Boule neben dem Trekkerspielplatz. Montags ist ...

Boule neben dem Trekkerspielplatz. Montags ist das noch schöner als sonst, weil die Swing-Leute dazukommen. Erst das Klackern der Kugeln, dann das staubige Rascheln der Tanzschuhe im Kies, und alles irgendwie in einem Rhythmus.

Das Licht war ein Geschenk. Auf der einen Seite dieses Spiel der Sonne in den Bäumen. Und gleichzeitig auf der anderen Seite ein Sonnenuntergang, der so aussah, als hätte jemand ihn mit Buntstiften nachgezogen.

Zwischen zwei Spielen dann der Satz eines alten Hasen: „Boule ist nicht einfach. Wenn ich was Einfaches will, dann spiele ich Fußball.“ Den habe ich mir gemerkt.

Wenn Star Trek müde wirkt und das ZDF mich wach hält

Manchmal merke ich, wie Serien nicht am Bildschirm, sondern vor allem an meiner eigenen Laune scheitern. Bei Strange New Worlds ist das inzwischen mein Dauerzustand.

Wir sind bei „What is Starfleet“ in der 3. Staffel, und während die Serie ganz offiziell den moralischen Vorschlaghammer auspackt, sitze ich davor und nicke nur noch routiniert. Ja, ja, versklavtes Lebewesen, moralisches Dilemma, Starfleetethos, habe ich alles schon hundertmal gesehen, nur meistens klüger, spitzer, lebendiger.

Das Bittere: ich will ja eigentlich Spaß haben. Ich will mich hineinfallen lassen in dieses Universum, so wie damals bei Picard, als wir im Podcast unbedingt die erste Staffel gutreden wollten, und dabei überraschend oft sogar recht hatten. Aber hier? Ich finde einfach keinen Halt.

Das Doku-Format dieser Folge hätte ein frischer Ansatz sein können, Kunst und Medien im Trek-Kosmos sind ja traditionell ein blinder Fleck. Doch das, was dann auf dem Bildschirm landet, wirkt halbgar. Als hätten die Autor:innen selbst keine Lust, die große Frage „Wofür steht Starfleet?“ wirklich durchzukauen.

Klar, die Fan-Momente sind da. „The Sehlat Who Are Its Tail“, der Versuch, Kirk eine kleine Origin-Note zu geben, war hübsch anzusehen. Ein, zwei nostalgische Szenen, in denen man spürt: ah, hier formt sich etwas, was später wichtig wird. Aber es ist eben die sichere Nummer. Kirk als Rohdiamant, der noch nicht weiß, was er mal können wird. Seine kompromisslose Risikobereitschaft, Crew-Kameradschaft, die man in späteren Serien wiedererkennt. Alles ordentlich gemacht. Nur: aufregend ist anders. Das riecht nach Drehbuch-Mottenkiste, nach „Character Arc für Anfänger“.

Und dann „Through the Lens of Time“: eine Folge, die so bemüht ist, dass man schon beim Zuschauen den Schweiß der Writer’s Room-Sitzungen zu riechen glaubt. Chris Myers und Babs Olusanmokun sollen da angeblich geglänzt haben, ich habe das nicht gesehen.

Vielleicht liegt’s an mir, an meiner Tagesform. Aber wenn ich mich ertappe, dass ich bei Chabos (ZDF, absolute Empfehlung!) jede freie Stunde investiere und Strange New Worlds eher als Pflichtprogramm abspule, sagt das eigentlich schon alles. Denn Chabos zeigt gerade, was Fernsehen kann: eine Geschichte, die sich traut, ambivalent zu sein. Ein 36-Jähriger, konfrontiert mit seiner Vergangenheit, Sommermärchen 2006, kommentiert mit rosaroter Nostalgie, während die Bilder vor unseren Augen etwas ganz anderes erzählen. Da ist Reibung, da ist Humor, Fremdscham, da ist ein Konzept, das sich nicht selbst erklärt, sondern laufen lässt. Genau das, was mir bei Strange New Worlds fehlt: ein Gefühl, dass hier jemand etwas erzählen will, das über die nächste moralische Stellvertreterfrage hinausgeht.

