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#Kultur & Gesellschaft

Kultur, Gesellschaft und essayistische Beobachtungen zu Gestaltung, Musik, Ehrenamt, Gemeinschaft und anderen kulturellen Phänomenen.

Vielen Dank: Besser Online 2011

19.02.2026

Vielen Dank: Besser Online 2011

Langweilig war der DJV-Fachkongress "Besser Online" nicht unbedingt. Die Referenten waren tolle Entertainer. Allein es fehlten aktuelle Thematiken. Und das ist schlimm genug.

Weitere Infos:
Betriebsausflug zu Besser Online

Wikileaks und Daniel Domscheit-Berg? Eigentlich wurde dazu schon alles gesagt. Mehrfach. Mit allen Meinungen, die man dazu vertreten kann. Social Media? Sowas von 2008! Geld verdienen im Netz? Soll möglich sein. Es gibt da nämlich die üblichen Verdächtigen. Das war "Besser Online". Im Jahr 2011.
Christian Jakubetz hat an zwei Podien teilgenommen. Und er sagt über den Kongress: "Ich glaube, ich habe keinen einzigen Satz gesagt, den ich nicht auch in irgendeiner Weise letztes Jahr gesagt habe und im Jahr davor." Da hat er Recht. Neues konnte man bei der thematischen Auswahl der Organisatoren auch gar nicht bringen. Da ist es wie mit Domscheit-Berg: Alles wurde dutzendfach rauf und runterdekliniert. Das schaffte eine gewisse Wärme, gerade unter den Referenten; man war sich halt einig. Leider brachte das keinen Mehrgewinn.

Transparenz im Journalismus

Glanzpunkte gab es zwar. Man musste sie sich nur suchen. Zum Beispiel dieser: Wie ist das denn eigentlich als Journalist, wenn man sich als private Person in Blogs oder auf Twitter Öffentlichkeit schafft? Richard Gutjahr wollte wissen, ob er nicht darüber schreiben dürfte, dass er ein Apple-Fanboy sei. Wirkt er dadurch unprofessioneller? Unglaubhafter? Angreifbarer?
Diese Social-Media-Schizophrenie war vor ein paar Monaten ein wichtiges Thema im Medien-Netz. Und eine der Konsequenzen bestand eben darin, dass sich einige ein zweites Profil zugelegt haben, auch Gutjahr. "Mich gibt's jetzt zweimal!" Die rein beruflichen Profile indes haben nur einen mauen Erfolg.
"Der Mensch ist unteilbar" hat Marcus Schwarze dazu auf dem Podium gesagt. Berufliches, Persönliches? Das verschmelze durch Social Media zu etwas Neuem. Und da braucht's eine andere Sicherheit.
Wie soll man denn darauf reagieren, wenn der Arbeitgeber sagt: "Hier, mit diesem privaten Tweet... mhm... das ist irgendwie... kannst du den löschen?" Da hilft's leider nur wenig, wenn man – ganz nach Credo von Zeit-Online oder Rhein-Zeitung – kein Idiot gewesen ist, noch einmal über den Tweet gelesen hat und für sich entschieden hat: Jep, das kann ich so bringen. Muss man die Social-Media-Richtlinien der Arbeitgeber etwa auch mit nach Hause nehmen? Das hat sich bei Niels Rasmussen vom NDR fast so angehört. Über die Frage, ob man als Mitarbeiter bei den ÖRis beispielsweise Endorsements aussprechen dürfe, hat jüngst Holger Klein philosophiert. Mit dem Ergebnis: Nope. Die Verantwortung sei zu groß.
Ob das tatsächlich so ist, oder ob vielmehr die Leser darüber bescheid wissen, dass private Meinungen zwar auf berufliche Einfluss haben können, sie aber nicht bestimmen, darüber muss einmal gesprochen werden. Unterfüttert durch Studien. Raum gab es bei "Besser Online" dafür zu wenig.

