sind, dass sie Comic-Relief-haft einfach nerven könnten, es aber dann durch die gute Charakterarbeit nicht tun. Chapeau!
Und dann bricht Sam gleich am Anfang die vierte Wand. Sie spricht direkt mit uns als Publikum. Das ist ein riskanter Kniff, aber hier fühlt es sich nicht wie ein billiger Trick an, sondern wie ein bewusstes Spiel mit Erzählformen. In der letzten Szene kann man es sogar so lesen, dass sie die ganze Zeit mit Benjamin Sisko spricht in einer Art innerem Dialog, oder sogar Gebet. Ein leises Augenzwinkern in Richtung DS9, denn nur Benjamin Sisko hat meines Wissens in Star Trek jemals die vierte Wand durchbrochen.
Dazu kommen visuelle Effekte, die fast wie Comic Panels wirken. Gedanken werden grafisch eingeblendet, Emotionen bekommen ein Bild. Das passt überraschend gut zur etwas überdrehten Energie der Episode und gibt ihr einen eigenen Stil, ohne sich komplett vom klassischen Star Trek Look zu verabschieden. Ich weiß, dass sich das widerspricht, aber es hat bei mir richtig gut funktioniert.
Inhaltlich stellt die Folge eine uralte Star Trek Frage. Denn Sisko und Sam verbindet eine Sache: Sie sind beide Abgesandte. Wie lebenswert ist ein Leben, wenn alles deterministisch vorherbestimmt scheint. Ist Sicherheit das höchste Gut oder braucht es Freiheit, selbst wenn sie weh tut. Das sind genau die moralischen Fragen, die mich immer kriegen. Und hier werden sie über Sams persönlichen Konflikt erzählt. Zwischen Pflicht und Gefühl. Zwischen Erwartung und eigener Entscheidung. Dabei fühlt sich ihre Lösung am Ende verdient und gut vom Drehbuch vorbereitet an.
Leider gibt es auch die B-Handlung rund um das diplomatische Treffen mit dem War College. Die ist deutlich alberner. Ich verstehe, dass sie als Kontrast gedacht ist, aber für mich hat der Humor dort nicht gezündet und auch generell hat das Gefühl gefehlt, wohin die Autorinnen überhaupt wollten. Da haben die Dialoge in vergangenen Folgen besser funktioniert und on point die Charakter-Arcs vorangebracht. Das erinnert tatsächlich an manche Folgen aus den Neunzigern, in denen Star Trek auch mal mit Humor gerungen hat. Hat eher selten funktioniert.
Auch die Barszene war nicht ganz meins. Kerrice Brooks darf zeigen, dass sie betrunken spielen kann. Kann sie. Keine Frage. Aber nach der letzten Episode mit einer betrunkenen Ake wirkte das für mich etwas wiederholt. Und die Prügelei war dann eher so mäh.
Trotzdem überwiegt bei mir das Positive. Cirroc Lofton wieder auf einem Star-Trek-Set zu sehen, war ein echter Fanmoment. Und dass ein Klingone im Rock ganz selbstverständlich mit einem War College Typen anbandelt, wird nicht kommentiert, sondern einfach gezeigt. Genau so muss Star Trek Diversität erzählen. Als etwas Normales. Und ja, ich gebe zu, es freut mich diebisch, dass das bestimmte Männer zuverlässig triggert.
Unterm Strich ist diese Episode nicht makellos. Aber sie hat Herz. Sie spielt mit Erzählformen. Sie stellt große Fragen und bleibt dabei nah an ihren Figuren. Und sie trifft bei mir einen sehr persönlichen Nerv. Objektiv nicht perfekt. Aber mit Herz.
Foto: Paramount+
Ich bewerte "Starfleet Academy, S01E05: Series Acclimation Mil" mit:
Mit der vierten Starfleet-Academy-Folge „Vox in Excelsis“, lief nun die erste Episode, die nach Classic-Trek-Mechaniken funktioniert. Angefangen beim lateinischen Titel mit einem "Vox" im Tteil (das mögen die Autor*innen!), über den Debattierwettbewerb, in dem der Doktor Satie aus „The Drumhead“ falsch zitiert, bis hin zum philosophischen Pendel, das klar zwischen Utilitarismus und Deontologie hin und her schwingt. Und natürlich das Klingonen-Theme von Jerry Goldsmith aus „The Motion Picture“.