Vielleicht ist das mein Problem: ich schaue Trek inzwischen mit der Erwartung, dass es mich überrascht. Dass es größer denkt, als ich selbst. Und wenn es dann nur redlich bemüht ist, sitze ich da und werde mürrisch. Star Trek darf auch mal schwach sein, sicher. Aber muss es denn ausgerechnet so schwach sein, während ich parallel eine kleine deutsche Serie schaue, die mich mit jedem Dialog neu fesselt?

Am Ende bleibt also nur dieser Gedanke: Es liegt vielleicht nicht an der Serie allein. Vielleicht liegt’s an meinem Mood, an meiner Lustlosigkeit, an zu viel Trek im Kopf. Aber wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir einfach, dass Strange New Worlds selbst noch mal Lust auf sich hätte. Ein bisschen weniger Pflicht, ein bisschen mehr Mut. Bis dahin bleibe ich beim ZDF hängen.

Wohin fliegt Strange New Worlds?

Wohin fliegt Strange New Worlds?

Ich liebe „Star Trek“. Punkt. Ich liebe es für seine Hoffnung, seine Vision, seine Utopie. Für diese Idee, dass wir unsere menschlichen Probleme überwinden und gemeinsam aufbrechen können, nicht als Besatzerinnen und Besatzer, sondern als Forschende, als Diplomat*innen, als Menschen, die etwas lernen wollen.

Und genau deshalb fällt es mir schwer, die bisherige dritte Staffel von Strange New Worlds einfach nur gut zu finden (aktuell sind vier Folgen draußen).

Denn was wir hier erleben, ist im Kern ein Filler-Feuerwerk mit großem Budget. Und bevor mir jemand in die Kommentare schreibt: „Aber Filler machen doch Star Trek aus!“ – ja, defintiv. Aber selbst die scheinbar belanglosen Folgen waren in einem Kontext eingebettet, von mehr als 20 Folgen pro Jahr, mir Rückgrat, mit Aussagen, mit Gefühl.

Was bisher geschah und warum es mich nervt

Aktuell haben wir die Staffelhalbzeit noch nicht erreicht, aber ich habe schon jetzt das Gefühl: Hier geht nichts voran. Keine echte Bedrohung, kein größerer thematischer Bogen. Stattdessen: Whodunits, Zombies, Was-wäre-wenn-Geschichten. Klar, kann man feiern und ja, viele tun das auch. Find' ich ja prinzipiell auch super. Aber ich saß da, Folge für Folge, und fragte mich:

Wo sind die Strange New Worlds hin?

Besonders stört mich der Fokus auf die Romanzen rund um Spock. Klar hat der Typ das verdient, keine Frage! Gönnen wir's ihm. Aber: Der Charakter Spock, der jahrzehntelang für innere Spannung zwischen Logik und Emotion stand, wird hier reduziert auf Love Interests und den Wunsch in einer Liebesbeziehung aufgehen zu können. Das fühlt sich seltsam an, es widerspricht, was diese Figur mal war.

Und La’an? Die hatte in Staffel 1 richtig Potenzial – eine Figur mit Tiefe, Trauma, Härte und Herz. Jetzt? Wirkt’s oft so, als würde man sie bloß romantisch (erst Kirk, jetzt Spock) verwerten und zeigt, dass sie tanzen kann. .

