Tags

#Star Trek

Star Trek als Franchise, Welt und wiederkehrender Referenzraum in Serien, Filmen und Fandom.

Starfleet Academy: Echtes Trek-Gefühl

Es gibt diesen ganz speziellen Moment, wenn eine neue Star-Trek-Serie an den Start geht. Nicht, weil ich sofort alles stehen und liegen lasse, sondern weil dieses Franchise sich wie ein roter Faden durch meine Biografie zieht. Als kleiner Steppke vor dem Röhrenfernsehen im ZDF habe ich den feinen Unterschied zwischen der Originalserie mit Kirk und "The Next Generation" mit Picard noch gar nicht begriffen. Für mich ging es schlicht um die Enterprise, das Schiff war der Star.

Ich erinnere mich nur noch, dass ich Kirk damals irgendwie packender fand. Effekte, Dramaturgie oder komplexe Erzählstrukturen spielten keine Rolle. Hauptsache Weltraum, Hauptsache Raumschiffe.

Reinwachsen ins Franchise

Deep Space Nine habe ich zunächst komplett verpasst. Bei Voyager hatte ich anfangs die seltsame Angst, dass das jetzt so aussehen würde wie diese liebevoll-handgemachten Fan-Specials, die Sat1 damals als Promo zeigten. Die Pilotfolge hat mich eines Besseren belehrt.

DS9 brauchte bei mir einen zweiten Anlauf, bis es sich in mein Herz gespielt hatte, aber dann war ich endgültig verloren. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: Star Trek ist für mich gekommen, um zu bleiben.

NuTrek, Heritage Trek und ich dazwischen

Über die ersten Newsseiten im Netz habe ich später Enterprise informierter erlebt, inklusive des frühzeitigen Endes. Discovery hat mich anfangs visuell aus den Latschen gehauen, Picard war trotz seiner Schwierigkeiten sehenswert. Lower Decks hat mich als humorvolle Hommage positiv überrascht. Prodigy hat einen festen Platz in meinem Herzen und ja, ich halte es nach wie vor für eine Fehlentscheidung, dass die Serie zugunsten von Starfleet Academy weichen musste.

Strange New Worlds startete furios und lieferte genau den Sense of Wonder, den ich suchte. Bei jeder neuen Iteration schwingt bei mir die gleiche Hoffnung mit: Hoffentlich ist dies nicht der Schwanengesang auf Star Trek. Hoffentlich erreicht das Franchise neue Generationen. Nicht aus reiner Nostalgie, sondern wegen der humanistischen Grundidee dieses manchmal wunderbar cheesigen Universums: Dass wir positiv in die Zukunft blicken dürfen. Dass Empathie, Gestaltungswille und echte Hilfsbereitschaft keine Relikte der Vergangenheit sind.

Die nie eingelöste Idee: Starfleet Academy

Das Konzept der Starfleet Academy gehört zu den langlebigsten, aber lange Zeit nie eingelösten Visionen der Trek-Historie. Bereits 1968 philosophierte Gene Roddenberry über einen Kinofilm, der die Entstehungsgeschichte der zentralen Figuren beleuchten sollte. Kirk, Spock und McCoy hätten sich an der Akademie kennengelernt, erste Konflikte ausgetragen und dort ihr moralisches Fundament für die Sternenflotte gegossen.

In den 1970ern flackerte dieses Motiv in frühen Filmkonzepten immer wieder auf. Roddenberry brütete über der formativen Phase der Crew, über Idealen, der Ausbildung und dem institutionellen Aufbau der Föderation. Das Scheitern dieser Projekte lag damals weniger an mangelndem Interesse als vielmehr an internen Machtkämpfen, Drehbuch-Hürden und vertraglichen Sackgassen.

Beinahe-Umsetzung in den Achtzigern

Ganz konkret wurde es Ende der 1980er Jahre. Harve Bennett, der Produzent der Filme II bis V, entwickelte mit Star Trek: The Academy Years ein echtes Prequel. Kirk und Spock als junge Kadetten, konzipiert als klassische Coming-of-Age-Geschichte.

Paramount zeigte ernsthaftes Interesse; man dachte über Castings, Schauplätze und sogar Cameos der Original-Garde nach. Doch die Angst, ein Star-Trek-Film ohne das etablierte Ensemble könnte an den Kinokassen baden gehen, überwog. Letztlich entschied man sich für Star Trek VI: Das unentdeckte Land. Die Academy-Pläne wanderten zurück in die Schublade.