Es war fast so, als wäre diese Folge für mich geschrieben worden. Und genau das ist mein Problem damit. Denn dadurch wirkt es, als würden Tonalität und ästhetische Entwicklung der vorherigen Episoden schlicht übersprungen. Als hätte man sich entschieden, von jetzt auf gleich voll auf Classic-Trek zu gehen, ohne den erzählerischen Übergang mitzunehmen. Das finde ich ehrlich gesagt ziemlich schade für die, die vielleicht neu eingestiegen sind.
Kurz zur Handlung: Die Athena ist im All unterwegs und ein Debattierwettbewerb steht an. Jay-Den erfährt, dass seine Eltern bei einem Unfall möglicherweise ums Leben gekommen sind. Gleichzeitig erfahren wir, dass die klingonische Heimatwelt infolge des Burns zerstört wurde, über den ich hier wie auch schon in den vorherigen Folgenbesprechungen nicht weiter schreiben werde.
In der Diaspora haben sich die Klingonen noch stärker auf ihre Tradition als ehrenhafte Kriegergesellschaft zurückgezogen. Ein neues Zuhause können sie sich nur sichern, indem sie einen kurzen und verlustfreien Schaukampf gegen Starfleet bestehen, denn ein Planet, der ihnen geschenkt würde, käme einer Ehrverletzung gleich. Am Ende wird Jay-Den als Krieger geehrt und darf endlich seinen pikanten Krieger-Eintopf essen.
Diese Folge verlangt sehr viel Vorwissen, wenn die Serie tatsächlich für eine neue Zuschauerschaft geschrieben sein soll. Allein Begriffe wie Qo’noS, Kahless oder klingonische Häuser sind bereits eine ordentliche Einstiegshürde. Natürlich ist klar, dass Jay-Den anders ist als andere Klingonen. Das haben die Autorinnen und Autoren in den vorherigen Episoden gut über die Reaktionen der anderen Kadettinnen und Kadetten etabliert. Aber hier wird plötzlich die komplette Moore-Lore ausgepackt. Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht schnell überfordernd und damit im schlimmsten Fall auch langweilig wirkt.
Der dramaturgische Aufbau der Episode ist handwerklich einfach sehr gut. Die Rückblenden erfüllen hier tatsächlich eine narrative Funktion, statt nur illustrativ Figurentiefe nachzureichen.
Wir sehen zunächst den tragischen Tod von Jay-Dens Bruder, der bis in die Gegenwart hinein seine Beziehungen zu anderen Figuren prägt. Danach die Krieger- und Jagdtraditionen. Und schließlich den Vater-Twist: Bei der Jagd verfehlt der Vater bewusst den Vogel mit dem Bogen. Nicht aus Enttäuschung oder Wut darüber, dass Jay-Den sich der Jagd verweigert, wie Jay-Den und auch ich zunächst annehmen. Sondern als stilles Eingeständnis, dass Jay-Den seinen Kampf gewonnen hat und dass sein Vater den Weg seines Sohnes als Heiler und nicht als Krieger akzeptiert. Großartig.
Normalerweise funktionieren Rückblicke in Star Trek eher funktional. Es wird schnell etwas Backstory eingebaut, damit zukünftige Entscheidungen emotional besser untermauert sind. Das ist mir oft zu wenig. Starfleet Academy schafft hier mehr. Rückblenden, die Bedeutung erzeugen, statt sie nur zu behaupten.
Auch Jay-Dens Einordnung als besserwisserischer und für mich durchaus unsympathischer Know-it-all im Debattierwettbewerb fand ich erzählerisch stark. Ich finde es weiterhin etwas ungelenk, ihn plötzlich als Starfleet-Rechtsexperten zu inszenieren, der sich das angeblich alles im Gefängnis angeeignet hat. Aber die emotionale Motivation dahinter funktioniert. Diese Leere, das Fehlen von Tradition, und das Gespräch, in dem Jay-Den ihm genau das vorwirft, entwickeln die Figur weiter.
Alles in allem gebe ich der Folge deshalb die volle Punktzahl. Die Lösung lag zwar auf der Hand, war aber genau das, weshalb ich Star Trek früher so gern geschaut habe. Empathisch, lösungsorientiert, mit einer kleinen Prise Originalität. Die Folge fühlt sich an, als wäre sie für mich gemacht. Und genau deshalb bin ich gleichzeitig begeistert und ein wenig traurig.
Ich bewerte "Starfleet Academy, S01E03: Vox in Excelsis" mit: