Tags

#Star Trek

Star Trek als Franchise, Welt und wiederkehrender Referenzraum in Serien, Filmen und Fandom.

Wie für mich gemacht und deshalb schwierig

Wie für mich gemacht und deshalb schwierig

Mit der vierten Starfleet-Academy-Folge „Vox in Excelsis“, lief nun die erste Episode, die nach Classic-Trek-Mechaniken funktioniert. Angefangen beim lateinischen Titel mit einem "Vox" im Tteil (das mögen die Autor*innen!), über den Debattierwettbewerb, in dem der Doktor Satie aus „The Drumhead“ falsch zitiert, bis hin zum philosophischen Pendel, das klar zwischen Utilitarismus und Deontologie hin und her schwingt. Und natürlich das Klingonen-Theme von Jerry Goldsmith aus „The Motion Picture“.

Es war fast so, als wäre diese Folge für mich geschrieben worden. Und genau das ist mein Problem damit. Denn dadurch wirkt es, als würden Tonalität und ästhetische Entwicklung der vorherigen Episoden schlicht übersprungen. Als hätte man sich entschieden, von jetzt auf gleich voll auf Classic-Trek zu gehen, ohne den erzählerischen Übergang mitzunehmen. Das finde ich ehrlich gesagt ziemlich schade für die, die vielleicht neu eingestiegen sind.

Kurz zur Handlung: Die Athena ist im All unterwegs und ein Debattierwettbewerb steht an. Jay-Den erfährt, dass seine Eltern bei einem Unfall möglicherweise ums Leben gekommen sind. Gleichzeitig erfahren wir, dass die klingonische Heimatwelt infolge des Burns zerstört wurde, über den ich hier wie auch schon in den vorherigen Folgenbesprechungen nicht weiter schreiben werde.

In der Diaspora haben sich die Klingonen noch stärker auf ihre Tradition als ehrenhafte Kriegergesellschaft zurückgezogen. Ein neues Zuhause können sie sich nur sichern, indem sie einen kurzen und verlustfreien Schaukampf gegen Starfleet bestehen, denn ein Planet, der ihnen geschenkt würde, käme einer Ehrverletzung gleich. Am Ende wird Jay-Den als Krieger geehrt und darf endlich seinen pikanten Krieger-Eintopf essen.

Was mich freut, weil ich weiß, dass es andere ärgert

  • Der vermutlich neue Kanzler der Klingonen ist weiß. Und Klingonen müssen doch schwarz sein!!!eins11!
  • Captain Ake fletzt wieder auf Stühlen.
  • Die Heimatwelt der Klingonen wurde zerstört.
  • Der Doktor flucht.
  • Das Vogelbeobachten aus Episode 1 von Jay-Den ergibt plötzlich Sinn.
  • Die USS Riker ist ein sehr kleines, vermutlich aber extrem tapferes Schiff.
  • Männer dürfen sich mental durch Körperkontakt unterstützen.
  • Jay-Den hat zwei Väter.
  • Lura Thok hat einen Jem’Hadar-Vater und eine klingonische Mutter. Ich glaube, das triggert zuverlässig jedes Mal irgendwen, sobald es erwähnt wird.

Was mich ärgert, weil es zu viel Lore ist

Diese Folge verlangt sehr viel Vorwissen, wenn die Serie tatsächlich für eine neue Zuschauerschaft geschrieben sein soll. Allein Begriffe wie Qo’noS, Kahless oder klingonische Häuser sind bereits eine ordentliche Einstiegshürde. Natürlich ist klar, dass Jay-Den anders ist als andere Klingonen. Das haben die Autorinnen und Autoren in den vorherigen Episoden gut über die Reaktionen der anderen Kadettinnen und Kadetten etabliert. Aber hier wird plötzlich die komplette Moore-Lore ausgepackt. Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht schnell überfordernd und damit im schlimmsten Fall auch langweilig wirkt.

Was mich freut, weil Star Trek das selten so gemacht hat

Der dramaturgische Aufbau der Episode ist handwerklich einfach sehr gut. Die Rückblenden erfüllen hier tatsächlich eine narrative Funktion, statt nur illustrativ Figurentiefe nachzureichen.

Wir sehen zunächst den tragischen Tod von Jay-Dens Bruder, der bis in die Gegenwart hinein seine Beziehungen zu anderen Figuren prägt. Danach die Krieger- und Jagdtraditionen. Und schließlich den Vater-Twist: Bei der Jagd verfehlt der Vater bewusst den Vogel mit dem Bogen. Nicht aus Enttäuschung oder Wut darüber, dass Jay-Den sich der Jagd verweigert, wie Jay-Den und auch ich zunächst annehmen. Sondern als stilles Eingeständnis, dass Jay-Den seinen Kampf gewonnen hat und dass sein Vater den Weg seines Sohnes als Heiler und nicht als Krieger akzeptiert. Großartig.

Normalerweise funktionieren Rückblicke in Star Trek eher funktional. Es wird schnell etwas Backstory eingebaut, damit zukünftige Entscheidungen emotional besser untermauert sind. Das ist mir oft zu wenig. Starfleet Academy schafft hier mehr. Rückblenden, die Bedeutung erzeugen, statt sie nur zu behaupten.

Auch Jay-Dens Einordnung als besserwisserischer und für mich durchaus unsympathischer Know-it-all im Debattierwettbewerb fand ich erzählerisch stark. Ich finde es weiterhin etwas ungelenk, ihn plötzlich als Starfleet-Rechtsexperten zu inszenieren, der sich das angeblich alles im Gefängnis angeeignet hat. Aber die emotionale Motivation dahinter funktioniert. Diese Leere, das Fehlen von Tradition, und das Gespräch, in dem Jay-Den ihm genau das vorwirft, entwickeln die Figur weiter.

Alles in allem gebe ich der Folge deshalb die volle Punktzahl. Die Lösung lag zwar auf der Hand, war aber genau das, weshalb ich Star Trek früher so gern geschaut habe. Empathisch, lösungsorientiert, mit einer kleinen Prise Originalität. Die Folge fühlt sich an, als wäre sie für mich gemacht. Und genau deshalb bin ich gleichzeitig begeistert und ein wenig traurig.

Starfleet Academy und der Abschied vom Treksatlantic Accent

Starfleet Academy und der Abschied vom Treksatlantic Accent

Früher musste ich mich erst einmal einwählen, um ins Internet zu kommen. Dabei war für mich der klassische Modemsound fast schon ein akustisches Versprechen, dass gleich irgendwo eine Nachricht auf mich wartete. Das waren oft keine verpassten ICQ-Nachrichten oder Mails im klassischen Sinne, sondern Spielzüge, die wir per Mail verschickten. Ich habe mich in meiner Schulzeit erstaunlich häufig eingewählt, weil ich wissen wollte, wie es in unseren Play by Mail Rollenspielen weiterging.

Bevor MMORPGs allgegenwärtig wurden und ganze Welten dauerhaft online existierten, erzählten wir unsere Geschichten per Mail. Ein paar Leute, jeweils mit einem Charakter, ein Spielleiter mit grober Richtungsvorgabe, und ganz viel Improvisation. Regeln gab es fast keine. Das gemeinsame Erzählen war wichtiger. Ich schrieb eine Szene, schickte sie weiter und wartete auf Reaktionen. So entstand Zug um Zug ein Abenteuer. Manchmal über Monate hinweg, manchmal nur bis unsere Geduld nachließ und wir etwas Neues anfingen.

Diese Abenteuer spielten natürlich im Star Trek Universum. Mal an der Academy, mal auf klassischen Sternenflottenschiffen, mal auf Raumstationen oder Gefangenentransportern. Es gab ernste Geschichten und parodistische. Alles existierte nur im Text, aber in unseren Köpfen war es lebendig. Rückblickend war das wahrscheinlich meine erste echte Erfahrung mit kollaborativem Schreiben.

