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#Ausflüge

Ausflüge, kleine Trips und persönliche Unternehmungen jenseits längerer Reiseberichte.

Geburtstag, Gürtel, Gartenzwerge: Besuch im Ohrbergpark

Geburtstag, Gürtel, Gartenzwerge: Besuch im Ohrbergpark

Ich war über Ostern in der alten Heimat von Frau. Schwiegermama und ich hatten Geburtstag, ein logistischer Albtraum für die Bauchspeicheldrüse. Und meinem Gürtel hat das alles so gar nicht gefallen.

Um die drohende Textil-Katastrophe abzuwenden und mich mental und körperlich auf das fantastische Abendessen vorzubereiten, blieb nur die Flucht nach vorne: Bewegung.

Und während ich versuchte durch den Ohrbergpark zu flanieren, um das Food-Koma wegzulaufen, begann ich zu ahnen: Ich werde älter.

Blick auf eine grüne Landschaft mit einem Kühlturm und einem Fluss im Hintergrund, umgeben von Bäumen.
Im Ohrbergpark gibt's einen wunderbaren Blick ins Wesertal mit dem AKW Grohnde, stillgelegt 2023.

Das merkt man nicht an großen Dingen. Nicht daran, dass man plötzlich freiwillig um zehn ins Bett geht. Sondern daran, dass man sich selbst dabei erwischt, wie man innerlich das Wort ‚Rabauke‘ formt.

Zungenschnalzen für Fortgeschrittene

Frau und ich schlendern also durch diesen schönen Park, für die Rhododendren war es natürlich zu früh, als plötzlich zwei Menschen auf dem Rad an uns vorbeifuhren. Quer durch den Friedwald, auf dem ein eindeutige Piktogramm die Benutzung von Fahrrädern untersagt! Meine Hände hinter dem Rücken verschränkt schüttelte ich nur meinen Kopf und dachte: "Rabauken!"

Ich war schockiert. Über mich. Aber irgendwie auch stolz.

Früher hätte ich gedacht: „Lass die doch.“ Heute denke ich: „Das gehört sich aber nicht.“ Und während ich noch überlege, ob ich noch mit einem mehrfachen Zungenschnalzen die beiden Menschen auch akustisch ahnde, wird mir klar: Das ist es also. Das ist dieser schleichende Übergang, wenn man anfängt, Ordnung für eine Tugend zu halten und die ironische Schale darum immer weiter zerbröselt.

Steinerne Treppe, umgeben von Bäumen und Pflanzen, führt hinauf zu einem bewaldeten Bereich.
Steintreppe im Ruhewald, die zum großen Kreuz führt. Symbolfoto.

Übrigens, wen es Interessiert: Familien- oder Freundschaftsbäume gibt es im Friedwald ab 3.900 Euro sowie 99 Jahre Ruhezeit. Solange der Vorrat reicht.

Das Grauen hat eine Zipfelmütze

Wenn ich von Skandal spreche, meine ich aber nicht die Radfahrenden. Ich spreche vom Zwergenbaum. Für alle, die nicht im Bilde sind: Vor zehn Jahren stellte jemand einen harmlosen Gartenzwerg in eine Buche. Süß, sollte man meinen, oder? Ein bisschen märchenhaft. Aber im Innersten können wir Menschen es ja nicht einfach mal gut sein lassen. Wir müssen größer denken, weiter wachsen, expandieren. Und so steht inzwischen vor der Buche ein Heer für mittellose Gartenzwerge. Da hocken jetzt fünfzig dieser Kerle rum. Plastik, Ton, Stoff. Und jetzt kommt der Teil, bei dem ich merke, wie alt ich werde: Ich verstehe plötzlich die Leute, die sich darüber aufregen.

Eine Gruppe von Gartenzwergen steht um einen alten Baum im Wald.
06.04.2026Ohr
Der Zwergenbaum, eine tote Buche, bei der die Ausbreitung der kleinen Gartenhelferlein begonnnen hat. Manche nennen es Vermüllung, andere gar einen Umweltfrevel.