Online-Journalismus ist mehr als Tablet-Liebe und Social Media

Es gibt sie ja, diese spannenden Formate, die erst durch das Netz richtig ausgespielt werden können. Multimediales-Storytelling, Multimedia-Reportagen, Leseraktionen und natürlich – allerdings nicht mehr ganz so hip – Podcasts und Videos. Bei "Besser Online" nicht.
Stattdessen wurde die Liebe zu Tablets und Apps zelebriert. Dabei ist das thematisch genauso wie mit Social-Media: Die schwärmende Anfangszeit ist vorbei. Es müssten unlängst tragfähige Konzepte stehen; das iPad gibt es jetzt – großzügig gerechnet – seit beinahe zwei Jahren. Zudem gibt es Konkurrenz-Produkte auf dem Tablet-Markt, die Apple das Wasser reichen. Leider ist ein Problem des Online-Journalismus, immer wieder zu probieren. Das Internet als Spielwiese zu nutzen. Das war es vielleicht vor zehn Jahren noch okay. Inzwischen sollte das Netz dieses Attribut aber verloren haben.
Jetzt, wo Amazon auf den Cloud-Reader setzt und Apple nicht mehr durch Apps an ihren Büchern mitverdienen lässt, jetzt scheint sie anzulaufen, die große App-Offensive der Verlage – und die Sessions bei Kongressen. Und dabei gibt es ja noch nicht einmal "die App". Man entwickelt für Windows, iOS und Android. Ich kann mich täuschen, aber die Alternative namens Webapps ist auf "Besser Online" nicht gefallen: Eine geräteunabhängige Möglichkeit Content schick auf mobilen Endgeräten anzeigen zu lassen. Schade.

Datenjournalismus

Dafür gab es eine recht gelungene Session über Datenjournalismus. Das gebashe zwischen Christina Elmer und Lorenz Matzat, was denn jetzt genau Datenjournalismus sei, war erfrischend. Ist Datenjournalismus nun die grafische Darstellung von Datensätzen (Matzat) oder das Durchwühlen derselbigen um Geschichten daraus zu ziehen (Elmer)? Wo sich beide einig waren: Es ist anstrengend. Zeitaufwendig. Und kostenintensiv. Und somit für viele freie Journalisten: gestorben. Wen das Thema interessiert, dem empfehle ich das Medienradio von Philip Banse. Mit Lorenz Matzat. Ist schon was älter, aber noch aktuell.
Klar verstehe ich die Organisatoren auch: Man wollte eine möglichst große Zielgruppe zufrieden stellen; viele Anfänger-Sessions bieten: Und das ist nötig. Aber bitte, bitte, für das nächste Mal: Eins, zwei Sessions, die über das Altbekannte hinausgehen.
Wer sich inhaltlich noch ein genaueres Bild machen will, dem empfehle ich ganz uneigennützig die entsprechende Wikigeeks-Folge mit der bezaubernden Claudia. Direkt aus dem ICE.

Der kleine Heinz: Die Unscharfigkeits-Relation

19.02.2026

Der kleine Heinz: Die Unscharfigkeits-Relation

Heisenberg-Kompensator
Der kleine HeinzAn den Grundfesten der Physik kann man nicht rütteln. Deshalb hat es auch keinen Zweck, gegen die Heisenbergsche Unscharfigkeits-Relation anzukämpfen - man kann sich höchstens damit arrangieren.*
Die Unscharfigkeits-Relation ist schnell zusammengefasst. Die Theorie besagt, dass zwei komplementäre Eigenschaften eines noch nicht gestarteten Flirtvorgangs nie gleichzeitig stattfinden können. Die Komplementäre sind: Flirtwunsch und Flirtort. Je mehr man sich wünscht, zu flirten, umso geringer wird die Wahrscheinlichkeit einen passenden Flirtort (-partner) zu finden. Und umgekehrt. Daraus folgt zwangsläufig:

  1. Man kann Flirtwunsch und Flirtort nicht so präparieren, dass beide den eigenen Bedürfnissen entsprechen. Diese Unscharfigkeit lässt sich als unmittelbare Konsequenz des Frau-Mann-Dualismus interpretieren.
  2. Es ist nicht möglich, sich am passenden Flirtort zu treffen, wenn man den Wunsch dazu verspürt.
  3. Der Flirtwunsch beeinflusst natürlich auch den Flirtort und stört ihn zwangsläufig - und umgekehrt.