Dabei kamen wir gar nicht darum herum, uns mit der Sprache von Star Trek zu beschäftigen. Diese merkwürdig formelle, leicht entrückte Ausdrucksweise, die viele mit der Berman-Ära verbinden. Manche nennen sie Shakespearean. Ich habe das nie ganz so gesehen. Für mich klang das eher wie eine Variante des Transatlantic Accents, nur noch stärker von Zeit und Ort gelöst. Eine Sprache, die nirgendwo wirklich verankert ist. Dem Treksatlantic Accent.

Das hat etwas Zeitloses. Dialoge altern weniger schnell, weil sie nicht an Trends hängen. Gleichzeitig entsteht aber eine Distanz. Für Außenstehende wirkt das schnell steif oder künstlich. Und ich glaube, diese Sprachform hat die typische Kammerspiel Atmosphäre vieler Trek-Serien noch verstärkt. Menschen in Räumen, die sehr kontrolliert, sehr vernünftig, sehr korrekt miteinander sprechen.

Diese Formelhaftigkeit fand sich auch im Worldbuilding wieder. Menschen standen für aufgeklärte Vernunft, Klingonen für Kriegerkultur, Romulaner für Intrigen. Spezies waren oft Charakterabkürzungen. Das passte ins Fernsehen der Achtziger und Neunziger, ließ aber wenig Raum für Widersprüche. Individualismus war möglich, aber nicht der Standard.

Uns hat das schon damals gereizt, diese Muster aufzubrechen. Also spielten wir mit Klingonen, die depressive Phasen hatten, mit Menschen mit Traumata, mit Ferengi ohne Profitinteresse und Bajoranern ohne Glauben. Gleichzeitig liebten wir natürlich die großen Picard-Reden und versuchten, so viel Shakespeare wie möglich einzubauen. Diese Mischung aus Respekt und spielerischem Bruch gehörte dazu.

Aber das alleine reichte nicht aus. Wahrscheinlich lag das an der Franchise Müdigkeit Mitte der 2000er. Unsere eigenen Geschichten waren moderner, direkter, manchmal roher. Und immer wieder tauchte die Frage auf, warum es eigentlich keine Star Trek Serie gab, die sich wirklich zeitgemäß anfühlte, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen.

Heute versucht Starfleet Academy genau diesen Spagat. Und wie so oft, wenn sich ein Franchise neu ausrichtet, ist das Fandom gespalten. Die Informationslage ist dabei fast schon ein eigenes Phänomen. Je nachdem, wonach man sucht, findet man Berichte über katastrophale oder herausragende Streamingzahlen, über angeblich gefeuerten oder weiterhin beschäftigten Kreativchefs. In Zeiten algorithmischer Wirklichkeiten kann man sich seine Wahrheit beinahe selbst kuratieren.

Ein zentraler Streitpunkt ist wieder die Sprache. Starfleet Academy verabschiedet sich hörbar vom alten Treksatlantic Tonfall. Für manche ist das ein Befreiungsschlag, für andere ein Qualitätsverlust. Kritisiert wird oft, heutige Autorinnen und Autoren könnten keine anspruchsvollen Dialoge mehr schreiben. Interessanterweise entzündet sich diese Kritik nicht selten an einzelnen Schimpfwörtern, als hinge daran die Seele des Franchise.

Dabei geht es meist um mehr. Viele wünschen sich das Star Trek, mit dem sie aufgewachsen sind. Und alles, was davon abweicht, wird schnell als Unverständnis für das Universum gelesen.

Ich sehe das differenzierter. In der dritten Folge der ersten Staffel, Vitus Reflux, funktioniert sicher nicht alles. Das Tempo ist stellenweise unrund, der Prank-Krieg mit dem War College ist eher schwach motiviert, und die Gegenseite bleibt teilweise simpel gezeichnet.