Filler, die was erzählen: Voyager & DS9 konnten’s besser

Ich mag Einzelepisoden. Ich mag Deep Space Nine. Und ich glaube, die Serie hat so gut für mich funktioniert, weil es diese Mischung aus Einzelgeschichten und episodenübergreifende Handlung hatte. Und wenn dann noch eine Folge ausgestrahlt wurde, mit der ich nie gerechnet hätte, „Far Beyond the Stars“ oder „Our Man Bashir“, beides Filler, aber mit enormer Wirkung für mich. Voyager hatte Folgen wie „Latent Image“ oder „Living Witness“, die völlig losgelöst von der Hauptstory funktionierten, aber starke ethische Fragen aufwarfen. Und warum haben Sie funktioniert? Weil der Rest funktioniert hat.

Die aktuelle SNW-Staffel hingegen wirkt für mich oft wie ein Best of "Star-Trek"-Tropes, ohne echten Kontext. Viel Stil, wenig Substanz. Das ist schade, gerade weil die Serie in Staffel 1 noch gezeigt hat, dass sie beides kann.

Was fehlt? Utopie, Baby.

Ich will keine Serie, die mir nur zeigt, was alles kaputt ist. Davon hab ich genug im Alltag. Ich will eine Serie, die mir zeigt, was möglich wäre, wenn wir zusammenhalten. Und genau das hat Star Trek bisher besser gemacht als jedes andere Franchise.

Aber SNW Staffel 3 scheint vergessen zu haben, dass es auch genau das mal sein wollte:

Ein Fenster in eine mögliche Zukunft – und nicht bloß ein Theaterstück im Weltraum.

Fazit: Hübsch, aber hohl?

Ich wünschte, ich könnte sagen: „Es wird schon wieder.“ Aber ehrlich gesagt bin ich unsicher. Die Produktionswerte sind top, keine Frage. Auch das Cast ist stark, die Chemie stimmt. Aber ohne echtes Ziel, ohne Vision, ohne diesen utopischen Unterbau fühlt sich SNW für mich an wie ein schönes Hologramm: perfekt ausgeleuchtet, aber nicht echt und nicht neu.

The Accountant², 2025

Also, eigentlich dürfte ich “The Accountant 2” gar nicht mögen, weil er so viele unterschiedliche Elemente in sich vereint. Es fühlt sich fast so an, als hätte man ein Best-of all der Ideen, die sich seit dem ersten Teil angesammelt haben, in diesen Film gepackt.

Aber, was soll ich sagen? Es hat für mich einfach funktioniert! Irgendwie war es genau der richtige Film zur richtigen Zeit, und dieses bunte Sammelsurium an Szenen hat mich einfach super unterhalten.

The Salt Path, 2024

Ein Paar verliert alles: das Haus, die Sicherheit, die Gesundheit. Was bleibt, ist ein Zelt, Teebeutel, die man sich teilt und ein schmaler Pfad entlang der rauen Südwestküste Englands. „Der Salzpfad“, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Raynor Winn, erzählt diese Geschichte als Roadmovie zu Fuß, als Naturbetrachtung, als innere wie äußere Heldenreise. Das funktioniert, ist solide inszeniert – und lässt dabei doch das Kino manchmal ein bisschen verhungern.

Die Bildgestaltung stammt von Hélène Louvart, einer Kamerafrau mit feinem Gespür für Licht und Stille (The Lost Daughter, Never Rarely Sometimes Always). Umso mehr hat es mich irritiert, dass die visuelle Sprache des Films hier so einseitig gerät. Sicher, das Meer ist fotogen, Cornwall ist einfach nur schön, aber der Film ruht sich auf immer gleichen Drohnenflügen aus, die meist auf Schulterhöhe der Figuren starten und mit einem seufzenden Zoom in die Weite des Ozeans enden. Es wirkt wie ein Mantra: Erst Nähe, dann Fluchtpunkt.

Das es auch anders geht, zeigt eine Szene, in der sich Gillian Anderson im Wald um die eigene Achse, dreht, um die Schönheit der Natur geradezu aufzusaugen. Aufgenommen mit einer Fischlinse, damit wir Zuschauenden die Umgebung auch aufsaugen können. Das reicht mir, mehr davon! Diese kleinen, subjektiven Verzerrungen sprechen. Doch sie bleiben selten. Stattdessen: Viel Landschaft, wenig Mut.

