Superman

Ich muss zugeben: Superman war nie mein Held. Doch „Superman“ von James Gunn hat mich positiv überrascht. Und zwar mehr, je länger ich darüber nachdenke. Superman, 1938 von den jüdischen Comiczeichnern Jerry Siegel und Joe Shuster erschaffen, war von Anfang an mehr als ein Superheld: Er war ein Symbol gegen die rassistische Ideologie des Nationalsozialismus. Ein Held, der für universelle Gerechtigkeit stand. Ein politisches Zeichen.

In modernen Superheldenfilmen erleben wir eine andere Art von Politisierung. Serien wie „Ironheart“ oder viele der neueren Marvel-Filme setzen bewusst auf Diversität. Sie thematisieren Gender-Gerechtigkeit, ethnische Vielfalt und die Inklusion unterschiedlicher Identitäten. Das ist wichtig, es bringt neue Perspektiven und Geschichten. Trotzdem wird es oft nur als modischer Zeitgeist wahrgenommen.

Gunn wählt einen anderen Weg. Mit „Superman“ kehrt er zurück zu den Wurzeln. Er macht Superman nicht wieder zum reinen Action-Helden oder abgeklärten Zyniker, sondern erinnert an seine ursprüngliche Aufgabe. Gunn verzichtet auf bekannte Neuinterpretationen des Stoffes – Superman ist hier weder Messias, Fremder, Kansas-Junge, unbeholfener Nerd noch kalter Gott. Er ist ein moralischer Superman mit Haltung. Ein Mensch mit Prinzipien in einer Welt, die ihren moralischen Kompass verliert. Und Gunn nutzt dafür ein Stilmittel, das im Blockbuster-Kino fast verloren gegangen ist: die Allegorie.

Superheldenfilme erzählen heute selten in Allegorien. Sie arbeiten direkter: mit Repräsentation, mit klaren Botschaften zu Identität und Gerechtigkeit. Das ist richtig und wichtig. Das große Erzählen über Bilder, Gleichnisse und Spiegelungen? Das kennt man eher aus Autorenkino oder Science-Fiction-Klassikern. Es gibt Ausnahmen: „District 9“ mit seiner Apartheid-Parabel, „Children of Men“ als düstere Vision von Migrationspolitik, „Parasite“ als kapitalismuskritische Satire oder „Get Out“ als Horrorfilm über versteckten Alltagsrassismus.

Gunns „Superman“ erinnert mich eher an „Star Trek“, wenn es gut war: Haltung zeigen, ohne zu predigen. „Star Trek“ hat mit Raumschiffen über Imperialismus gesprochen, mit fremden Völkern über den Kalten Krieg, über Ausgrenzung. Gunn bringt das zurück: Superman als moderne Allegorie, als Antifaschist in einer Gesellschaft, die zunehmend autoritär wird. Das wirkt ungewohnt, gerade im Popcorn-Kino. Holt mich aber trotz allem nicht gänzlich ab.

Ich werde den Film wahrscheinlich nicht noch einmal allein schauen. Aber wenn jemand den Film nicht kennt – ich wäre dabei. „Superman“ ist ein unterhaltsamer Blockbuster, der zeigt: Auch alte Helden müssen sich nicht unbedingt neu erzählen lassen.

The Accountant 2

Also, eigentlich dürfte ich “The Accountant 2” gar nicht mögen, weil er so viele unterschiedliche Elemente in sich vereint. Es fühlt sich fast so an, als hätte man ein Best-of all der Ideen, die sich seit dem ersten Teil angesammelt haben, in diesen Film gepackt.

Aber, was soll ich sagen? Es hat für mich einfach funktioniert! Irgendwie war es genau der richtige Film zur richtigen Zeit, und dieses bunte Sammelsurium an Szenen hat mich einfach super unterhalten.

Wicked, 2024

Wicked ist ein Fest für die Sinne – ein bombastisches Musical mit Herz, Magie und einer Prise Rebellion. Ja, es ist eine klassische „Ich bin anders“-Coming-of-Age-Geschichte, aber die kleinen und großen Ideen im Wordbuilding, machen den Unterschied.

Fantastische Bilder, eine grandiose musikalische Untermalung und inszenatorische Highlights sorgen für ein Erlebnis, das sich einfach gut anfühlt. Ariana Grande und Cynthia Erivo singen und spielen sich die Seele aus dem Leib, während Michelle Yeoh nach ihrem eher nüchternen Auftritt in Section 31 hier zeigt, dass sie auch fies kann. Und dann ist da noch Jeff Goldblum – und er macht, was Jeff Goldblum eben macht: Er ist er selbst. Und das großartig.

Wicked

Wicked ist ein Fest für die Sinne – ein bombastisches Musical mit Herz, Magie und einer Prise Rebellion. Ja, es ist eine klassische „Ich bin anders“-Coming-of-Age-Geschichte, aber die kleinen und großen Ideen im Wordbuilding, machen den Unterschied.

Fantastische Bilder, eine grandiose musikalische Untermalung und inszenatorische Highlights sorgen für ein Erlebnis, das sich einfach gut anfühlt. Ariana Grande und Cynthia Erivo singen und spielen sich die Seele aus dem Leib, während Michelle Yeoh nach ihrem eher nüchternen Auftritt in Section 31 hier zeigt, dass sie auch fies kann. Und dann ist da noch Jeff Goldblum – und er macht, was Jeff Goldblum eben macht: Er ist er selbst. Und das großartig.

The Substance, 2024

„I need you because I hate myself.“ The Substance ist Cronenberg-Body-Horror mit emotionaler Kälte: ein Film über Entfremdung, fehlende Kommunikation und die Eskalation von Egoismus in brutaler Konsequenz. Aggressionen stauen sich, bis sie, nun ja, explodieren.

Visuell stark ist der Wechsel zwischen verstörenden Nahaufnahmen und Weitwinkel-Panoramen. Das funktioniert für mich, weil  die Bildsprache präzise ist, nie bloß artsy, sondern ironisch gebrochen. Und vor allem, weil sie weiß, was sie will.

Der Film ist etwas zu lang, das Ende schwächer als der Rest. Trotzdem: ein kluges, verstörendes Werk.