Beispiele aus der Lebenswirklichkeit
Haare sind gebändigt, Klamotten sitzen, Laune: gelöst. Perfekte Vorbereitung für einen perfekten Abend. Auch in dem Schuppen, in dem wir tanzen wollen, läuft ausnahmsweise genau die Mugge, auf die wir Lust haben - und das Wichtigste: Wir möchten  neue Menschen kennenlernen. Noch schnell ein Bier auf die Hand und auf ins Getümmel. Die Bahn ist gut gefüllt. Doch dann: ein Begleiter eruktiert beherzt - und alle potentielle Flirtpartner wenden den Blick ab. Manche fangen an zu tuscheln. Das Bier in der Hand wird für uns immer schwerer. Auch der Beginn einer plätschernden Unterhaltung versiegt schon vorher. "Normalerweise kann der sich benehmen", wird nur mit einem müden Schulterzucken abgetan, das Gesicht schnell aus der Bieratemwolke genommen.
Wir halten fest: Der Flirtwunsch in der Bahn ist so groß, dass sie nicht mehr als Flirtort existieren kann. Springen wir in die Zukunft:
Die Erwartungen im Tanzschuppen waren zu groß, der Drang, die Enttäuschung durch Alkoholika zu kompensieren zu verlockend. Und: Wir wollen nur noch nach Hause und ins Bett fallen. Wir sind nicht die einzigen. Auf dem Rückweg ist viel los im Bus. Wir lassen uns müde auf einen Sitz fallen und betrachten die inzwischen dreckigen Fingernägel. Den Schluckauf bekommen wir schon gar nicht mehr mit. "Harte Nacht?", eine nette Stimme. Wir schauen aber nicht auf, sondern grunzen etwas, dass sich als "Das kannst du laut sagen! Meine viel zu hohen Erwartungen an den Abend haben mich in diese Lage gebracht und ich kann von Glück sagen, dass ich noch in die richtige Bahn gestiegen bin. Hätte ich nur die Unscharfigkeits-Relation beachtet und auf diesen Heinz gehört, dann säße ich jetzt nicht hier". Wir hören Getuschel und zwingen unseren Blick nach oben. Unser Hirn ist noch nicht so geschädigt, dass es uns vollkommen entgeht, dass eine Schönheit vor uns sitzt. Aber das Sprachzentrum will einfach nicht mehr. Wir suchen nach Worten. Und geben auf. Fingernägel können auch interessieren.
Wir halten fest: Da der Flirtwunsch nicht existent war, verwandelte sich die Bahn automatisch in einen Flirtort. Heisenbergsche Unscharfigkeits-Relation ist das Stichwort - und eben nicht zu viel Alkohol, wie oftmals in anderen Ratgebern postuliert wird! Springen wir zurück in den Schuppen:
Wir haben unsere Begleitpersonen instruiert, nicht öffentlich aufzustoßen oder sonstige Körpergeräusche von sich zu geben. Sprich: Perfekte Vorbereitung. Sogar ein kompetenter Co-Pilot ist mit am Start. Wir lassen uns stempeln und danach läutern: Das Geschlechterverhältnis ist miserabel! Und die Flirtpartner, die theoretisch in Frage kommen, alle vergeben.
Wir halten fest: Stimmen die Außenbedingungen und die Vorbereitung, gibt es keinen Flirtort. Eine Gleichzeitigkeit kann nie existieren.
Der kleine Heinz rät: Akzeptieren und arrangieren. Manchmal hilft es schon das System zu verstehen, was dahintersteht. Falls die Unscharfigkeits-Relation mal aussetzten sollte: Gute Nacht. Macht euch auf einen Riss im Raumzeit-Kontinuum gefasst (siehe Kapitel 6).

Copyright.pngDas Urheberrecht des Bildes gehört Paramount Pictures bzw. CBS Television Studios. Der Gebrauch darf die fair use Richtlinien der Copyright-Rechte der USA nicht verletzen.

* Dies ist ein Ausschnitt aus meinem neuen Ratgeber "Der kleine Heinz - Lebenshilfe in drei Teilen"

WG006: Die charmante Macht des roten Knopfs

19.02.2026

WG006: Die charmante Macht des roten Knopfs

Ich habe vor lauter Aktualisierungen auf der Wikigeeks-Seite und meiner tiefempfundenen Freude darüber, das Claudia jetzt unser Team verstärkt (der Beweis) ganz vergessen, die 6. Ausgabe von unserem Premiumcontent hier anzuteasern. Vom Warumup habe ich so gut wie alles rausgeschnitten - der bietet sich nämlich für eine Outtakes-Ausgabe geradezu an.
Und die neue Folge, die werde ich jetzt endgültig mit Audacity schneiden. Ihr werdet mit Sicherheit einen Unterschied hören. Ich sage nur dynamic processing: Da wir ja (noch) nicht live senden, können wir die Casts für euch auch ordentlich nachbearbeiten.