Aber ausgerechnet die Dialoge und die Charakterentwicklung gehören für mich nicht zu den Problemen. Im Gegenteil. Die Folge interessiert sich stärker dafür, wie junge Menschen miteinander sprechen, sich abtasten, aneinander reiben. Konflikte werden nicht mehr ausschließlich in moralischen Monologen gelöst, sondern in Gesprächen, die persönlicher wirken.

Ich brauche heute nicht mehr zwingend die Szene, in der alle an einem Tisch sitzen, sachlich Optionen von einer Powerpoint vorlesen lassen, abwägen und am Ende eine große Rede alles klärt. Das habe ich früher geliebt, und aus Nostalgie funktioniert das noch immer. Aber es trägt mich nicht mehr automatisch durch eine Serie.

Vitus Reflux findet seinen Reiz in der Dynamik zwischen den Figuren. Die Folge ist verspielt, oft leichtfüßig, selten cheesy. Da kann ich das Teen-Drama fast schon verzeihen. Besonders Chancellor Nahla Ake funktioniert als Figur für mich sehr gut. Ihre Art zu führen basiert weniger auf Kontrolle und mehr auf Vertrauen. Gerade ihre Szene mit Caleb zeigt das. Sie greift nicht alles vorweg, sondern lässt Raum für Entwicklung.

Darem rückt in dieser Episode stärker ins Zentrum, was mir gut gefällt. Seine Erkenntnis, dass es im Leben um mehr geht als darum, der Beste zu sein, ist dabei kein neues Motiv. Genesis bekommt ebenfalls Raum, ohne zur bloßen Streberkarikatur zu werden.

Auch die Nebenfiguren tragen zur Welt bei. Nicht jede Zeichnung ist subtil, aber vieles ist weniger schablonenhaft, als es auf den ersten Blick scheint. Selbst Gegenspieler haben Momente, in denen sie mehr sind als bloße Bullys. Und ja, ich mochte den Heist Teil, wobei ich zugeben muss, dass ich für Heist Geschichten generell empfänglich bin.

Bemerkenswert ist am Ende des Prank-Kriegs vor allem die Art seiner Auflösung. Die Kadetten entscheidet sich nicht dafür, das War-College mit den gleichen Mitteln zu schlagen oder die Eskalation weiterzutreiben. Stattdessen verlagert sich der Fokus darauf, nicht wie man einen Konflikt führt, sondern wie man ihn beendet. Der Abschluss betont Zurückhaltung, Reflexion und die Frage, welches Verhalten dem Selbstverständnis der Sternenflotte entspricht. Das passt zu der Idee einer Organisation, die sich nicht über Überlegenheit definiert, sondern über den Anspruch, Konflikte verantwortungsvoll zu handhaben.

Die Kombination aus Jett Reno und Lura Thok als Lehrende bringt zusätzlich Humor und Wärme hinein. Solche Figuren geben einer Serie Textur. Sie sorgen dafür, dass sich das Universum bewohnt anfühlt. Und wenn das jetzt noch so mit den Nebenfiguren weitergeht, spüre ich fast schon Deep Space Nine Vibes.

Vielleicht liegt hier der Kern. Starfleet Academy versucht nicht, das alte Star Trek zu kopieren. Es tastet sich vor, probiert aus, stolpert auch. Aber es wirkt lebendig. Und für ein Franchise, das seit Jahrzehnten existiert, ist Lebendigkeit vielleicht wertvoller als Perfektion.

Starfleet Academy: Echtes Trek-Gefühl

Starfleet Academy: Echtes Trek-Gefühl

Es gibt diesen ganz speziellen Moment, wenn eine neue Star-Trek-Serie an den Start geht. Nicht, weil ich sofort alles stehen und liegen lasse, sondern weil dieses Franchise sich wie ein roter Faden durch meine Biografie zieht. Als kleiner Steppke vor dem Röhrenfernsehen im ZDF habe ich den feinen Unterschied zwischen der Originalserie mit Kirk und "The Next Generation" mit Picard noch gar nicht begriffen. Für mich ging es schlicht um die Enterprise, das Schiff war der Star.