Fast eine Serie, dann doch nicht

Einen weiteren Anlauf gab es Mitte der 1980er, kurz vor The Next Generation. Paramount erwog eine Serie, in der Kadetten im Mittelpunkt stehen sollten. Eine Variante sah sogar die Enterprise als fliegende Academy vor.

Gene Roddenberry war skeptisch. Zu jugendlich, zu leichtgewichtig. Stattdessen entschied man sich für ein Ensemble erfahrener Offiziere. Die Academy verschwand erneut aus dem Zentrum, blieb aber als Idee präsent.

Jetzt also wirklich: Starfleet Academy

Und nun ist sie tatsächlich da. Unter der Ägide von Alex Kurtzman ist Starfleet Academy gestartet. Und ich muss ehrlich sagen: Die ersten beiden Folgen auf Paramount+ haben mich förmlich weggeblasen. Das Franchise ist heute gespaltener denn je: NuTrek hier, Heritage Trek da. Alles Alte wird oft sakrosankt behandelt, alles Neue reflexartig abgelehnt. Das Bonmot „Wenn du Star-Trek-Fans verärgern willst, bringe eine neue Serie heraus“ scheint aktueller denn je.

Ich stehe irgendwo dazwischen. Auch ich hinterfrage kritisch manche Story-Arcs und ärgere mich über einen mitunter flatterhaften kreativen Output. Und trotzdem freue ich mich jedes Mal wie der kleine Junge von damals, wenn es einen neuen Versuch gibt, dieses Universum zu erweitern.

Wiederaufbau, Ideale, Hoffnung

Bei Starfleet Academy spürt man sofort einen qualitativen Shift. Die oft klinische LED-Wall-Ästhetik aus Discovery-Zeiten wurde durch großzügige, haptische Sets ersetzt, die dem Ganzen eine nötige Erdung verleihen. Und der Cast muss sich mit Kalibern wie Holly Hunter und Paul Giamatti vor keiner High-End-Produktion verstecken.

Interessant ist die zeitliche Einordnung: Der „Burn“-Arc aus Discovery bildet das narrative Fundament. Ein katastrophaler Bruch, der die Föderation einst zerreißen ließ. Während die Einführung dieses Ereignisses in Discovery auf mich oft unbeholfen wirkte, greift die Prämisse hier endlich vollumfänglich. Die Akademie existiert nicht trotz des Zusammenbruchs, sondern als Antwort darauf. Sie ist ein bewusster Neuanfang nach einem kollektiven Trauma. Es geht nicht mehr primär um Expansion oder technologische Dominanz, sondern um den Wiederaufbau von Vertrauen. Die Serie stellt die essenzielle Frage: Sind Ideale nach einem zivilisatorischen Kollaps überhaupt noch erlernbar? Dass Star Trek diesen Prozess in Klassenzimmern und Schlafsälen verortet, fühlt sich – gerade mit Blick auf unsere aktuelle gesellschaftliche Lage – erstaunlich richtig an.

Die Figuren sind erfreulicherweise nicht perfekt gezeichnet. Es gibt Reibung, leise Zweifel und offene Konflikte. Für mich ist Starfleet Academy dabei keine Coming-of-Age-Serie im herkömmlichen Sinne. Ja, es gibt das typische „High-School-Gefühl“, aber es wirkt nicht wie ein kalkulierter Köder für ein Young-Adult-Publikum. Es ist ein erzählerisches Werkzeug. Die Serie erzählt keine Geschichte über die Jugend, sondern eine Geschichte mit jungen Charakteren. Dass es sich manchmal wie ein Teen-Drama anfühlt, ist die logische Konsequenz des Settings: Menschen, die lernen müssen, Verantwortung für die Galaxis zu übernehmen, während sie noch mit ihrer eigenen Identität ringen.

Der Pilot liefert zudem einen cineastischen Praxisschock, der die Theorie sofort auf die Probe stellt. Hier geht es nicht direkt um den Untergang der Galaxis, sondern um ein konkretes Problem, das Teamwork und Charakter über Uniformregeln stellt. Die Kadetten werden weder als fertige Helden noch als Witzfiguren inszeniert. Sie dürfen scheitern und überfordert sein. Und genau in diesen Momenten blitzt sie wieder auf: Diese urtypische Trek-Idee, dass wir alles meistern können, wenn wir an einem Strang ziehen.