Ohne Quotenzwang in die Zukunft

19.02.2026

Ohne Quotenzwang in die Zukunft

Er hätte dort geendet, wo er begonnen hat: privat. Der Verein Schwachstrom hat sich am gestrigen Sonnabend zur Jahreshauptversammlung getroffen und zwar in den Kellerräumen von Familie Rudolph in Heringen. Dabei haben die Stammmitglieder so ernst wie nie über eine Vereinsauflösung debatiert. Das Ergebnis: Dafür hat der Computerclub eindeutig zu viel Potential.
Verrückte Mittelerde-VersionDie LAN-Szene hat sich mit dem Internet verändert. War das Netz in den 90'ern noch eine Nerd-Randerscheinung, haben erschwingliche Breitbandverbindungen dazu geführt, dass weniger auf Zocker-Events gespielt wird. Vielmehr ist das Computerspielen mehr und mehr privat geworden: Zu Hause mit Mikrofon und Sprachverbindung zu anderen Spielern vor dem eigenen Rechner oder in kleineren Zockerrunden. Die meisten Vereine, die sich Anfang des Jahrtausends gegründet haben, um Computerpartys zu organisieren, haben sich inzwischen wieder aufgelöst. Denn noch nie war es schwieriger Veranstaltungen zu organisieren, die für eine größere Spieler-Gruppe ausgelegt sind und sich dann auch noch wirtschaftlich lohnen. Denn um attraktiv zu bleiben, haben sich viele Veranstalter auf Themen-Partys spezialisiert. Dann wird in einer großen Halle beispielsweise 'World of Warcraft' gezockt. Wobei auch das Ambiente so hergerichtet ist, dass selbst J.R.R. Tolkien trotz summender Rechner und Pizza-Kartons sich so fühlen würde, als ob er in einer sonderbar verrückten Mittelerde-Version gelandet wäre. Das zu organisieren ist teuer und verspricht immer noch keine gefüllte Halle. Dann gibt es auch noch das Problem beim Phillipsthaler Verein: Nur wenige Organisatoren spielen selbst. Ein weiteres: Es gibt noch weniger Besucher auf den Vereinsveranstaltungen. Der Tenor bei der Jahreshauptversammlung war dementsprechend klar: Es muss sich etwas ändern - oder der Verein sollte sich ehrlicherweise doch besser auflösen.
Aus Routine wurde LangeweileIn den letzten drei Jahren dümpelte Schwachstrom still vor sich hin: Ein paar kleinere Partys, mit und ohne Computer, mit Besuchern, die man an einer Hand hätte abzählen können. Die Konsequenz daraus ist nur natürlich: Das Vereinsengagement ging immer weiter zurück, aus Routine wurde Langeweile. Dabei ist die Motivation der Mitglieder noch die gleiche wie im Jahr 2002 bei der Vereinsgründung: sich mit Technik auseinanderzusetzen um beispielsweise eine reibungslos-funktionierende Party auf LAN-Basis herzurichten. Dazu gehörte auch das Einrichten von Servern, Herstellen der Infrastruktur, Erstellen eines funktiorenden Intranet-Systems - allesamt Herausforderungen, mit denen sich die Mitglieder gerne und intensiv auseinandergesetzt haben. In der Vereinssatzung klingt das dann so:

"Die Hauptaugenmerke (des Vereinszweckes, Anm. d. A.) sind auf die Förderung von Computerkenntnissen unter jungen Menschen, als mitentscheidenden Faktor beim Berufsantritt und auf kommunikative Aspekte wie Computernetzwerke gerichtet. Durch regelmäßige, spezielle öffentliche Veranstaltungen versucht der Verein computerinteressierte Menschen zu einem Informationsaustausch anzuregen."