Ich erinnere mich nur noch, dass ich Kirk damals irgendwie packender fand. Effekte, Dramaturgie oder komplexe Erzählstrukturen spielten keine Rolle. Hauptsache Weltraum, Hauptsache Raumschiffe.

Reinwachsen ins Franchise

Deep Space Nine habe ich zunächst komplett verpasst. Bei Voyager hatte ich anfangs die seltsame Angst, dass das jetzt so aussehen würde wie diese liebevoll-handgemachten Fan-Specials, die Sat1 damals als Promo zeigten. Die Pilotfolge hat mich eines Besseren belehrt.

DS9 brauchte bei mir einen zweiten Anlauf, bis es sich in mein Herz gespielt hatte, aber dann war ich endgültig verloren. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: Star Trek ist für mich gekommen, um zu bleiben.

NuTrek, Heritage Trek und ich dazwischen

Über die ersten Newsseiten im Netz habe ich später Enterprise informierter erlebt, inklusive des frühzeitigen Endes. Discovery hat mich anfangs visuell aus den Latschen gehauen, Picard war trotz seiner Schwierigkeiten sehenswert. Lower Decks hat mich als humorvolle Hommage positiv überrascht. Prodigy hat einen festen Platz in meinem Herzen und ja, ich halte es nach wie vor für eine Fehlentscheidung, dass die Serie zugunsten von Starfleet Academy weichen musste.

Strange New Worlds startete furios und lieferte genau den Sense of Wonder, den ich suchte. Bei jeder neuen Iteration schwingt bei mir die gleiche Hoffnung mit: Hoffentlich ist dies nicht der Schwanengesang auf Star Trek. Hoffentlich erreicht das Franchise neue Generationen. Nicht aus reiner Nostalgie, sondern wegen der humanistischen Grundidee dieses manchmal wunderbar cheesigen Universums: Dass wir positiv in die Zukunft blicken dürfen. Dass Empathie, Gestaltungswille und echte Hilfsbereitschaft keine Relikte der Vergangenheit sind.

Die nie eingelöste Idee: Starfleet Academy

Das Konzept der Starfleet Academy gehört zu den langlebigsten, aber lange Zeit nie eingelösten Visionen der Trek-Historie. Bereits 1968 philosophierte Gene Roddenberry über einen Kinofilm, der die Entstehungsgeschichte der zentralen Figuren beleuchten sollte. Kirk, Spock und McCoy hätten sich an der Akademie kennengelernt, erste Konflikte ausgetragen und dort ihr moralisches Fundament für die Sternenflotte gegossen.

In den 1970ern flackerte dieses Motiv in frühen Filmkonzepten immer wieder auf. Roddenberry brütete über der formativen Phase der Crew, über Idealen, der Ausbildung und dem institutionellen Aufbau der Föderation. Das Scheitern dieser Projekte lag damals weniger an mangelndem Interesse als vielmehr an internen Machtkämpfen, Drehbuch-Hürden und vertraglichen Sackgassen.

Beinahe-Umsetzung in den Achtzigern

Ganz konkret wurde es Ende der 1980er Jahre. Harve Bennett, der Produzent der Filme II bis V, entwickelte mit Star Trek: The Academy Years ein echtes Prequel. Kirk und Spock als junge Kadetten, konzipiert als klassische Coming-of-Age-Geschichte.

Paramount zeigte ernsthaftes Interesse; man dachte über Castings, Schauplätze und sogar Cameos der Original-Garde nach. Doch die Angst, ein Star-Trek-Film ohne das etablierte Ensemble könnte an den Kinokassen baden gehen, überwog. Letztlich entschied man sich für Star Trek VI: Das unentdeckte Land. Die Academy-Pläne wanderten zurück in die Schublade.