Die Mischung aus Drama und akademischem Setting funktioniert für mich deshalb so gut, weil sie ihren eigenen Ton ernst nimmt: mal humorvoll, mal rau, mal überraschend warmherzig. Es kippt eben nicht ins „CW-Niveau im Weltall“ ab. Am Ende bleibt dieses wohlige Star-Trek-Gefühl, das ich lange vermisst habe: Ein Moment zum Durchatmen und der feste Glaube daran, dass diese Vision der Zukunft auch heute noch funktioniert.

Ich bin begeistert.

Schönes Fernsehen, schnell vergessen

Star Trek: Strange New Worlds, dritte Staffel. Ich habe mich durchgeschaut, müde und doch neugierig. Müde vielleicht, weil ich schon einmal an diesem Punkt war: damals, als Enterprise die Vorgeschichte ausrollte, noch vor Kirk und Spock. Schon da dachte ich: ist das nicht ein Schritt zurück? Aber gut, jeder neue Versuch, Trek weiterzuerzählen, hat das Risiko, Fans zu ärgern, und ich nehme mich da nicht aus.

Seitdem ist viel passiert, und gleichzeitig wenig. Discovery, auch wieder vor Kirk (also am Anfang). Strange New Worlds, dito. Der Abrams-Reboot von 2009: Spock und Kirk, nur mit Twist. Lower Decks mochte ich, aber eher auf der Metaebene. Picard Staffel 3 war für mich die Ausnahme: die alte Crew, die plötzlich doch noch einmal etwas Neues wagen durfte, auch wenn eine Supernova ganz plötzlich und in Echtzeit die heftigste Bedrohung ever war. Alles andere schien eher ein Wiederaufkochen von Bekanntem.

Genau da liegt mein Problem mit dieser dritten Staffel von Strange New Worlds. Sie ist makellos produziert, perfekt inszeniert und hat wirklich einen tollen Cast. Sie ist aber mutlos. In den letzten zwei Folgen wurden gleich zwei legendäre TNG-Momente neu variiert: Irgendwie eine Abwandlung aus Darmok in der einen Folge und The Inner Light in der anderen. Wunderschön, ja. Und große Schwächen. Aber auch deja-vu. Keine frische Idee, kein riskanter Gedanke, kein „Das gab’s so noch nie“.

Man kann das mögen: alte Rezepte funktionieren, und die Dynamik zwischen Kirk und Spock ist weiterhin solide gebaut. Männerfreundschaft, Gegensätze, das wachsende Vertrauen, alles da, alles charmant. Doch mir reicht es. Ich merke, wie ich innerlich abschalte, sobald die vertrauten Bahnen allzu eingefahren sind.

Schade ist das deshalb, weil Star Trek eigentlich mehr könnte. Kantiger sein, ernsthafter, politischer. Nicht nur in Erinnerungen baden, sondern neue Welten bauen. Staffel 3 war perfektes Fernsehen, ja – aber Fernsehen, das sich lieber an der Vergangenheit festhält, als sich in die Zukunft zu wagen. Und das macht mich vor allem eins: müde.

Wenn Star Trek müde wirkt und das ZDF mich wach hält

Manchmal merke ich, wie Serien nicht am Bildschirm, sondern vor allem an meiner eigenen Laune scheitern. Bei Strange New Worlds ist das inzwischen mein Dauerzustand.

Wir sind bei „What is Starfleet“ in der 3. Staffel, und während die Serie ganz offiziell den moralischen Vorschlaghammer auspackt, sitze ich davor und nicke nur noch routiniert. Ja, ja, versklavtes Lebewesen, moralisches Dilemma, Starfleetethos, habe ich alles schon hundertmal gesehen, nur meistens klüger, spitzer, lebendiger.

Das Bittere: ich will ja eigentlich Spaß haben. Ich will mich hineinfallen lassen in dieses Universum, so wie damals bei Picard, als wir im Podcast unbedingt die erste Staffel gutreden wollten, und dabei überraschend oft sogar recht hatten. Aber hier? Ich finde einfach keinen Halt.

Das Doku-Format dieser Folge hätte ein frischer Ansatz sein können, Kunst und Medien im Trek-Kosmos sind ja traditionell ein blinder Fleck. Doch das, was dann auf dem Bildschirm landet, wirkt halbgar. Als hätten die Autor:innen selbst keine Lust, die große Frage „Wofür steht Starfleet?“ wirklich durchzukauen.