Der logische Zerfall

Die Lokalzeitung nannte es ernsthaft „Umweltfrevel“. Natürlich mit einem Fragezeichen am Ende. Trotzdem: Ein große Wort für die kleinen Kerlchen im Unterholz. Aber ich fange es an zu verstehen. Ein Wald hat ein Wald zu sein. Da haben Bäume zu stehen, Vögel zu zwitschern und die Natur hat gefälligst so auszusehen, wie wir sie uns vorstellen, damit auch eine Wald-Erholung einsetzen kann! Da kann man nicht einfach unangekündigt das Proletariat der Vorgärten ansiedeln.

Zwei Gartenzwerge stehen auf einem Baumstumpf, umgeben von Holzscheiten und einer kleinen Laterne.
06.04.2026Ohr
Kurz vor dem Zwergenbaum, wandelte sich auch das Theme im Ohrbergpark.

Der Blockwart in uns allen

In Wahrheit ist das natürlich herrlich bescheuert. Da beschwert sich jemand, wahrscheinlich mit akkurat gestutzter Hecke zu Hause, über den „Vandalismus“ kleiner Zipfelmützen. Und ich stehe daneben und merke, wie ich langsam in diesen Sog aus „Das gehört sich aber nicht“ gezogen werde. Mein neues Ich, der Mann, der „Rabauke“ denkt, muss natürlich den Kopf schütteln. Es ist eine wunderbare Übung in Ironie: Man regt sich über Dinge auf, die einem eigentlich völlig egal sind, nur um zu beweisen, dass man noch Anteil am gesellschaftlichen Regelwerk nimmt.

Ich bin dann weitergegangen, ohne einen Zwerg zu retten, anzuzeigen oder mit einem laminierten Zettel diese Umweltsauerei zu verdammen. Man hat ja Prinzipien. Außerdem war ich viel zu sehr damit beschäftigt, die Radfahrer im Auge zu behalten.

Prinzipien sind alles

Der Ohrbergpark ist nach wie vor eine Reise wert. Geht hin, genießt die Azaleen und die Aussicht ins Emmer- und Wesertal und schaut euch das Zwergen-Prekariat an, solange die Ordnungshüter es noch nicht geräumt haben. Ich für meinen Teil gehe jetzt nach Hause und schaue mal, ob mein Rasen auch die vorschriftsmäßige Länge hat. Nicht, dass hier noch jemand zum Rabauken wird.

Foto Vogelparkwiese

11.03.2026 Foto Vogelparkwiese, Göttingen 3
Heute am ehemaligen Tierpark von #goettingen vorbeigekommen. Mein Baujahr passt nicht mehr ganz dazu, dass ich den noch selbst erlebt habe. Aber von Leuten, die damals dort waren, hört man ziemlich einheitliche Erinnerungen: kein besonders schöner Ort. Toll, was jetzt daraus gemacht wurde.

Stonehenge, Nebra und dann Duhnen

Stonehenge, Nebra und dann Duhnen

Wir waren ein paar Tage in Cuxhaven. Viel schöne Heide, Waldschatten, offener Strand. Und richtig gute Fischbrötchen, wenn man weiß wo.

Ich liebe ja diese Vergleiche, die mit ganz großen Namen ankommen.

Die Steinkreise im englischen Stonehenge, der Sonnenwagen von Trondholm, die Himmelsscheibe von Nebra - berühmte und rätselhafte Zeugnisse der Zeit vor rund 4000 Jahren. Fast ebenso alt und von ebenso rätselhafter Funktion - der doppelte Ringwall von Duhnen.