Fast eine Serie, dann doch nicht

Einen weiteren Anlauf gab es Mitte der 1980er, kurz vor The Next Generation. Paramount erwog eine Serie, in der Kadetten im Mittelpunkt stehen sollten. Eine Variante sah sogar die Enterprise als fliegende Academy vor.

Gene Roddenberry war skeptisch. Zu jugendlich, zu leichtgewichtig. Stattdessen entschied man sich für ein Ensemble erfahrener Offiziere. Die Academy verschwand erneut aus dem Zentrum, blieb aber als Idee präsent.

Jetzt also wirklich: Starfleet Academy

Und nun ist sie tatsächlich da. Unter der Ägide von Alex Kurtzman ist Starfleet Academy gestartet. Und ich muss ehrlich sagen: Die ersten beiden Folgen auf Paramount+ haben mich förmlich weggeblasen. Das Franchise ist heute gespaltener denn je: NuTrek hier, Heritage Trek da. Alles Alte wird oft sakrosankt behandelt, alles Neue reflexartig abgelehnt. Das Bonmot „Wenn du Star-Trek-Fans verärgern willst, bringe eine neue Serie heraus“ scheint aktueller denn je.

Ich stehe irgendwo dazwischen. Auch ich hinterfrage kritisch manche Story-Arcs und ärgere mich über einen mitunter flatterhaften kreativen Output. Und trotzdem freue ich mich jedes Mal wie der kleine Junge von damals, wenn es einen neuen Versuch gibt, dieses Universum zu erweitern.

Wiederaufbau, Ideale, Hoffnung

Bei Starfleet Academy spürt man sofort einen qualitativen Shift. Die oft klinische LED-Wall-Ästhetik aus Discovery-Zeiten wurde durch großzügige, haptische Sets ersetzt, die dem Ganzen eine nötige Erdung verleihen. Und der Cast muss sich mit Kalibern wie Holly Hunter und Paul Giamatti vor keiner High-End-Produktion verstecken.

Interessant ist die zeitliche Einordnung: Der „Burn“-Arc aus Discovery bildet das narrative Fundament. Ein katastrophaler Bruch, der die Föderation einst zerreißen ließ. Während die Einführung dieses Ereignisses in Discovery auf mich oft unbeholfen wirkte, greift die Prämisse hier endlich vollumfänglich. Die Akademie existiert nicht trotz des Zusammenbruchs, sondern als Antwort darauf. Sie ist ein bewusster Neuanfang nach einem kollektiven Trauma. Es geht nicht mehr primär um Expansion oder technologische Dominanz, sondern um den Wiederaufbau von Vertrauen. Die Serie stellt die essenzielle Frage: Sind Ideale nach einem zivilisatorischen Kollaps überhaupt noch erlernbar? Dass Star Trek diesen Prozess in Klassenzimmern und Schlafsälen verortet, fühlt sich – gerade mit Blick auf unsere aktuelle gesellschaftliche Lage – erstaunlich richtig an.

Die Figuren sind erfreulicherweise nicht perfekt gezeichnet. Es gibt Reibung, leise Zweifel und offene Konflikte. Für mich ist Starfleet Academy dabei keine Coming-of-Age-Serie im herkömmlichen Sinne. Ja, es gibt das typische „High-School-Gefühl“, aber es wirkt nicht wie ein kalkulierter Köder für ein Young-Adult-Publikum. Es ist ein erzählerisches Werkzeug. Die Serie erzählt keine Geschichte über die Jugend, sondern eine Geschichte mit jungen Charakteren. Dass es sich manchmal wie ein Teen-Drama anfühlt, ist die logische Konsequenz des Settings: Menschen, die lernen müssen, Verantwortung für die Galaxis zu übernehmen, während sie noch mit ihrer eigenen Identität ringen.