Klar, die Fan-Momente sind da. „The Sehlat Who Are Its Tail“, der Versuch, Kirk eine kleine Origin-Note zu geben, war hübsch anzusehen. Ein, zwei nostalgische Szenen, in denen man spürt: ah, hier formt sich etwas, was später wichtig wird. Aber es ist eben die sichere Nummer. Kirk als Rohdiamant, der noch nicht weiß, was er mal können wird. Seine kompromisslose Risikobereitschaft, Crew-Kameradschaft, die man in späteren Serien wiedererkennt. Alles ordentlich gemacht. Nur: aufregend ist anders. Das riecht nach Drehbuch-Mottenkiste, nach „Character Arc für Anfänger“.

Und dann „Through the Lens of Time“: eine Folge, die so bemüht ist, dass man schon beim Zuschauen den Schweiß der Writer’s Room-Sitzungen zu riechen glaubt. Chris Myers und Babs Olusanmokun sollen da angeblich geglänzt haben, ich habe das nicht gesehen.

Vielleicht liegt’s an mir, an meiner Tagesform. Aber wenn ich mich ertappe, dass ich bei Chabos (ZDF, absolute Empfehlung!) jede freie Stunde investiere und Strange New Worlds eher als Pflichtprogramm abspule, sagt das eigentlich schon alles. Denn Chabos zeigt gerade, was Fernsehen kann: eine Geschichte, die sich traut, ambivalent zu sein. Ein 36-Jähriger, konfrontiert mit seiner Vergangenheit, Sommermärchen 2006, kommentiert mit rosaroter Nostalgie, während die Bilder vor unseren Augen etwas ganz anderes erzählen. Da ist Reibung, da ist Humor, Fremdscham, da ist ein Konzept, das sich nicht selbst erklärt, sondern laufen lässt. Genau das, was mir bei Strange New Worlds fehlt: ein Gefühl, dass hier jemand etwas erzählen will, das über die nächste moralische Stellvertreterfrage hinausgeht.

Vielleicht ist das mein Problem: ich schaue Trek inzwischen mit der Erwartung, dass es mich überrascht. Dass es größer denkt, als ich selbst. Und wenn es dann nur redlich bemüht ist, sitze ich da und werde mürrisch. Star Trek darf auch mal schwach sein, sicher. Aber muss es denn ausgerechnet so schwach sein, während ich parallel eine kleine deutsche Serie schaue, die mich mit jedem Dialog neu fesselt?

Am Ende bleibt also nur dieser Gedanke: Es liegt vielleicht nicht an der Serie allein. Vielleicht liegt’s an meinem Mood, an meiner Lustlosigkeit, an zu viel Trek im Kopf. Aber wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir einfach, dass Strange New Worlds selbst noch mal Lust auf sich hätte. Ein bisschen weniger Pflicht, ein bisschen mehr Mut. Bis dahin bleibe ich beim ZDF hängen.

Star Trek: Section 31, 2025

Was hier als “Film” vermarktet wird, ist in Wirklichkeit ein Flickenteppich aus Überbleibseln einer mittelmäßigen Serienidee, die offensichtlich nie genug Substanz hatte, um eigenständig zu bestehen. Das Ergebnis fühlt sich weniger wie ein Film an und mehr wie eine notdürftig zusammengeklebte Staffel aus geschnittenen Episoden – nur ohne die Kohärenz, die eine Serie wenigstens aufbauen könnte.

Die Prämisse rund um Section 31 hatte durchaus Potenzial: Geheimoperationen, moralische Grauzonen, ein düsterer Blick auf die glorreiche Sternenflotte. Aber was macht der Film? Er nimmt diese Ansätze und verwässert sie zu einem generischen Spionage-Action-Mix, der zufällig in einem Sci-Fi-Setting spielt. Es könnte genauso gut ein x-beliebiger Comic-Verfilmung sein. Die Star-Trek-DNA? Also die Hoffnung, dass wir uns irgendwann zusammenreißen als Menschen und versuchen Gutes zu tun? Nicht vorhanden. Selbst der Technobabbel ist halbherzig. Stattdessen gibt’s Explosionen, dünne Dialoge und eine Handlung, die sich verzweifelt an Plot-Twists klammert, die man meilenweit kommen sieht.

Man könnte milde sagen, wenn man beide Augen zudrückt, dass der Film “Spuren von Star Trek” enthält, aber ehrlich: Das fühlt sich wie ein Alibi an. Ein paar Easter Eggs und ein paar bekannte Namen sind kein Ersatz für das, was dieses Franchise ausmacht. Es ist bezeichnend, dass die spannendsten Momente des Films nicht aus seiner eigenen Handlung stammen, sondern aus nostalgischen Anspielungen. Schade.

Das Herzchen gibt‘s, weil neues Star Trek eigentlich immer erstmal auch ein gutes Zeichen ist.