Blick durch ein Rohr auf das Licht und die umgebende Natur.
Verwachsener Blick auf den berühmten Twellberg-Grabhügel von Duhnen.
Twellberg-Grabhügel in Sahlenburg, umgeben von Wiesen und Bäumen unter einem bewölkten Himmel.
Der Twellberg-Grabhügel: Über Flatterband an einen Zaun gequetscht, leicht auf die Zehenspitzen und schon hat man dieses Duhner-Glanzlicht vor der Linse

Großartig, wirklich! Man merkt richtig, wie die Agentur oder die Verwaltungsmenschen damals geglüht haben. “Rätsel der Ringe!” - wahrscheinlich mit drei Ausrufezeichen im Pitchdeck und noch mehr Hoffnung. Heute: rotes Flatterband, kurz über der Grasnarbe, eine Bank, die in die falsche Richtung zeigt und überall Gestrüpp, gesäumt von Pipi-Taschentüchern. Vielleicht ist das die wahre Rätsel-Funktion: ein Monument dafür, wie schnell Pathos zuwachsen kann. Ich hab dann das Fernrohr fotografiert.

Aber generell habe ich Cuxhaven schon sehr gemocht. Ich mag die Mischung: Schatten im Wald, plötzlich offenes Heidefeld, dann wieder offener Strand mit Wind im Gesicht.

Der Cuxliner fährt zwischen Sahlenburg und Duhnen, ideal für Touristen. Fahrt kostet 7 Euro.
Zwischen Sahlenburg und Duhnen fährt der kleine Cuxliner hin und her. Ist aber eher Touri-Angebot als ÖPNV-Ersatz, denn eine einfache Fahrt kostet 7 Euro für Erwachsene.
Heidelandschaft mit Gehölz und Pfad im Naturschutzgebiet Duhner Heide bei Cuxhaven.
Ich mag die Heide-Landschaft, auch wenn ich gar nicht weiß, ob es dafür nicht schon zu viel Gehölz auf dem Bild gibt. Auf jeden Fall war der Entdeckungspfad bei Duhnen wirklich ein schöner Weg. Den anschließenden Fisch bei Blauths in Sahlenburg hätte man aber weglassen können.
Watt bei Cuxhaven im Sonnenuntergang
Watt bei Cuxhaven.

Duhnen selbst hat eine klassische Promenade, die einen als Touri von einem "der wichtigsten Fremdenverkehrsorte Niedersachsens am Wattenmeer" (Wikipedia) zumindest nicht überrascht. Und von Cux selbst haben wir die klassischen Touri-Spots mitgenommen.

Die Alte Liebe in Cuxhaven, ehemaliger Pier und heutige Aussichtsplattform am Hafen.
Die "Alte Liebe in Cuxhaven": Früher Pier, heute Aussichtsplattform.
Ein Schlepper fährt durch die bewegte Nordsee vor Cuxhaven, umgeben von Wellen und Himmel.
Ein kleines Lüftchen umwehte schon unsere Nasen.
Schloss Ritzelbüttel in Cuxhaven umgeben von roten Blumen im Vordergrund.
Schloss Ritzelbüttel in Cuxhaven.
Ehemaliger Wasserturm in Cuxhaven, heute genutzt für Ferienwohnungen und ein Café.
Ehemaliger Wasserturm. Jetzt Fewos und Café.

Wer gute Fischbrötchen will, der ist in der Kleinen Fischkiste gut aufgehoben, richtig lecker (und gerne auch ohne Remoulade, der Fisch gibts her). Nur leider gab's einmal am frühen Nachmittag keinen heißen Fisch mehr, dafür haben die dann am nächsten Tag besonders gut geschmeckt.

Bankpausen

Bei unserem kleinen Trip habe ich leider die Fotos der Bankpausen stark vernachlässigt. Es gab definitiv mehr.

Entspannende Bankpause an der Strandpromenade mit Blick auf die Nordsee und Strandkörbe.
Bankpause an der Strandpromenade in Duhnen.
Entspannte Bankpause im Kurpark mit Blick auf den Teich und die umliegende Natur.
27.09.2025Döse, Cuxhaven
Bankpause im Kurpark vor dem kleinen Zoo in Cuxhaven.