Der Pilot liefert zudem einen cineastischen Praxisschock, der die Theorie sofort auf die Probe stellt. Hier geht es nicht direkt um den Untergang der Galaxis, sondern um ein konkretes Problem, das Teamwork und Charakter über Uniformregeln stellt. Die Kadetten werden weder als fertige Helden noch als Witzfiguren inszeniert. Sie dürfen scheitern und überfordert sein. Und genau in diesen Momenten blitzt sie wieder auf: Diese urtypische Trek-Idee, dass wir alles meistern können, wenn wir an einem Strang ziehen.

Die Mischung aus Drama und akademischem Setting funktioniert für mich deshalb so gut, weil sie ihren eigenen Ton ernst nimmt: mal humorvoll, mal rau, mal überraschend warmherzig. Es kippt eben nicht ins „CW-Niveau im Weltall“ ab. Am Ende bleibt dieses wohlige Star-Trek-Gefühl, das ich lange vermisst habe: Ein Moment zum Durchatmen und der feste Glaube daran, dass diese Vision der Zukunft auch heute noch funktioniert.

Ich bin begeistert.

Schönes Fernsehen, schnell vergessen

Star Trek: Strange New Worlds, dritte Staffel. Ich habe mich durchgeschaut, müde und doch neugierig. Müde vielleicht, weil ich schon einmal an diesem Punkt war: damals, als Enterprise die Vorgeschichte ausrollte, noch vor Kirk und Spock. Schon da dachte ich: ist das nicht ein Schritt zurück? Aber gut, jeder neue Versuch, Trek weiterzuerzählen, hat das Risiko, Fans zu ärgern, und ich nehme mich da nicht aus.

Seitdem ist viel passiert, und gleichzeitig wenig. Discovery, auch wieder vor Kirk (also am Anfang). Strange New Worlds, dito. Der Abrams-Reboot von 2009: Spock und Kirk, nur mit Twist. Lower Decks mochte ich, aber eher auf der Metaebene. Picard Staffel 3 war für mich die Ausnahme: die alte Crew, die plötzlich doch noch einmal etwas Neues wagen durfte, auch wenn eine Supernova ganz plötzlich und in Echtzeit die heftigste Bedrohung ever war. Alles andere schien eher ein Wiederaufkochen von Bekanntem.

Genau da liegt mein Problem mit dieser dritten Staffel von Strange New Worlds. Sie ist makellos produziert, perfekt inszeniert und hat wirklich einen tollen Cast. Sie ist aber mutlos. In den letzten zwei Folgen wurden gleich zwei legendäre TNG-Momente neu variiert: Irgendwie eine Abwandlung aus Darmok in der einen Folge und The Inner Light in der anderen. Wunderschön, ja. Und große Schwächen. Aber auch deja-vu. Keine frische Idee, kein riskanter Gedanke, kein „Das gab’s so noch nie“.

Man kann das mögen: alte Rezepte funktionieren, und die Dynamik zwischen Kirk und Spock ist weiterhin solide gebaut. Männerfreundschaft, Gegensätze, das wachsende Vertrauen, alles da, alles charmant. Doch mir reicht es. Ich merke, wie ich innerlich abschalte, sobald die vertrauten Bahnen allzu eingefahren sind.

Schade ist das deshalb, weil Star Trek eigentlich mehr könnte. Kantiger sein, ernsthafter, politischer. Nicht nur in Erinnerungen baden, sondern neue Welten bauen. Staffel 3 war perfektes Fernsehen, ja – aber Fernsehen, das sich lieber an der Vergangenheit festhält, als sich in die Zukunft zu wagen. Und das macht mich vor allem eins: müde.

Wenn Star Trek müde wirkt und das ZDF mich wach hält

Manchmal merke ich, wie Serien nicht am Bildschirm, sondern vor allem an meiner eigenen Laune scheitern. Bei Strange New Worlds ist das inzwischen mein Dauerzustand.