Das galt damals, das gilt auch heute noch.
Es gibt keinen QuotenzwangIm Jahr 2011 gibt es diese Herausforderungen immer noch - und dies mit Veranstaltungen zu verknüpfen, soll Ziel der 'Schwachstrom-Aganda 2011' sein. Für zukünftige Veranstaltung wurde beispielsweise der 'offene Samstag' eingerichtet: In Workshops werden dann Mitglieder kostenlos Themen gemeinsam mit und für Interessierte erarbeiten. Ob über die 3D-Grafik-Software Blender, über Gimp oder Podcasts: Auf den Vereinsveranstaltungen werden die Themen angeboten, die für die Mitglieder Relevanz besitzen, natürlich in der Hoffnung, dass sich auch andere Menschen dafür interessieren. Dieses Angebot wird kostenlos sein um dem gemmeinnützigen Anspruch des Vereins noch mehr gerecht werden zu können. Einen 'Quotenzwang' um den höchstmöglichen Cashflow zu erbringen, den gibt es nämlich nicht.
Themen-StammtischZeitnaher wird der Verein für alle Interessierte Themen-Stammtische organisieren, deren Zusammenschnitt im Anschluss als Podcast veröffentlicht werden kann. Den Anfang macht Rechtsexperte Timo Pforr mit dem höchst interessanten Thema, ob Veranstalter haftbar gemacht werden können, wenn auf LAN-Partys mit Internet strafrechtlich relevante Aktionen durch Gäste gestartet werden. Der Stammtisch startet am Montag, 4. April, um 22 Uhr via Teamspeak auf ts.outi-networks.de.
Crosspost: Originalveröffentlichung hier

Zwischen Useranspruch und Orgaspaß

19.02.2026

Zwischen Useranspruch und Orgaspaß

Dies ist Transkript meiner Rede zum Rechenschaftsbericht für die Jahreshauptversammlung des Vereins Schwachstrom

Liebe Vorstandskollegen, verehrte Mitglieder,
ich freue mich, dass sich der Verein wieder ein Jahr weit unter der Wahrnehmungsschwelle dahingeschleppt hat und ich nun in dieser Funktion ein Resümee ziehen darf. Ich freue mich von Herzen. Wir haben im letzten Jahr wohlgemerkt ein paar spaßige Aktionen auf die Beine gestellt, ansonsten hat er aber geschlafen, unser lieber SeV.
Ich persönlich kann mit so etwas nicht gut Leben. Ich engagiere mich gerne und bringe noch viel lieber - ob gefragt oder ungefragt - meine eigene Meinung mit ein. Bei Schwachstrom und meinem Schwachstrom-Engagement erwische ich mich immer öfter bei der Frage: Warum? Wir haben - und das ist das Kernproblem seit Bestehen des Vereins - keine Kontinuität, keine Philosophie und schon längst keine Inspiration mehr. Kontinuität, Philosophie, Inspiration. Dieses überbordende Vereinskonstrukt ist für uns viel zu groß geworden. Das, was wir machen, dafür brauchen wir schon lange kein e.V. mehr im Titel.
Ich komme aber erst einmal zu den Teilaspekten der Kritik:. Mit ‘keine Kontinuität’ fasse ich zusammen, dass wir schnell Entscheidungen treffen ohne ein Konzept zu haben.
Es wäre doch fantastisch für die Mitglieder, für den Vorstand, wenn jetzt schon klar wäre, schon bevor wir den Punkt ‘Sonstiges’ anreißen, dass es auf jeden Fall eine Sommerparty gibt.
Dass wir auf jeden Fall eine Weihnachtsparty organisieren.
Dass der Verein auf jeden Fall wieder auf den nächsten Chaos-Communication-Congress fährt und dabei vielleicht sogar die Mitglieder unterstützt.
Und dass wir eine Party organisieren, die den jetzigen wirtschaftlichen Gepflogenheiten entspricht.
Es wäre schön, wenn der Stammtisch mit irgendetwas Punkten würde, um Anreize zu schaffen, sich regelmäßig den Abend frei zu halten. Und nicht einfach nur existiert der Existenz wegen. Und gerade diese Treffen sind wichtig für unseren Zusammenhalt und sollten deshalb auch so behandelt werden.
Wir, und das betrifft den Vorstand insbesondere, haben das im letzten Jahr nicht geschafft. Wir haben sogar davon geschwärmt, wie fantastisch das doch ist, die JHV mit einer LAN-Party zu koppeln. Aber die zu organisieren, auch dafür haben wir zu lange geschlafen. Kontinuität ist das nicht.
Daran müssen wir arbeiten.
Was meine ich mit Philosophie? Klar, wir sind ein Spaßverein. Dafür haben wir aber im letzten Vereinsjahr viel zu wenig Spaß gehabt.
Die technische und somit auch die soziale Entwicklung hat sich in der Zeit seit Vereinsgründung grundlegend gewandelt. Wir wollten damals Plattformen bieten, um sich auszutauschen zu können, über Kommunikationstechnik und so. Und jetzt wäre das so einfach und so spannend wie nie. Aber wir sind auch da eingeschlafen, haben keine technische Weiterentwicklung mitgemacht, betreiben vielmehr eine Seite, für die man sich schämen muss.
Um funktionierende LAN-Partys zu organisieren, gehört inzwischen viel mehr dazu als einen Newsartikel für die Seite zu schalten, die LAN-Module scharf zu stellen und einen Newsletter rauszuhauen. Die Besucherzahlen der letzten Partys von uns geben mir da eindeutig recht.
Auch daran müssen wir arbeiten.
Kommen wir zum letzten Punkt meiner kleinen Kritik: Der Inspiration. Was wollen wir mit den LAN-Partys eigentlich bezwecken? Welchen Sinn hat das? Und wenn wir da schon kein tragfähiges Konzept vorweisen können, woher sollen das dann unsere Besucher wissen? Auch die Spieleszene hat sich in den letzten Jahren pluralistisch aufgesplittet. PC und Konsole, beispielsweise, sind die beiden großen Bewegungen. Dann teilt sich das aber noch weiter auf, in kleinere Communities mit Fun-Anspruch. Warum findet da keine Kommunikation statt? Oder gar mit anderen Vereinen, die bestimmt genau die selben Probleme haben wie wir?
Auch hierran müssen wir arbeiten. Denn um nur unser Ding machen zu wollen, mit kalter Routine und ohne Inspiration, auch dafür brauchen wir keinen Verein - und keine Besucher.
Aber dafür, den Verein einfach aufzulösen, dafür ist er mir dann immer noch etwas zu wichtig.
Deshalb möchte ich nun eine Schwachstrom-Agenda für 2011 vorstellen und sie im Punkt ‘Sonstiges’ zur Diskussion und Abstimmung freigeben. Falls die Mitgliederversammlung dafür votiert sie im aktuellen Vereinsjahr umzusetzen, beantrage ich hiermit fristgerecht einen eigenen Tagesordnungspunkt für die Jahreshauptversammlung 2012, um dort die Ergebnisse der Agenda vorzustellen.
Die Agenda ist zeitaufwendig und bedarf Engagements. Aber diese beiden Punkte waren uns auch schon klar, als wir den Verein gegründet haben. Das ist halt der Haken am ‘Ehrenamt’. Ob sie funktioniert, so oder in einer angepassten Form, gibt mir dann gleichzeitig auch die eindeutige Gewissheit, ob der Verein noch eine Existenzgrundlage besitzt, oder wir ihn zur nächsten Versammlung doch besser auflösen sollten. Noch einmal kurz zur Organisation: Ich stelle mir das so vor, dass die einzelnen Verantwortlichen ihre Teilergebnisse zur Diskussion in unseren Stammtischtreffen vortragen.