Was „Der Salzpfad“ dennoch trägt – mit sicherem Schritt – ist das Spiel seiner beiden Hauptdarsteller. Gillian Anderson (zuletzt gesehen als großartige Therapeutin in „Sex Education“) zeigt hier das genaue Gegenteil: eine Frau, der das Leben alles genommen hat und die dennoch nicht aufhört, Wärme zu verströmen. Sie spielt zurückgenommen, mit einem müden, aber klaren Blick. Keine große Geste, kein Drama – sondern Haltung.

Jason Isaacs, den ich zuletzt in „Star Trek: Discovery“ gesehen habe, stellt sich ebenfalls in den Dienst der Figur. Kein Pathos, kein Betonen der Schwäche. Er zeigt Moth als Mann, der seine Würde nicht verliert, obwohl die Krankheit an ihm zerrt.

Und dann ist da noch James Lance, ein bisschen schräg, defintiv zu konstruiert. Aber hey: Diese Haare! Wie soll man da nicht milde gestimmt sein?

Dramaturgisch ist „Der Salzpfad“ an die klassische Struktur der Heldenreise angelehnt: Der Ruf zum Abenteuer kommt durch die Zwangslage – Verlust des Hauses, Diagnose einer unheilbaren Krankheit – und führt zu einer Wanderung, auf der die Protagonisten Prüfungen bestehen, wachsen, scheitern, weitermachen.

Aber: Der Film erzählt das nicht stringent durch. Stattdessen gibt es Pausen und gefühlte Wiederholungen. Ist das schlimm? Nein. Aber es verlangsamt das Narrativ, nimmt Spannung raus, sorgt für ein Ziehen im zweiten Akt. Der Rhythmus wird zum Stolperpfad. Und man fragt sich: Geht’s jetzt weiter oder sind wir schon da?

Was „Der Salzpfad“ hingegen richtig gut macht, ist das, was viele Filme sich nicht mehr trauen: Beziehung durch Beobachtung zu erzählen, nicht durch Worte. Die Verbindung zwischen den beiden Hauptfiguren entsteht nicht durch dramatische Monologe oder wohlformulierte Eheversprechen bei Sonnenuntergang, sondern durch kleine, beiläufige Gesten.

In einer besonders schönen Szene sehen wir, wie Andersons Figur beim Essen heimlich einen Teil ihrer Spaghetti auf den Teller ihres Mannes schiebt. Keine große Sache. Und doch bemerkt er es, und wir merken, dass er es bemerkt. Diese Miniatur der Fürsorge spricht Bände: Sie müssen sich nicht versichern, dass sie sich lieben. Sie zeigen es im Moment. Und genau das ist große Kunst: nicht zeigen, dass man liebt, sondern zeigen, wie Liebe aussieht, wenn niemand hinschaut.

Ja, es gibt Kontroversen um das Buch. Ob die Geschichte so wahr ist, wie sie verkauft wird, ob das Paar wirklich obdachlos war, ob die Krankheit tatsächlich so verlief wie beschrieben, all das steht derzeit zur Debatte. Doch das gehört nicht hierher. Diese Kritik bezieht sich ausschließlich auf den Film. Und als solcher behauptet er nicht, die ganze Wahrheit zu zeigen. Er zeigt eine Reise. Eine Suche. Und das gelingt ihm – mit Schwächen, aber auch mit Momenten, die berühren.

„Der Salzpfad“ ist kein Meisterwerk, aber ein fein gespielter, gelegentlich zu glatter Film über Verlust und Neuanfang. Das Schauspiel glänzt, die Landschaft blendet – doch die filmische Handschrift bleibt zu brav. Die Kamera bewundert, statt zu gestalten. Für ein Werk, das von Transformation handelt, hätte man sich genau das auch im Visuellen gewünscht.

Ein wirklich schöner Film, aber kein unvergesslicher.