Wir sind bei „What is Starfleet“ in der 3. Staffel, und während die Serie ganz offiziell den moralischen Vorschlaghammer auspackt, sitze ich davor und nicke nur noch routiniert. Ja, ja, versklavtes Lebewesen, moralisches Dilemma, Starfleetethos, habe ich alles schon hundertmal gesehen, nur meistens klüger, spitzer, lebendiger.

Das Bittere: ich will ja eigentlich Spaß haben. Ich will mich hineinfallen lassen in dieses Universum, so wie damals bei Picard, als wir im Podcast unbedingt die erste Staffel gutreden wollten, und dabei überraschend oft sogar recht hatten. Aber hier? Ich finde einfach keinen Halt.

Das Doku-Format dieser Folge hätte ein frischer Ansatz sein können, Kunst und Medien im Trek-Kosmos sind ja traditionell ein blinder Fleck. Doch das, was dann auf dem Bildschirm landet, wirkt halbgar. Als hätten die Autor:innen selbst keine Lust, die große Frage „Wofür steht Starfleet?“ wirklich durchzukauen.

Klar, die Fan-Momente sind da. „The Sehlat Who Are Its Tail“, der Versuch, Kirk eine kleine Origin-Note zu geben, war hübsch anzusehen. Ein, zwei nostalgische Szenen, in denen man spürt: ah, hier formt sich etwas, was später wichtig wird. Aber es ist eben die sichere Nummer. Kirk als Rohdiamant, der noch nicht weiß, was er mal können wird. Seine kompromisslose Risikobereitschaft, Crew-Kameradschaft, die man in späteren Serien wiedererkennt. Alles ordentlich gemacht. Nur: aufregend ist anders. Das riecht nach Drehbuch-Mottenkiste, nach „Character Arc für Anfänger“.

Und dann „Through the Lens of Time“: eine Folge, die so bemüht ist, dass man schon beim Zuschauen den Schweiß der Writer’s Room-Sitzungen zu riechen glaubt. Chris Myers und Babs Olusanmokun sollen da angeblich geglänzt haben, ich habe das nicht gesehen.

Vielleicht liegt’s an mir, an meiner Tagesform. Aber wenn ich mich ertappe, dass ich bei Chabos (ZDF, absolute Empfehlung!) jede freie Stunde investiere und Strange New Worlds eher als Pflichtprogramm abspule, sagt das eigentlich schon alles. Denn Chabos zeigt gerade, was Fernsehen kann: eine Geschichte, die sich traut, ambivalent zu sein. Ein 36-Jähriger, konfrontiert mit seiner Vergangenheit, Sommermärchen 2006, kommentiert mit rosaroter Nostalgie, während die Bilder vor unseren Augen etwas ganz anderes erzählen. Da ist Reibung, da ist Humor, Fremdscham, da ist ein Konzept, das sich nicht selbst erklärt, sondern laufen lässt. Genau das, was mir bei Strange New Worlds fehlt: ein Gefühl, dass hier jemand etwas erzählen will, das über die nächste moralische Stellvertreterfrage hinausgeht.

Vielleicht ist das mein Problem: ich schaue Trek inzwischen mit der Erwartung, dass es mich überrascht. Dass es größer denkt, als ich selbst. Und wenn es dann nur redlich bemüht ist, sitze ich da und werde mürrisch. Star Trek darf auch mal schwach sein, sicher. Aber muss es denn ausgerechnet so schwach sein, während ich parallel eine kleine deutsche Serie schaue, die mich mit jedem Dialog neu fesselt?

Am Ende bleibt also nur dieser Gedanke: Es liegt vielleicht nicht an der Serie allein. Vielleicht liegt’s an meinem Mood, an meiner Lustlosigkeit, an zu viel Trek im Kopf. Aber wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir einfach, dass Strange New Worlds selbst noch mal Lust auf sich hätte. Ein bisschen weniger Pflicht, ein bisschen mehr Mut. Bis dahin bleibe ich beim ZDF hängen.