  1. Wer sind unsere User?
  2. Wie erreichen wir unsere User?

Wer unsere User sind oder potentiell sein könnten, ist der Kernaspekt für eine funktionierende LAN-Party. Was wird momentan gespielt? Welche Spielebewegungen gibt es überhaupt? Was haben andere Orga-Teams für Erfahrungen? Welche davon können wir auch für den SeV übernehmen? Das Hauptaugenmerk der Analyse sollte darauf liegen, wie wir das Profil unserer Partys schärfen können um eine ausgewogene Schnittmenge zwischen Useranspruch und Orgaspaß gewährleisten zu können.
Der zweite Punkt betrifft die Kommunikation. Wenn ich gefragt werde, verblüfft gefragt werde, ob es uns wirklich noch gibt, machen wir eindeutig etwas falsch. Wir müssen uns klar werden, wie transparent wir sein wollen und welche Kommunikationsformen es gibt, um unsere potentielle User zu erreichen. Und das natürlich mit dem Arbeitsaufwand abgleichen. Was erwarten User überhaupt von einem modernen Orga-Team? Und wie stellen die sich die Kommunikation vor? Auf dieser Grundlage soll dann ein neues Seitenkonzept erarbeitet werden, natürlich wieder mit der ausgewogenen Schnittmenge zwischen Useranspruch und Orgaspaß.
Schon alleine diese beiden Punkte einzugrenzen ist zeit- und diskussionaufwendig. Und erst dann können wir beginnen, sie mit Ergebnissen zu füllen.
Aber für mich stellt sich die Situation momentan so dar, dass wir entweder grundlegend versuchen uns zu professionalisieren, oder den Verein einstellen und uns in ein paar Jahren an die schöne Zeit zurückerinnern.